Immanuel Kant und die Aufklärung: Ein Überblick

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Kontext: Immanuel Kant und die deutsche Aufklärung

Immanuel Kant (1724–1804) ist eine zentrale Figur der deutschen Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts. Sein Denken ist sowohl innerhalb der deutschen Aufklärung als auch darüber hinaus von großer Bedeutung. Man denke an französische Denker wie Voltaire und Rousseau, die für den aufgeklärten Absolutismus, Antiklerikalismus und Atheismus standen, insbesondere im Kontext der Französischen Revolution (r.francesa).

Auch in England und Deutschland gab es ähnliche Strömungen. Die englische Aufklärung war antiklerikal, verteidigte jedoch den Deismus und die natürliche Religion, wie bei Locke oder Kant selbst. Obwohl Kant gläubig war, vertrat er die Ansicht, dass die Existenz Gottes oder der Seele nicht vollständig bewiesen werden könne, was sich mit den aufgeklärten Idealen und dem Deismus vereinbaren ließ.

Charakteristika der deutschen Aufklärung

Die deutsche Aufklärung zeichnete sich durch eine größere Kontinuität im metaphysischen Denken aus:

  • Leibniz' Ideen wurden von Wolff gefolgt, dessen Handbücher in ganz Deutschland verbreitet waren.
  • Kant selbst wurde im Rationalismus erzogen, wich jedoch von ihm ab, beeinflusst durch Hume.

Das prägende Merkmal aller aufgeklärten Denker ist die Prüfung der Grenzen des menschlichen Wissens und der optimistische Glaube an den Fortschritt durch Vernunft und Bildung.

Kants Beitrag und die Französische Revolution

Der Höhepunkt der Aufklärung ist Kants berühmter Slogan: "Sapere aude! Wage zu wissen!"

Hinsichtlich der historisch-politischen Ereignisse begrüßte Kant die Französische Revolution enthusiastisch, obwohl er in seinen späteren Jahren den französischen Absolutismus und Autoritarismus ablehnte. Nach dieser Zeit traten der Adel und die Bourgeoisie als Protagonisten der Philosophie in den Vordergrund. Diese Entwicklungen verdeutlichten sich in den Salons von Paris, dem großen Zentrum der französischen Illustration (Illus. d der r.francesa).

Unterschiede zur deutschen Aufklärung

In Deutschland war die Aufklärung anders strukturiert und zerstreuter:

  • Der Schwerpunkt lag in Berlin unter Friedrich II., der die Wissenschaftsakademie leitete.
  • Im Stile französischer Salons traten Persönlichkeiten wie Mendelssohn, Lessing, Hegel und Kant hervor.

Die deutsche Aufklärung lässt sich in drei Perioden unterteilen: die Ära Lessings, die Ära Kants und die Preromantik. Die große wissenschaftliche Theorie dieser Epoche war die von Newton, den Kant zutiefst bewunderte.

Einflüsse auf Kants Philosophie

Kants Denken war tief von den Idealen der Aufklärung durchdrungen. Ein zentraler Einfluss war die Physik Newtons, die Kant dazu veranlasste, die Frage zu beantworten: Wie ist Wissen möglich? Dies führte zu seinen Studien über synthetische Urteile a priori in der Physik.

Ethische Einflüsse und Kants Lebenswende

Kant war auch stark an der Ethik von Rousseau interessiert. Kant beschäftigten zwei Dinge zutiefst:

  1. Der Sternenhimmel über ihm (Newton).
  2. Das moralische Gesetz in ihm (Rousseau).

Sein Leben wurde durch die Französische Revolution, die Lektüre von Rousseaus Werken (Emile und Der Gesellschaftsvertrag) und die Auseinandersetzung mit der zweiten Auflage von Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft verändert.

Kants Synthese von Rationalismus und Empirismus

Kant wurde durch die Lehren von Wolff und Leibniz gebildet, musste sich jedoch gegen die Ansprüche des Empirismus und Rationalismus abgrenzen.

  • Der Kantische Apriorismus begrenzt die Reichweite des empirischen Wissens.
  • Seine Position bezüglich des Ursprungs des Wissens und der Metaphysik ist gemischt, eine Mittelstellung zwischen Empirismus und Rationalismus.
  • Aus Kants Sicht ist die Ontologie transzendental-realistisch, während seine Erkenntnistheorie empirisch orientiert ist.

Kant gelang eine große Synthese, um Empirismus und Rationalismus zu überwinden. Obwohl er Newton bewunderte, basierte sein Glaube nicht nur auf Erfahrung, sondern auch auf dem Glauben an die Vernunft. Auch Galilei beeinflusste ihn.

Kants Hauptwerke und sein Vermächtnis

Mit seinen zwei wichtigsten Werken revolutionierte Kant die Behandlung des Wissens und der Ethik:

  • Kritik der reinen Vernunft (Theorie des Wissens).
  • Kritik der praktischen Vernunft (Ethik).

Sein Einfluss auf die Moderne ist enorm, und er zählt zu den bedeutendsten Autoren aller Zeiten. Der Deutsche Idealismus (Fichte, Hegel) folgte seinem metaphysischen Ansatz. Zu den Neukantianern, die Kant folgten, gehören die Schule von Marburg (Cassirer, Cohen, Natorp). Auch Schopenhauer steht in seiner Tradition. Sein bleibender Einfluss zeigt sich bei Autoren wie Popper oder dem späteren Wittgenstein (Frankfurter Schule, Habermas).

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