Ikonen der Moderne: Mies van der Rohe & Frank Lloyd Wrights Architektur
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Der Barcelona-Pavillon (Deutscher Pavillon)
Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969)
- Baujahr: 1929 (für die Weltausstellung)
- Wiederaufbau: 1986
- Ort: Barcelona
- Stil: Rationalismus
- Materialien: Stein (Marmor, Onyx, Granit), Edelstahl und Glas.
Formale Analyse und Gestaltung
Im Gegensatz zur traditionellen Architektur, bei der tragende Wände die Last aufnehmen, übernehmen hier acht kreuzförmige Stahlsäulen die tragende Funktion. Die Materialien spielen eine führende Rolle in der Ästhetik und Konstruktion. Da die Wände nicht tragend sind, können Trennwände, Mauern und Zäune nach rein ästhetischen Kriterien verteilt werden, was eine freie architektonische Raumkomposition ermöglicht. Marmor und Glas werden dabei geschickt kombiniert.
Die acht Stahlsäulen sind in einem regelmäßigen Raster angeordnet und tragen das horizontale Flachdach. Die Struktur ist leicht zurückgesetzt, wodurch einerseits ein weit auskragender Dachüberstand entsteht und andererseits ein kleiner Hof mit einem Wasserbecken freigelegt wird. Das gesamte Gebäude ruht auf einem rechteckigen Podest aus Marmor.
Der Zugang erfolgt über eine seitliche Treppe mit acht Stufen. Davor befindet sich ein rechteckiger Teich. Der Pavillon wurde als offener Raum konzipiert, in dem die Wände lediglich die Funktion von Begrenzungen erfüllen, wodurch ein Effekt der Vielseitigkeit erzeugt wird. Die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmt, sodass sich der Besucher frei im Inneren bewegen kann.
Im Hintergrund, umgeben von Onyx-Wänden, befindet sich eine kleine Nische, in der eine Statue steht. Die natürlichen Adern des Onyx-Steins bilden abstrakte Linien, die einen Kontrast zur figurativen Skulptur bilden. Im Inneren sind die Möbel ausgestellt, die Mies van der Rohe speziell für diesen Anlass entworfen hat. Besonders hervorzuheben ist der berühmte Barcelona-Sessel.
Inhalt und Symbolik
Der Pavillon gilt als eines der wichtigsten Modelle der modernen Architektur. Obwohl er keinem spezifischen Zweck diente, sollte er einen multifunktionalen Raum präsentieren, in dem Innen- und Außenbereich fließend ineinander übergehen. Der Fokus lag auf der Verwendung von Materialien von großer Schönheit.
Der Pavillon sollte die Werte des neuen, demokratischen Deutschlands symbolisieren und markierte eine radikale Abkehr von den alten Traditionen des Deutschen Reiches. Die deutschen Behörden beauftragten Mies van der Rohe mit dem Bau, um die innovative Konstruktionsweise und die moderne Haltung Deutschlands auf der Weltausstellung zu präsentieren.
Funktion
Das Gebäude wurde 1929 entworfen, um Deutschland bei der Weltausstellung zu repräsentieren. Es kontrastierte drastisch mit den traditionelleren Pavillons anderer Nationen und demonstrierte den Verzicht auf alte Bauformen zugunsten neuer Wege, basierend auf der innovativen Nutzung von Glas und Stahl.
Das Kaufmann House (Fallingwater)
Frank Lloyd Wright (1869–1959)
- Baujahr: 1935–1937
- Ort: Pennsylvania, USA
- Stil: Organische Architektur
- Materialien: Stahlbeton, Naturstein, Glas und Aluminium.
Formale Analyse und Konstruktion
Wright nutzte die großen Felsen auf dem Gelände als Fundament, um bestimmte Teile des Gebäudes zu stützen. Senkrechte Wände aus Stein und Betonpfeiler tragen ebenfalls zur Stabilität bei. Die Horizontalität dominiert den Bau, wobei die Ebenen gestaffelt angeordnet sind, um die Unebenheiten des Geländes zu überwinden und sich perfekt einzufügen.
Die vertikale Achse des Hauses bildet der riesige Kamin aus rustikalem Naturstein, der scheinbar direkt aus dem Boden wächst und als zentraler Bezugspunkt dient, um den herum alle Räume organisiert sind.
Äußerlich präsentiert sich das Haus in drei gestaffelten Etagen. Die erste Ebene sitzt unmittelbar auf dem Felsen auf, der die Basis des Kamins im Wohnzimmer bildet. Die erste auskragende Ebene erstreckt sich nach vorne und bildet eine große Terrasse, die über dem Wasserfall schwebt, sodass das fallende Wasser direkt unter dem Haus zu entspringen scheint.
Die oberste Etage verfügt über eine weitere Terrasse, die im 90-Grad-Winkel zur darunterliegenden Ebene steht. Diese zweite Terrasse ist höher als die vorherige, bietet jedoch Schutz für den unteren Teil und verhindert eine dauerhafte Sonneneinstrahlung.
Die Wände bestehen aus Stahlbeton, Natursteinplatten und sind mit Aluminiumrahmen und großen Fenstern kombiniert. Das Äußere des Hauses wurde entwickelt, um mit der Umwelt zu verschmelzen. Dies wird durch verschiedene Ebenen, Rampen, Treppen, Brücken, Terrassen und Brüstungen erreicht, die die natürliche Topografie imitieren.
Das Interieur folgt Wrights zentrifugalem Architekturprinzip: Die Räume werden von innen nach außen entwickelt. Der Kontrast zwischen vertikalen und horizontalen Ebenen ist stets präsent. Im Gegensatz zum Rationalismus ist das Haus keine geschlossene Box, sondern fördert den Informationsaustausch zwischen Innen- und Außenraum. Dieser Effekt wird durch die großflächige Verglasung verstärkt, die die Trennung aufhebt und das Gefühl der Kontinuität des Raumes bewahrt. Der Blick kann ohne Unterbrechung von innen nach außen gleiten.
Die interne Aufteilung jeder Etage ist völlig frei, ohne starre Rahmen, und an die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Bereiche angepasst.
Wright wandte die Grundsätze seines Programms an:
- Annäherung an die Umwelt: Das Haus basiert auf sich ausdehnenden, horizontalen Plänen, die parallel zum Boden verlaufen.
- Vermeidung von Kellern: Keller wurden als unhygienisch betrachtet.
- Verzicht auf Ornamente: Dekorationen werden nur durch die verwendeten Baumaterialien selbst bereitgestellt.
- Möbel: Einfache Möbel, oft aus Serienproduktion.
Inhalt und Bedeutung
Der zentrifugale Charakter von Wrights Gebäuden ist ein direktes Erbe der traditionellen kreuzförmigen amerikanischen Farmhäuser. Während dies in seinen frühen Bauten zum Ausdruck kam, verschwand die starre Kreuzform im Kaufmann House zugunsten einer völligen Abwesenheit regulierender Strukturen.
Die Wahl des Bauplatzes, die Verwendung lokaler Materialien und die zentrifugale Ausdehnung der Innenräume machten das Kaufmann House zu einem wahren Symbol der Organischen Architektur (Organizismus). Die Materialien, die Raumgestaltung und die direkte Auseinandersetzung mit der Natur sind zentrale Symbole für Wrights architektonisches Verständnis.
Funktion
Das Haus wurde 1935 von Edgar J. Kaufmann bei Frank Lloyd Wright in Auftrag gegeben und diente als Wochenendresidenz. Für Wright stellte es ein architektonisches Experiment dar, bei dem er die Möglichkeiten neuer Materialien erforschte und die radikale Integration von Architektur in die Natur umsetzte.