Immanuel Kants Philosophie: Erkenntnis, Ethik und die Kritik der Vernunft

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Immanuel Kant: Eine Einführung in seine Philosophie

Kants Stellung in der Philosophie

Immanuel Kant ist einer der bedeutendsten Philosophen der Aufklärung und der Neuzeit. In seinem Werk konvergieren die beiden Hauptprobleme der Philosophie seiner Zeit: das Problem der menschlichen Erkenntnis und das der Freiheit. Kant fasste die Beiträge des Rationalismus und Empirismus in seiner Transzendentalphilosophie zusammen.

Kant widerlegte die Thesen des dogmatischen Rationalismus, wie sie von Leibniz und Wolff vertreten wurden, insbesondere den Glauben an die Möglichkeit einer metaphysischen Wissenschaft, die Seele, Welt und Gott erkennen kann.

Ab 1781 begann die kritische Periode Kants, in der er die Grenzen der menschlichen Vernunft untersuchte – sowohl in ihrem wissenschaftlichen (theoretischen) als auch in ihrem ethischen (praktischen) Gebrauch.

Für Kant lassen sich alle Fragen der Philosophie in vier Kernfragen zusammenfassen:

  • Was kann ich wissen?
  • Was soll ich tun?
  • Was darf ich hoffen?
  • Was ist der Mensch?

Zur Beantwortung dieser Fragen nutzte Kant die kritische Methode, bei der die Vernunft sich selbst prüft, um ihre Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen zu erkennen.

Wissen und Wirklichkeit: Kants Erkenntnistheorie

Der theoretische Gebrauch der Vernunft

Kant beantwortet die erste Frage ("Was kann ich wissen?") in seinem Hauptwerk Kritik der reinen Vernunft. Die zentrale Frage hierbei ist, ob Metaphysik eine Wissenschaft sein kann. Wenn ja, gäbe es keine Grenzen der Erkenntnis; wenn nicht, wären der Erkenntnis Grenzen gesetzt.

Kant untersuchte die Bedingungen, unter denen zwei etablierte Wissenschaften – die Mathematik und die Physik – ihre Gesetze formulieren konnten. Beide Wissenschaften sind in der Lage, "synthetische Urteile a priori" zu bilden. Diese Urteile sind sowohl synthetisch (erweitern unser Wissen) als auch a priori (universell gültig und notwendig, unabhängig von Erfahrung).

Die entscheidende Frage lautet daher: Wie sind synthetische Urteile a priori in der menschlichen Erkenntnis möglich?

Kant argumentierte, dass nicht alles Wissen aus der Erfahrung stammt. Es muss eine bestimmte Art und Weise geben, wie das Subjekt die Welt strukturiert. Kant gelang es, Empirismus und Rationalismus im Transzendentalen Idealismus zu synthetisieren: Die Sinnlichkeit liefert das Material der Erkenntnis durch die Sinne, während der Geist des Subjekts dieses Material durch a priori-Strukturen organisiert, die unabhängig von der Erfahrung sind.

Am Erkenntnisprozess sind drei Erkenntnisvermögen beteiligt:

  • Sinnlichkeit: Organisiert das Chaos der Empfindungen durch die reinen Anschauungsformen von Raum und Zeit, um unsere "mentale Repräsentation" (Erscheinungen) zu bilden.
  • Verstand: Organisiert die Erscheinungen durch seine reinen Verstandesbegriffe (Kategorien), um die Gesetze der Natur zu erkennen.
  • Vernunft: Strebt nach unbedingtem Wissen und bildet Ideen, die über die Erfahrung hinausgehen.

Sinnlichkeit und Verstand sind komplementär und für die Erkenntnis von Phänomenen unerlässlich.

Aus dem Gesagten wird deutlich, dass wir nach Kant nur die sinnlichen Erscheinungen der Natur – die Phänomena – erkennen können, da diese in Raum und Zeit organisiert und den Kategorien des Verstandes unterworfen sind. Die Noumena (Dinge an sich) können zwar gedacht, aber niemals erkannt werden, da wir keine Erfahrung von ihnen haben und ihnen daher keine Kategorien zuweisen können.

Ethisches Handeln: Kants Moralphilosophie

Kant analysiert den praktischen Gebrauch der Vernunft hauptsächlich in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten und der Kritik der praktischen Vernunft.

Das einzige Kriterium, das den moralischen Wert einer Handlung bestimmt, ist der gute Wille, der im Handeln aus Pflicht und nicht aus persönlichem Interesse begründet ist.

Kant schlug eine formale Ethik vor, die allein auf dem Verständnis der Idee der Pflicht basiert.

Diese Ethik gründet auf einem abstrakten und allgemeingültigen moralischen Gesetz, dem Kategorischen Imperativ, der in seiner bekanntesten Formulierung lautet:

"Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."

Der Kategorische Imperativ setzt die Freiheit des Individuums voraus, denn nur ein Wesen mit freiem Willen kann sich selbst ein moralisches Gesetz geben. Das Individuum ist im moralischen Bereich frei, weil es sich nur durch sich selbst, aus eigener Vernunft, bindet.

Tugend ist der Wille, stets aus Pflicht zu handeln.

Kants Ethik stützt einen rationalen Glauben. Im Gegensatz zu Thomas von Aquin, bei dem die Religion die Grundlage der Ethik bildet, postuliert Kant die Religion als eine mögliche Ergänzung zur Ethik. Hier spielen die Ideen der reinen Vernunft eine wichtige Rolle als Postulate der praktischen Vernunft.

Seine Ethik gipfelt in der Formulierung der drei Postulate der praktischen Vernunft:

  • Die Freiheit des Willens
  • Die Unsterblichkeit der Seele
  • Die Existenz Gottes

Diese Postulate, die in der Kritik der reinen Vernunft als Ideen der Vernunft ohne theoretische Erkenntnis galten, erhalten im Bereich des praktischen Gebrauchs der Vernunft ihre wahre Bedeutung. Kant zeigte, dass diese Ideen zwar keine Rolle im theoretischen Gebrauch der Vernunft spielen und unser Wissen über Objekte nicht erweitern, aber im Bereich des praktischen und moralischen Handelns unerlässlich sind. Die Ideen von Freiheit, Unsterblichkeit der Seele und Gott sind moralische Ideale, die dem menschlichen Handeln einen Sinn und eine Richtung geben.

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