Hybris: Definition, Herkunft und Bedeutung in Psychologie und Literatur
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Hybris: Definition und Bedeutung
Die Hybris [ˈhyːbʀɪs] (griechisch ὑβρις hùbris „Übermut, Anmaßung“) bezeichnet eine extreme Form der Selbstüberschätzung oder auch des Hochmuts. Man verbindet mit Hybris häufig den Realitätsverlust einer Person und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, Leistungen und Kompetenzen, vor allem von Personen in Machtpositionen.
Siehe auch: hybris (Wiktionary)
Hybris (Deutsch)
Substantiv, feminin
| Siehe auch: hybris |
| Singular | Plural | |
|---|---|---|
| Nominativ | die Hybris | — |
| Genitiv | der Hybris | — |
| Dativ | der Hybris | — |
| Akkusativ | die Hybris | — |
Worttrennung:
- Hy·bris, kein Plural
Aussprache:
- IPA: [ˈhyːbʀɪs]
- Hörbeispiele: —
Bedeutungen:
- [1] realitätsfernes, maßloses und unangemessenes Vertrauen in die Handlungen der eigenen Person
Herkunft:
- im 19. Jahrhundert von dem altgriechischen Substantiv ὑβρις (hùbris) →grc „Vermessenheit“ entlehnt[1]
Synonyme:
Beispiele:
- [1] „Was Holzinger vortrug, drückte eher Hybris gegenüber der Vergangenheit aus; die Hybris selbstgerechter Menschen, die im nachhinein genau wissen, wie moralisch integer sie sich verhalten hätten, wären sie an der Stelle der Unwürdigen gewesen.“[2]
- [1] „Auch die Hybris ist mit dem Raum der Höhe verbunden.“[3]
- [1] „Solche Hybris war im imperialistischen 19. Jahrhundert der Normalfall.“[4]“
Wortbildungen:
- hybrid (im Sinne von „arrogant, hochmütig“)
Übersetzungen
|
Referenzen und weiterführende Informationen:
- [1] Wikipedia-Artikel „Hybris“
- [1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Hybris“
- [*] canoo.net „Hybris“
- [1] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikon „Hybris“
- [1] The Free Dictionary „Hybris“
- [1] Duden online „Hybris“
Quellen:
- ↑ Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort: „Hybris“, Seite 429.
- ↑ Strafjustiz: Hybris selbstgerechter Menschen, Von Friedrichsen, Gisela, 15.01.1996
- ↑ Christof Hamann, Alexander Honold: Kilimandscharo. Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges. Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-8031-3634-3, Seite 15.
- ↑ Dietmar Pieper: Das erste globale Netz. In: SPIEGEL GESCHICHTE. Nummer Heft 1, 2016, Seite 14-17, Zitat Seite 15.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Beschreibung
- 2 Siehe auch
- 3 Literatur
- 4 Weblinks
- 5 Einzelnachweise
Beschreibung
In antiken griechischen Tragödien wurde Hybris als ein Auslöser für das Scheitern vieler Protagonisten verwendet. In ihrer Überheblichkeit ignoriert die Hauptfigur die von Göttern gegebenen Befehle und Gesetze. Auf die menschliche Hybris folgt häufig die göttliche Bestrafung durch Nemesis, welches schließlich zum Fall und Tod des Protagonisten führt.
Nach Auffassung von Walter Arnold Kaufmann ist Hybris weder als Stolz auf eigene Leistung oder eigenen Wert noch als ein Herausstreichen des eigenen Verdiensts (Selbstbeweihräucherung) zu verstehen. Hybris ist nicht wie Stolz etwas, das man fühlt. Sie ist vielmehr immer mit einer Handlung verbunden. Das griechische Verb ὑβρίζειν (hybrízein) bedeutet bei Homer „üzellos werden“ oder „sich austoben“ und wird auch auf Flüsse, wuchernde Pflanzen und überfütterte Esel angewandt, die schreien und aufstampfen. Hybris bedeutet demnach „mutwillige Gewalt“ und „Frechheit“ (etwa in der Odyssee gebraucht für Penelopes Freier). Es bedeutet auch ,Gier’ und „Lüsternheit“. Hybrisma bedeutet Frevel, Vergewaltigung, Raub und fasst im Recht alles zusammen, was einer Gottheit oder einem Menschen an schwerer Unbill zugefügt wird.[1]
In der Wissenschaft wird Hybris auch in der Psychologie, Medizin sowie in der Organisations- und Managementforschung untersucht und thematisiert.[2] Im heutigen Sprachgebrauch wird Hybris als ein bildungssprachlicher Ausdruck für Vermessenheit und Selbstüberhebung verwendet, die zu einem schlimmen Ende führen werden. Beispiel: „Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“ (Karl Popper[3])
Siehe auch
- Narzissmus, Dunning-Kruger-Effekt
- Hamartie, die das Unglück auslösende Verfehlung des Helden in Aristoteles’ Poetik
- Kreon, Niobe, Ödipus, Tantalos, Ikarus
- Der Ring des Polykrates
- Hybrid
- Hybris ist die größte Schwäche der Annabeth Chase aus den Percy Jackson Büchern von Rick Riordan
Literatur
- Meyer H. Abrams, Geoffrey Galt Harpham: A Glossary of Literary Terms. 10th edition, international edition. Wadsworth Cengage Learning, Boston MA u. a. 2012, ISBN 978-0-495-90659-9, S. 408 f.
Weblinks
Einzelnachweise
Walter Kaufmann: Tragödie und Philosophie (= Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften. Bd. 26). Mohr, Tübingen 1980, ISBN 3-16-942682-6, S. 74.
Vgl. z. B. Philipp Hermanns: Organizational Hubris. Aufstieg und Fall einer Celebrity Firm am Beispiel der CargoLifter AG. Kölner Wissenschaftsverlag, Köln 2012, ISBN 978-3-942720-33-5, S. 9 ff.
Karl Popper: Das Elend des Historizismus, Vorwort zur deutschen Ausgabe von 1964.