Iberische Halbinsel: Von der Menschwerdung bis zur Neuzeit
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1.1 Humanisierung der Iberischen Halbinsel
Der Prozess der Menschwerdung begann in Afrika. Von dort aus breitete er sich vor etwa 1,5 Millionen Jahren mit der Spezies Homo ergaster ("working man") über den Nahen Osten, Asien und Europa aus. Im Gran Dolina in der Sierra de Atapuerca (Burgos) wurden 1994 die ältesten Fossilien Europas entdeckt (vor ca. 800.000 Jahren). Es handelte sich um Schädel- und Kieferknochen von sechs Personen — zwei Erwachsenen und vier Kindern — die einer neuen Art der Gattung Homo zugeordnet wurden: Homo antecessor ("Vorgänger-Mensch"). Diese Vertreter waren groß und kräftig; es gibt außerdem Hinweise auf Kannibalismus.
In der Fundstelle Sima de los Huesos in Atapuerca wurden vollständige Skelette von 32 Individuen gefunden, etwa 300.000 Jahre alt, die zu präneandertalen Populationen zu rechnen sind. Der Neandertaler (Homo neanderthalensis) lebte auf der Halbinsel im Mittelpaläolithikum (ca. 100.000–35.000 v. Chr.). Er war robust, nutzte Feuer und begrub seine Toten. Die Neandertaler starben vor etwa 25.000 Jahren aus bislang ungeklärten Ursachen aus. Überreste wurden unter anderem in Santander (Cueva Morín), Granada, Málaga und Gibraltar gefunden; in Gibraltar können sich die letzten Neandertaler aufgehalten haben.
Homo sapiens sapiens (die Cro‑Magnon‑Menschen), eine horizont afrikanischer Herkunft, erreichten die Halbinsel vor rund 40.000 Jahren und koexistierten eine Zeitlang mit den Neandertalern. Sie fertigten Pfeil und Bogen, Steinwerkzeuge und Höhlenmalereien an. Die modernen Menschen stammen von diesen Populationen ab.
1.2 Die vorrömischen Völker
Zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr. war die Iberische Halbinsel ein Mosaik verschiedener Völker in der Eisenzeit und frühen Geschichte. Man fasst sie in zwei große kulturelle Gruppen zusammen:
- Iberische Völker (Süden und Osten): Diese standen unter dem kulturellen Einfluss der Phönizier und Griechen. Sie sprachen verwandte Sprachen, von denen Teile schriftlich überliefert sind. Wirtschaftlich dominierten Ackerbau, Handel und die Verwendung von Münzwährungen. Politisch organisierten sie sich häufig in Stadtkönigreichen unter Herrschaft von Königen (reguli) oder in städtischen Bündnissen. Befestigte Siedlungen lagen oftmals auf Höhen. Die Gesellschaft war hierarchisch (Aristokratie bis Sklaven). Bedeutende Kunstwerke sind z. B. die Dama von Elche und keramische Fundstücke aus Baza.
- Keltische Völker (Norden, Mitte, Westen): Sie waren indo‑europäischen Ursprungs und kulturell weiter rückständig gegenüber den Iberern. In Zentral- und Westhälfte (Vacceos, Vettones, Carpetani, Lusitaner) dominierten Landwirtschaft und Viehzucht; Handel spielte eine geringere Rolle und Münzen wurden selten verwendet. Die Gesellschaft war in Stämmen und Clans organisiert, mit einer Kriegeraristokratie, die ihre Führer nach persönlichem Prestige wählte. Die Völker des Nordens (Galicien, Asturien, Kantabrien, Basken) blieben aufgrund geografischer Isolation besonders archaïsch; sie waren Bauern und Fischer und lebten in stark befestigten Siedlungen (Forts). Die Keltiberer in der zentral‑östlichen Hochebene waren autochthone Völker, die keltische Kultur annahmen.
1.3 Historische Siedlungen: Phönizier, Griechen und Karthager
Im ersten Jahrtausend v. Chr. erreichten drei Mittelmeervölker die Halbinsel und gründeten Kolonien: Phönizier, Griechen und Karthager. Sie suchten Handelspartner, insbesondere für Metalle (Kupfer, Gold, Silber, Zinn) und andere Produkte, und brachten neue Lebensweisen mit sich.
- Phönizier: Sie gründeten Handelsniederlassungen wie Gadir (Cádiz, ca. 800 v. Chr.), Malaka (Málaga), Sexi (Almuñécar) und Abdera (Adra). Sie führten Weinrebe, Schweinezucht, Purpurfärberei, die Töpferscheibe, Salz, gesalzenen Fisch und das phönizische Alphabet ein.
- Griechen: Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. von Massilia (Marseille) aus gründeten sie Kolonien wie Rhoda (Rosas) und Emporion (Ampurias), ferner Siedlungen in Málaga (Menace?) und Denia (Hemeroskopeion). Sie brachten den Olivenbaum, Esel, Geflügel, Münzwesen, Kunsthandwerk und Teile des Alphabets.
- Karthager: Aus der phönizischen Kolonie in Nordafrika stammend, dehnten sie ihre Herrschaft im 6.–3. Jahrhundert v. Chr. in den westlichen Mittelmeerraum aus. Sie gründeten unter anderem Ebussus (Ibiza) und Carthago Nova (Cartagena) als Hauptstadt und suchten Metalle, Landstützpunkte und Söldner.
1.4 Schritte der römischen Eroberung der Halbinsel
Im 3. Jahrhundert v. Chr. stritten Rom und Karthago um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeer. 219 v. Chr. griff Hannibal Sagunto an — ein römischer Bündnispartner — und damit wurde der Ebro-Vertrag verletzt, was den Ausbruch des Zweiten Punischen Krieges (218–201 v. Chr.) zur Folge hatte. Rom begann die Besetzung der Halbinsel in mehreren Etappen:
- Besetzung der Mittelmeerküste und der Täler von Guadalquivir und Ebro (218–170 v. Chr.): 218 landeten römische Truppen in Empúries; 209 v. Chr. nahm Scipio New Carthage (Qart Hadasht), und 206 fielen weitere karthagische Stützpunkte. Einheimische Aufstände wurden teils gewaltsam, teils durch römische Konsuln wie Cato niedergeschlagen.
- Eindringen in die Hochebene (154–133 v. Chr.): Starker Widerstand der Einheimischen folgte, u. a. die lusitanischen Kriege unter Viriato mit Guerillataktik sowie die keltiberischen Kriege. Der Heldentum von Numantia endete 133 v. Chr. mit der Einnahme durch Scipio Aemilianus.
- Asturisch‑kantabrische Kriege (29–19 v. Chr.): Der Widerstand im Norden zwang Augustus persönlich einzugreifen; schließlich wurden die Aufständischen militärisch gebrochen und teilweise versklavt, vor allem in Bergwerksarbeiten.
1.5 Die Romanisierung: kulturelles Erbe
Romanisierung bezeichnet die Übernahme römischer wirtschaftlicher, sozialer, politischer, rechtlicher und kultureller Institutionen durch die eroberten Völker. In der römischen Hispania verlief die Romanisierung im Osten und Süden intensiv, im Norden später und schwächer.
Wichtige Instrumente der Romanisierung waren die Armee, das Vulgärlatein als offizielle Sprache, römische Institutionen und das römische Recht sowie religiöse Einflüsse, insbesondere das Christentum. Das römische kulturelle Erbe ist umfangreich: Provinznamen, Städte (z. B. Emerita Augusta, Tarraco, Legio, Hispalis), Monumente wie das Aquädukt von Segovia, der Bogen von Bará, Theater in Mérida und Sagunto, das Amphitheater von Itálica, die Stadtmauer von Lugo, die Brücke von Alcántara u. v. m. Hispania brachte Kaiser wie Hadrian, Trajan und Theodosius sowie Intellektuelle hervor (Seneca, Martial, Quintilian, Mela, Lucan, Columella).
1.7 Die westgotische Monarchie: Institutionen
Die Westgoten, ein germanisches Volk, fielen ab 409 in die römischen Provinzen ein und verdrängten dort Sueben, Vandalen und Alanen. Nach dem Fall des Weströmischen Reiches (476) und der Niederlage der Franken bei Vouillé (507) entstand ein Westgotenreich auf der Halbinsel mit Toledo als Hauptstadt. Leovigild vereinte später das Reich (Eroberung der Sueben 585); Suinthila vertrieb byzantinische Truppen, unterwarf jedoch nicht die Basken. Recaredo erzielte die religiöse Einigung durch die Konversion zum Katholizismus beim Dritten Konzil von Toledo (589). Recesvinto vereinheitlichte die Westgoten und das römische Recht im Codex der Westgoten (Forum Iudicum bzw. Lex genannt, 654).
Die westgotische Monarchie war formal einheitlich, aber schwach, da die Königswahl oft Einflussnahme des Adels voraussetzte. Wichtige Einrichtungen waren:
- Aula regia: Beratendes Gremium des Adels und der königlichen Mitarbeiter.
- Officium palatinum: Der innere Hofstaat, die vertrauensnächsten Beamten des Königs.
- Die Synoden von Toledo: Versammlungen, in denen religiöse und politische Prinzipien gemeinsam von König, Kirche und Adel festgelegt wurden.
2.1 Muslimische Eroberung und einfallende Völker
Die rasche Expansion des Islams seit den 630er Jahren und die innenpolitische Krise der Westgoten führten 711 zur muslimischen Eroberung der Iberischen Halbinsel. Der Statthalter Musa ibn Nusayr entsandte 711 eine Expedition unter Tariq ibn Ziyad, größtenteils bestehend aus nordafrikanischen Berbern. In der Schlacht von Guadalete (711) besiegten sie die Streitkräfte des Königs Don Rodrigo. 712 vereinigten sich Tariq und Musa, und bald fiel Toledo (712–714). Die Eroberung umfasste weite Teile der Halbinsel mit Ausnahme einiger nördlicher Gebirgsregionen; 732 wurde bei Poitiers ein Vorstoß nach Norden von Karl Martell gestoppt.
Die Geschwindigkeit der Eroberung lässt sich nicht allein durch die Schwäche der Westgoten erklären: Teilweise kämpften die muslimischen Streitkräfte wegen Beute, teilweise zur Ausbreitung des Glaubens. In der Bevölkerung gab es wenig organisierten Widerstand; viele konvertierten oder zahlten Abgaben (muladíes). Muslime zeigten gegenüber Christen und Juden zunächst relative Toleranz (People of the Book). Zahlreiche westgotische Eliten schlossen Vereinbarungen mit den Invasoren, um Besitz und Privilegien zu bewahren.
2.3 Die Taifa‑Königreiche und die Krise des 11. Jh.
Der Zerfall des Kalifats von Córdoba nach dem Tod des mächtigen Wesirs al‑Manṣūr (Mansur) um 1002 führte in eine Periode des Niedergangs. Bis 1031 war das Kalifat zerfallen und etwa 30 unabhängige Taifa-Königreiche entstanden. Man kann sie nach ethnischer Zusammensetzung unterscheiden: arabische Taifas (Zaragoza, Sevilla, Córdoba, Toledo, Badajoz u. a.), berberische (Granada, Málaga) und slawische (Murcia, Valencia).
Politisch und militärisch waren die Taifas oft schwach; sie mussten hohe Tributzahlungen (Parias) an die christlichen Königreiche im Norden leisten, um ihre Unabhängigkeit zu wahren. Trotz politischer Schwäche erlebten viele Taifas kulturelle und künstlerische Blütezeiten. Als Alfonso VI. von Kastilien Toledo 1085 eroberte, suchten manche Taifas Schutz bei den Almoraviden aus Nordafrika, die bald Al‑Andalus vorübergehend einheitlich unter ihre Herrschaft brachten.
2.5 Al‑Andalus: Wirtschaftliche und soziale Organisation
Die wichtigste Einnahmequelle Al‑Andalus' war die Landwirtschaft, die auf der sogenannten mediterranen Dreifelderwirtschaft (Weizen, Wein, Oliven) beruhte. Auf großen Latifundien wurden außerdem neue Kulturen integriert (Baumwolle, Reis, Zuckerrohr, Zitrusfrüchte) sowie fortschrittliche Bewässerungstechniken (Brunnen, Kanäle, Aquädukte) eingeführt.
Städte waren Zentren handwerklicher Produktion (u. a. Textilien wie Seide und Leinen) und Handel. Der Außenhandel stand Al‑Andalus in einer privilegierten Stellung zwischen Europa und Afrika; exportiert wurden u. a. Öl, Waffen und Stoffe, importiert Luxusgüter, Gewürze und Sklaven aus dem Osten.
Die Gesellschaft Al‑Andalus' war ethnisch, religiös und wirtschaftlich vielfältig:
- Arabische Aristokratie: Besitz großer Ländereien und Schlüsselpositionen in der Verwaltung.
- Berber: Oft Bauern und Handwerker, teilweise marginalisiert.
- Hispano‑Muslime: Einheimische, die zum Islam konvertiert waren (muladíes), sowie die mozarabische christliche Minderheit, die ihre Religion gegen Zahlung von Steuern behalten durfte.
- Juden: Sie spielten eine wichtige wirtschaftliche und kulturelle Rolle und wohnten häufig in eigenen Vierteln.
- Sklaven: Darunter Slawen, die in Söldnertruppen dienten und nach Freilassung aufsteigen konnten, sowie schwarze Sklaven.
2.6 Al‑Andalus: Wissenschaft, Philosophie und Literatur
Al‑Andalus erlebte besonders im 10. Jahrhundert unter dem Kalifat von Córdoba (Herrschaft Abd al‑Rahman III. und Al‑Hakam II.) eine große kulturelle Blüte. Córdoba wurde zu einem Zentrum für Naturwissenschaften, Mathematik, Astronomie, Botanik, Medizin, Geschichte und Literatur, besonders Poesie und höfische Dichtung.
Gelehrte übersetzten und rezipierten griechische, persische und indische Werke; viele dieser Schriften gelangten über muslimisches Spanien nach Europa. Die Taifa‑Periode im 11. Jahrhundert war trotz politischer Zersplitterung ein goldenes Zeitalter andalusischer Kultur. Dichter und Mäzene konkurrierten um Ruhm; das Gericht von Sevilla etwa war bekannt für Dichter wie Ibn Zaydun und Al‑Mutamid.
Wichtige Denker und Gelehrte dieser Tradition sind Avempace (Ibn Bajja), Averroes (Ibn Rushd) und Maimonides (Rabbi Moses ben Maimon), die im 12. Jahrhundert Philosophie und Medizin maßgeblich prägten und Aristoteles mit ihrem jeweiligen religiösen Denken in Einklang zu bringen suchten. Das Nasridenreich von Granada (14.–15. Jh.) war ein kultureller Höhepunkt mit Persönlichkeiten wie Ibn Zamrak. Die Alhambra ziert Poesie und kunstvolle Architektur.
3.1 Frühe christliche Widerstandszentren
Nach der muslimischen Invasion 711 begannen in den nördlichen Gebirgsregionen (Asturien, Kantabrien, Basken) Widerstandsgruppen zu entstehen. Der westgotische Adel floh teils nach Asturien; unter der Führung des Grafen Pelayo (Don Pelayo) kam es 722 in der Schlacht von Covadonga zu einem ersten symbolischen Sieg gegen die Muslime. So entstand das Königreich Asturien, das sich unter Alfonso III. (866–909) nach Galicien und ins Douro‑Tal ausdehnte; später verlagerte sich die Hauptstadt nach León.
Im zehnten Jahrhundert formten sich an den östlichen Pyrenäen und im Ebro‑Becken kleinere Herrschaften (Aragonien, Sobrarbe, Ribagorza) unter karolingischem Einfluss. Die Grafschaft Barcelona entwickelte sich in den östlichen Pyrenäen zu einer eigenständigen Macht; im 9.–10. Jahrhundert entstanden dort die Grundlagen für das spätere Fürstentum Katalonien.
3.4 Eine pluralistische Kultur: Christen, Muslime und Juden
Im Mittelalter koexistierten auf der Iberischen Halbinsel Christen, Muslime und Juden. Im Frühmittelalter (8.–10. Jh.) waren es vor allem Klöster (z. B. Ripoll, Sahagún), die kulturelles Wissen bewahrten und kopierten. Islamisches Spanien war kulturell oft überlegen, und im Hochmittelalter (11.–13. Jh.) erreichten literarische Formen wie Epen und Romanzen auch durch den Jakobsweg weite Verbreitung. Im 13. Jh. entstanden Universitäten (z. B. Salamanca, Valladolid).
Die kulturelle Brücke zwischen der islamischen Welt und der Christenheit war die berühmte Schule der Übersetzer von Toledo, die ihren Höhepunkt unter Alfonso X. (13. Jh.) erreichte. Christen, Muslime und Juden arbeiteten zusammen und übersetzten Werke aus dem Arabischen ins Lateinische und ins Kastilische. In der Spätzeit des Mittelalters (14.–15. Jh.) nahm der muslimische Einfluss ab; die kastilische Sprache entwickelte sich weiter als Dichtungssprache.
4.2 Politische Organisation: Die Krone von Aragon
Die Krone von Aragon entstand durch die Vereinigung des Königreichs Aragon und des Fürstentums Katalonien (1137, Ehe Petronilla und Raimund Berengar IV.). Später kamen das Königreich Valencia (1238), Mallorca (1343 endgültig) und italienische Besitzungen (Sizilien, Sardinien, Neapel) hinzu.
Die Krone von Aragon war eine Konföderation von Gebietskörperschaften mit demselben Monarchen, aber jeder Einheit eigenem Recht, Institutionen, Sprache und Brauchtum. Jeder Teil besaß große Autonomie. Die Macht des Königs war durch Übereinkünfte mit dem Adel und durch Gerichte (Cortes) beschränkt. In jedem Gebiet gab es Vertreter des Königs, die in seinem Namen handelten. Wichtige Institutionen:
- Die Cortes: Landessynoden mit Vertretern der drei Stände (Adel, Kirche, Städte), mit legislativen und fiskalischen Kompetenzen.
- Der Generalrat und andere dauerhafte Verwaltungsorgane in Katalonien; die Justiz von Aragon überwachte die Einhaltung der Gerichtsbarkeiten.
- Lokale Macht lag oft bei städtischen Oligarchien; in Barcelona war der Consell de Cent (Rat der Hundert) prägend.
4.3 Krise des 14. Jahrhunderts: demografisch, wirtschaftlich, politisch
Das 14. Jahrhundert war von einer tiefen Krise geprägt:
- Demografische Krise: Missernten führten zu Ernährungsengpässen, Hunger und erhöhter Sterblichkeit. 1348 erreichte die Pest (der Schwarze Tod) die Halbinsel und tötete in manchen Regionen bis zu 50 % der Bevölkerung.
- Wirtschaftskrise: Folge war Unterbewirtschaftung, Arbeitskräftemangel, Produktionseinbruch und Preissteigerungen. Der Handel, z. B. der katalanische, litt stark.
- Politische Krise: Bürgerkriege und Thronkonflikte schwächten die Monarchien. In Kastilien führten dynastische Auseinandersetzungen und Bürgerkrieg (z. B. Pedro I. gegen Heinrich II. von Trastámara) zu Instabilität. In der Krone von Aragon kam es ebenfalls zu Konflikten zwischen Krone und Adel.
4.4 Aragon im Mittelmeerraum: Expansion und Handel
Die katalanisch‑aragonesische Expansion im Mittelmeer begann im 13. Jahrhundert mit der Eroberung der Balearen durch Jakob I. den Eroberer; das Königreich Mallorca wurde an seinen jüngeren Sohn abgegeben. Peter III. eroberte 1282 Sizilien; Jakob II. erlangte Sardinien (1324). Katalanische Söldner (Almogávares) eroberten im 14. Jahrhundert die Herzogtümer Athen (1311) und Neopatria (1318). Alfons V. eroberte 1442 das Königreich Neapel.
Die politische Expansion förderte den Handel mit Italien, Nordafrika und dem Orient. Händler aus Barcelona brachten Gewürze, Parfüms und Seide aus dem Osten, exportierten Textilien und Eisenwaren nach Nordafrika. Katalanische Kaufleute nutzten Wechsel, Handelsgesellschaften und Auktionen; wichtige Institutionen waren das Consulat del Mar und die lokale Bank Taula de Canvi. Der kommerzielle Niedergang setzte mit der Krise des 14. Jahrhunderts ein und beschleunigte sich nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (1453).
8.1 Erbfolgekrieg und der Frieden von Utrecht
Karl II., letzter Habsburger auf dem spanischen Thron, starb 1700 ohne direkte Nachkommen. Sein Erbe fiel auf Philipp von Anjou, Enkel Ludwigs XIV. von Frankreich (Haus Bourbon). Der Erzherzog Karl von Österreich (Habsburger) beanspruchte jedoch ebenfalls den Thron — der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) brach aus. Es handelte sich um einen europäischen Konflikt (Frankreich/Spanien gegen England, die Niederlande, Portugal und Savoyen) sowie um einen inneren Bürgerkrieg (in der Krone von Aragon unterstützten viele den Erzherzog Karl, Kastilien unterstützte Philipp).
Der Krieg zog sich hin; bedeutende Schlachten fanden statt, u. a. Almansa (1707) mit siegreichen Truppen Philipps V. Die britische Seemacht spielte eine entscheidende Rolle. Der Krieg endete mit dem Frieden von Utrecht (1713 ff.). Philip V. wurde als König von Spanien anerkannt; Großbritannien erhielt als großer Gewinner Gibraltar und Menorca, das Asiento (Handelsmonopol für Sklaven), und andere Handelsprivilegien. Spanien verlor seine europäischen Besitzungen (Niederlande, Mailand, Neapel, Sardinien etc.) an andere Mächte. In Katalonien jedoch dauerten die Kämpfe an: Barcelona wurde nach langer Belagerung am 11. September 1714 eingenommen. Als Folge verkündete Philipp V. die Decretos de Nueva Planta, die die lokalen Rechte und Institutionen der ehemaligen Königreiche der Krone von Aragon aufhoben (Valencia und Aragon 1707; Mallorca 1715; Fürstentum Katalonien 1716).
8.3 Der aufgeklärte Absolutismus
Der aufgeklärte Absolutismus ist eine Staatsform des 18. Jahrhunderts, in der Monarchen wirtschaftliche, soziale und kulturelle Reformen nach den Ideen der Aufklärung durchsetzten, ohne jedoch die grundsätzlichen Strukturen der absoluten Monarchie aufzugeben. Motto: "Alles für das Volk, aber ohne das Volk."
Ein herausragender Vertreter in Spanien war Carlos III. (1759–1788) aus dem Hause Bourbon. Er setzte zahlreiche Reformen um, unterstützt von Ministern wie Aranda, Campomanes und Floridablanca: wirtschaftliche Anreize, Kolonisationen (z. B. in der Sierra Morena), Freihandel mit Amerika, Förderung der Landwirtschaft und des Handwerks sowie die Ausweisung der Jesuiten. Madrid wurde städtebaulich verschönert.
Innen‑ und außenpolitisch verfolgte Spanien im 18. Jahrhundert wechselnde Allianzen mit Frankreich gegen England; Spanien nahm unter anderem am Siebenjährigen Krieg teil und unterstützte später die amerikanischen Kolonisten im Unabhängigkeitskrieg (1776–1783).
8.4 Spanische Außenpolitik im 18. Jahrhundert
Nach dem Frieden von Utrecht (1713) verlor Spanien seine frühere Hegemonie in Europa und wurde zu einer Macht zweiten Ranges. Philipp V. (1700–1746), beeinflusst von Elisabeth Farnese, strebte nach Wiederherstellung dynastischer Einflüsse in Italien für seine Kinder. Spaniens Ziel war Revisionismus, um das Gleichgewicht in Europa zu beeinflussen und die Vorherrschaft Großbritanniens at sea zu beschränken.
Spanien gewann 1731 das Herzogtum Parma für einen Sohn durch dynastische Verhandlungen; 1733 trat Spanien dem ersten Familienenpakt mit Frankreich bei und war später im Krieg der polnischen Erbfolge und im Krieg um die österreichische Erbfolge (1740er Jahre) verwickelt. Im Dreiten Familienpakt (1761) nahm Spanien am Siebenjährigen Krieg auf französischer Seite teil, was sich für Spanien als nachteilig erwies: Großbritannien blieb die dominante Seemacht. Als Folge verlor Frankreich seine Gebiete in Kanada und Indien; Spanien gab Florida ab, erhielt aber als Kompensation Louisiana.
Spanien unterstützte die amerikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen gegen Großbritannien und gewann durch den Frieden von Versailles (1783) einige Gebiete wie Menorca und Kolonie Sacramento zurück. Carlos IV. (1788–1808) setzte die proromanische Politik fort, geriet aber zunehmend in Abhängigkeit von Frankreich und den napoleonischen Kriegen, was schließlich katastrophale Folgen für Spanien hatte. In der Seeschlacht von Trafalgar (1805) wurde die spanische Marine gemeinsam mit der französischen Flotte von der britischen Flotte vernichtend geschlagen.