Immanuel Kant – Leben, Erkenntnistheorie und Ethik

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Immanuel Kant — Leben und Arbeit

Immanuel Kant wurde in einer Familie geboren, die religiöse Werte und die Priorität der Frömmigkeit betonte; daraus entwickelte sich früh seine Neigung zu einer strengen Moralvorstellung. 1770 wurde er Professor an der Universität seiner Heimatstadt. Er lehrte nicht nur Logik, sondern auch Mathematik, Religionsphilosophie, Ethik, Rechtswissenschaft und Geschichte. Kant setzte sich mit dem Rationalismus von Leibniz und Wolff, mit Humes Empirismus, mit den Fortschritten in Physik und Mathematik durch Newton sowie mit den Ansätzen der französischen Aufklärung auseinander.

Arten von Urteilen

Wissen wird in Urteilen oder Sätzen ausgedrückt, die eine Beziehung zwischen Subjekt und Prädikat darstellen. Urteile lassen sich nach zwei Kriterien klassifizieren: nach dem Verhältnis von Subjekt und Prädikat (analytisch oder synthetisch) und danach, ob sie auf Erfahrung beruhen (a priori oder a posteriori).

  • Analytische Urteile: Das Prädikat ist im Begriff des Subjekts enthalten. Solche Urteile sind tautologisch und gelten als immer wahr; sie widersprechen sich nicht.
  • Synthetische Urteile: Das Prädikat ist nicht im Begriff des Subjekts enthalten. Um ihre Wahrheit festzustellen, ist Rückgriff auf Erfahrung erforderlich.
  • A priori: Diese Urteile werden ohne Rückgriff auf Erfahrung gewonnen. Sie sind allgemein und notwendig.
  • A posteriori (empirisch): Diese Urteile werden durch Erfahrung gewonnen. Sie sind weder notwendig noch universell.

Anschauung (Sensation)

Anschauung (Sensation) ist der Prozess, durch den wir Vorstellungen von der Welt, von innen und außen, erhalten. Kant versteht unter der Lehre von der Anschauung (Ästhetik in seinem Sinne) jene Formen der Wahrnehmung, durch die wir sinnlich erfassen. Unsere Wahrnehmungen sind an die Bedingungen von Raum und Zeit gebunden; diese Formen sind die Grundlage, unter denen Anschauungen möglich sind.

Verstand (Understanding)

Der Verstand ist die Fähigkeit, die sinnlichen Daten zu Begriffen zu ordnen. Durch Begriffe fassen wir die von den Sinnen gelieferten Daten zu allgemeinen Repräsentationen zusammen. Begriffe machen gemeinsame Merkmale verschiedener Objekte sichtbar. Kant unterscheidet zwischen reinen Begriffen und empirischen Begriffen; die sogenannten Kategorien sind a priori und die Formen, unter denen wir denken und Objekte erkennen.

Ideen der Vernunft

Die Vernunft hat die Aufgabe, Schlüsse zu ziehen und Entscheidungen zu treffen. Kant unterscheidet drei Grundideen der Vernunft:

  • Welt: Bezieht sich auf die Gesamtheit der Phänomene, die wir mit den äußeren Sinnen wahrnehmen.
  • Seele: Bezieht sich auf die Einheit der inneren Erscheinungen, affektive Zustände und das Bewusstsein.
  • Gott: Bezeichnet den Gedanken an einen höchsten Grund oder eine letzte Begründung aller Dinge; eine Idee, die über die empirische Erfahrung hinausgeht.

Kant vertritt die Auffassung, dass Metaphysik nicht wie die empirischen Naturwissenschaften betrieben werden kann. Die Ideen der Vernunft haben keinen unmittelbaren Platz in der Erfahrung oder in den empirischen Wissenschaften; sie dienen eher regulativem Denken.

Materielle und formale Ethik

In der Ethik unterscheidet Kant zwischen materiellen und formalen Prinzipien:

  • Materielle (inhaltliche) Prinzipien: Diese richten sich auf Zwecke und legen Regeln fest, wie diese Zwecke zu erreichen sind. Ihre Normen sind hypothetisch und besitzen keine allgemeine Gültigkeit unabhängig vom Willen.
  • Formale Prinzipien: Diese enthalten keine Bezugnahme auf spezielle Zwecke; sie betreffen die Form des Gesetzes, das universell und unbedingt gelten soll. Die formale Ethik fordert Allgemeinheit und Gesetzmäßigkeit des Handelns.

Verantwortung und das moralische Gesetz

Pflicht ist bei Kant die Notwendigkeit, etwas aus Achtung vor dem Gesetz zu tun. Es lassen sich verschiedene Arten von Handlungen unterscheiden:

  • Pflichtwidrige Handlungen: Folgen nicht der Norm; sie sind unmoralisch (z. B. eine Handlung, die gegen das Gebot verstößt).
  • Handlungen in Übereinstimmung mit der Pflicht: Entsprechen äußerlich den Regeln und sind rechtmäßig, aber nicht unbedingt moralisch motiviert (z. B. ein Schüler, der nicht in der Schule raucht, weil ein Lehrer in der Nähe ist).
  • Handlungen aus Pflicht: Die Handlung wird vollzogen, weil der Handelnde die Pflicht anerkennt (z. B. ein Schüler, der nicht raucht, weil er weiß, dass es verboten ist und dies für richtig hält).

Das moralische Gesetz unterscheidet sich vom bloßen Inhalt einer Handlung durch seine Form; Kant bezeichnet die Form als das Gesetzgebungsprinzip, das allgemein und notwendig gelten soll.

Hypothetischer und kategorischer Imperativ

Der moralische Imperativ drückt sich in Geboten aus. Kant unterscheidet zwei Typen:

  • Hypothetische Imperative: Gebote, die als Mittel zum Erreichen eines bestimmten Ziels fungieren. Beispiel: „Wenn du glücklich sein willst, dann handle so und so.“ Kant betont, dass hypothetische Imperative nicht unbedingt allgemeingültig sind, weil ihre Gültigkeit vom Willen und den Zielen der handelnden Person abhängt.
  • Kategorische Imperative: Gebote, die bedingungslos gelten und als allgemeines Gesetz verstanden werden müssen; sie fordern Handlungen um ihrer Form und Gesetzmäßigkeit willen.

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