Ideen, Eindrücke und Substanzbegriffe bei Locke, Hume und Descartes

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Locke: Definition und Arten von Ideen

Wenn Locke von 'Idea' spricht, versteht er darunter alles, was wir wissen oder wahrnehmen. Für Locke sind Ideen die Inhalte unseres Geistes: einfache Ideen, die nicht zerlegt werden können, und komplexe Ideen, die vom Verstand aus einfachen Ideen zusammengesetzt werden.

Passive und aktive Quellen der Ideen:

  • Ideen der Empfindung (Sensation): Außereindrücke, die durch äußere Gegenstände auf unsere Sinne wirken. Durch sie erfassen wir die Qualitäten der Körper. Man unterscheidet dabei:
    • Primäre Qualitäten: Eigenschaften, die den Objekten selbst zukommen, z. B. Ausdehnung, Form, Größe, Bewegung; diese lassen sich mathematisch messen.
    • Sekundäre Qualitäten: Subjektive Empfindungen wie Geruch, Geschmack oder Farbe, die in der Wahrnehmung entstehen.
  • Ideen der Reflexion: Innere Erfahrungen des Denkens, Zweifelns, Wollens, Wahrnehmens; sie entspringen der Beobachtung des eigenen Geistes.
  • Gemischte Ideen: Kombinationen von Eindrücken der Empfindung und der Reflexion.

Komplexe Ideen sind vom menschlichen Geist aus einfachen Ideen gebildet und der Verstand kann aktiv damit arbeiten. Locke unterscheidet drei Arten komplexer Ideen:

  • Modi: Abstraktionen von Eigenschaften oder Zuständen.
  • Allgemeine oder universelle Ideen: Gebildet durch Vergleich, Kombination und Abstraktion; sie beziehen sich nicht auf einzelne konkrete Gegenstände.
  • Die Idee der Substanz: Eine spezielle komplexe Idee, die sich auf das bezieht, was Dinge zusammenhält, obwohl sie selbst nicht unmittelbar zugänglich ist.

Hume: Eindrücke und Ideen

Hume schlägt eine andere Einteilung als Locke vor. Er fasst alle Wahrnehmungen des Geistes unter dem Begriff 'perceptions' zusammen und unterscheidet zwei Arten: Eindrücke (impressions) und Ideen. Eindrücke sind gegenwärtige, lebendige Wahrnehmungen; Ideen sind blassere Repräsentationen oder Kopien dieser Eindrücke im Geist.

Eindrücke sind intensiver und lebendiger als Ideen. Sowohl Eindrücke als auch Ideen können einfach oder komplex sein. Einfache Wahrnehmungen lassen sich nicht weiter teilen. Komplexe Wahrnehmungen werden durch das Zusammenfügen einfacher Wahrnehmungen gebildet und können wieder in Teile zerlegt werden.

Gesetze der Assoziation: Hume betont, dass einfache Ideen durch bestimmte Assoziationsgesetze miteinander verbunden werden, insbesondere:

  • Ähnlichkeit
  • Kontiguität in Raum und Zeit
  • Kausalität

Descartes: Thema Gott und die Herkunft von Ideen

Descartes unterscheidet drei Klassen von Ideen:

  • Adventitia: Ideen, die ihren Ursprung in äußerer Wirklichkeit haben.
  • Fictitia (künstliche) Ideen: Von der Einbildungskraft geschaffene Vorstellungen.
  • Angeborene Ideen: Ideen, die dem Geist vor aller Erfahrung innewohnen.

Descartes argumentiert, dass die Idee der Unendlichkeit nicht aus endlichen Dingen oder aus unserem unvollkommenen Denken hervorgehen kann. Deshalb schließt er, dass die Idee eines unendlich vollkommenen Wesens nur durch die Wirkung eines solchen Wesens, also Gottes, in uns entstanden sein kann. Damit versucht Descartes, die Existenz Gottes zu beweisen, ähnlich dem ontologischen Argument von Anselm: aus der Idee eines unendlich vollkommenen Gottes folge seine Existenz.

Descartes behauptet weiter, dass Gott die Garantie dafür sei, dass das, was wir klar und deutlich wahrnehmen, wahr ist. Kritiker sehen hierin jedoch einen Zirkelschluss: Descartes begründet das Kriterium der Gewissheit mit der Existenz Gottes, deren Beweis wiederum auf diesem Kriterium beruht.

Descartes: Die Struktur der drei Substanzen

Für Descartes bedeutet 'Substanz' dasjenige, was existiert und nicht die Existenz einer anderen Sache voraussetzt. Er unterscheidet drei Substanzen:

  • Res cogitans (denkende Substanz): die Seele oder der Geist.
  • Res extensa (ausgedehnte Substanz): der Körper oder die materielle Welt.
  • Res infinita (unendliche Substanz): Gott.

Beim Menschen herrscht nach Descartes ein deutlicher Dualismus: die Seele als denkende Substanz und der Körper als ausgedehnte Substanz. Die Interaktion zwischen ihnen soll über die Zirbeldrüse vermittelt werden, die er als Verbindungspunkt zwischen Bewusstsein und Materie ansieht. Die Erklärung dieser Leib-Seele-Interaktion bleibt jedoch problematisch und wurde vielfach als unzureichend kritisiert.

StoffeAttributeModi / Beispiele
AlmaRes cogitans (denkende Substanz)Gedanken; Begriffe, Urteile, Gefühle, Entscheidungen ...
WeltRes extensa (ausgedehnte Substanz)Ausdehnung; Form, Lage, Bewegung ...
GottRes infinita (unendliche Substanz)Unendlichkeit; Güte, Weisheit, Gerechtigkeit ...

Mechanistische Interpretation der materiellen Substanz

Die mechanistische Interpretation Descartes' erklärt die physische Welt rein mechanisch: Materie ist in Bewegung und die Natur folgt unveränderlichen Gesetzen. Der Kosmos erscheint als ein riesiger Mechanismus, dessen Abläufe durch Gesetze geregelt sind. Descartes nimmt an, dass Körper mechanisch bewegt werden und keine endgültige, teleologische Ursache benötigen. Gott hat die Welt geschaffen und ihr die anfängliche Bewegung gegeben; die Materie selbst ist träge und durch Prinzipien wie Erhaltung der Materie und Trägheit bestimmt.

Descartes lehnt die Existenz des Vakuums ab. Materie ist unendlich teilbar; ihre Ausdehnung ist grenzenlos und erscheint in vielen Formen, was die Vielfalt der natürlichen Erscheinungen erklären soll. Eigenschaften von Körpern werden hauptsächlich in zwei Klassen eingeteilt: primäre Qualitäten, die mathematisch messbar sind, und sekundäre Qualitäten, die subjektive Empfindungen darstellen.

Für Descartes ist das mathematische Universum eine große Maschine, deren Gesetze sich durch algebraische und geometrische Formeln ausdrücken lassen. Er gilt als Begründer der analytischen Geometrie und suchte, das Universum rein durch rationale, mathematische Beschreibungen zu erfassen.

Die mechanistische Sicht erstreckt sich nach Descartes auch auf Tiere und Pflanzen: Ihre Funktionen lassen sich nach rein mechanischen Prinzipien erklären, und es sei nicht notwendig, eine Seele zur Erklärung organischer Vorgänge anzunehmen. Selbst der menschliche Körper wird als Mechanismus betrachtet. Allerdings blieb damit das Verhältnis von Sensibilität, Emotion und bewusster Erfahrung zum rein mechanischen Erklärungsmodell ein zentraler Streitpunkt.

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