Immanuel Kant: Erkenntnistheorie und Transzendentale Metaphysik

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Immanuel Kant: Epistemologie (Kritik der reinen Vernunft)

Die Kritik der reinen Vernunft untersucht die Bedingungen, unter denen Gesetze und Urteile (als sprachliche Anweisungen) möglich sind.

Die Struktur der Kritik der reinen Vernunft

  1. Transzendentale Ästhetik

    Sie befasst sich mit der Sinnlichkeit und den reinen Formen der Anschauung (Raum und Zeit), die a priori sind und die Mathematik sowie die Naturwissenschaften ermöglichen. Die Sinnlichkeit liefert die Daten der Sinne (empirische Anschauung) sowie die reinen Formen der Sinnlichkeit (Raum, der uns die äußere Ordnung erklärt, und Zeit, die uns die innere Ordnung der Erfahrung erklärt).

  2. Transzendentale Analytik

    Sie befasst sich mit dem Verstand, der Urteile bildet und die Kategorien anwendet.

  3. Transzendentale Dialektik

    Sie befasst sich mit der Vernunft und ihren unvermeidlichen, aber irreführenden Schlüssen.

Transzendentaler Idealismus und die Kategorien

Kants Philosophie, der Transzendentale Idealismus, vereint Elemente des Empirismus (die Grenze des Wissens ist die Erfahrung) und des Rationalismus (es gibt a priori Wissen im menschlichen Geist, das Erkenntnis ermöglicht).

Die Kategorien sind reine transzendentale Verstandesbegriffe, die notwendige a priori Voraussetzungen für unser Verständnis der Phänomene darstellen. Der Geist kann Erscheinungen nur durch die Anwendung dieser Kategorien denken. Da die Kategorien rein sind, fehlt ihnen der Inhalt. Dieser Inhalt wird durch die Daten der Sinnlichkeit geliefert. Die Kategorie der Kausalität ist ein reiner Begriff, der a priori im Verstand beruht.

Urteilstypen und die Möglichkeit der Wissenschaft

Kant übernimmt die Unterscheidung wissenschaftlicher Urteile nach Hume:

  • Analytische Urteile a priori: Diese betreffen Beziehungen zwischen Ideen (formale Wissenschaften). Sie erweitern das Wissen nicht, sind aber immer a priori wahr.
  • Synthetische Urteile a posteriori: Diese betreffen Tatsachenfragen (empirische Wissenschaften). Sie erweitern das Wissen, aber ihre Wahrheit ist nur a posteriori feststellbar.

Um eine Wissenschaft zu sein, muss eine Disziplin Wissen erweitern und gleichzeitig notwendige Wahrheit beanspruchen können. Dies erfordert Synthetische Urteile a priori.

Kant zeigt, dass die Mathematik und die Physik Wissenschaften sind, weil sie synthetische Urteile a priori verwenden. Die Metaphysik hingegen ist keine Wissenschaft, da sie keine synthetischen Urteile a priori hervorbringen kann.

Die Mathematik (Arithmetik und Geometrie) basiert auf den reinen Anschauungsformen Raum und Zeit. Da diese Formen rein (a priori) sind, ermöglichen sie in Verbindung mit der Sinnlichkeit synthetische Urteile, die Erfahrung strukturieren.

Die Zwölf Kategorien des Verstandes

Kant identifiziert zwölf reine Verstandesbegriffe, die in vier Gruppen unterteilt sind. Beispiele hierfür sind:

  • Quantität: Einheit, Vielheit, Allheit (Totalität)
  • Qualität: Realität, Negation, Limitation
  • Relation (Verhältnis): Substanz und Akzidenz, Kausalität und Abhängigkeit, Wechselwirkung (Gemeinschaft)

Grenzen der Erkenntnis: Noumena

Die Metaphysik ist keine Wissenschaft, weil sie versucht, ein rationales Verständnis der Welt als Ganzes, der Seele oder Gottes zu erlangen. Diese Objekte sind noumenal (Dinge an sich), von denen wir keine sinnliche Anschauung haben. Die Kritik der reinen Vernunft schließt die Metaphysik als theoretische Wissenschaft und als Wissen der Dinge an sich (das Übersinnliche) aus.

Transzendentale Metaphysik

Die Vernunft strebt nach unbedingtem Wissen, was zu den drei großen Transzendentalen Ideen führt:

  1. Rationale Psychologie (Seele)
  2. Kosmologie (Welt)
  3. Theologie (Gott/Theodizee)

Rationale Psychologie: Die Paralogismen

Die rationale Psychologie versucht, die Seele (Alma) als immaterielles und unsterbliches Subjekt zu denken, das nicht den Bedingungen von Raum und Zeit unterliegt. Hierbei entstehen Paralogismen (Vernunft-Trugschlüsse).

Kosmologie: Die Antinomien

Die Kosmologie sucht nach einer unbedingten Erklärung für die physikalischen Phänomene (Kosmos). Dabei stößt die Vernunft auf unlösbare Widersprüche, die Antinomien. Kant identifiziert vier Antinomien, bei denen These und Antithese gleichermaßen plausibel, aber nicht beweisbar sind. Die wichtigsten sind:

  • Erste Antinomie: Das Universum hat einen Anfang in Raum und Zeit und ist begrenzt vs. Das Universum ist unendlich.
  • Zweite Antinomie: Alles besteht aus unteilbaren Elementen vs. Alles kann sich unendlich teilen.
  • Dritte Antinomie: Es gibt Kausalität durch Freiheit vs. Es gibt nur Kausalität nach Naturgesetzen.
  • Vierte Antinomie: Es gibt ein notwendiges Wesen vs. Es gibt kein notwendiges Wesen (Gottheit).

Theologie (Theodizee)

Die Theologie versucht, Gott als Ideal zu setzen, um psychische und physische Phänomene zu erklären. Kant untersucht und verwirft die klassischen Beweise für die Existenz Gottes:

  1. Ontologischer Beweis (nach Anselm von Canterbury): Kant verwirft ihn, da Existenz kein reales Prädikat ist.
  2. Kosmologischer Beweis (nach Thomas von Aquin): Argumentiert von der Schadensursache.
  3. Physikotheologischer Beweis (Teleologisch): Argumentiert durch den Zweck und die Ordnung der Welt.

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