Industrialisierung: Verkehr, Kommunikation und Kolonialherrschaft
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Der große Schub für Verkehr und Kommunikation
1.2 — Der große Schub für Verkehr und Kommunikation. Der Ausbau der Schienen und Wasserstraßen wurde begleitet vom Aufkommen der Straßenbahn, der U-Bahn und des Fahrrads sowie von der Herausbildung der Automobil- und Luftfahrtindustrie.
Schiene, Bahnhöfe und Schifffahrt
Bahnhöfe und Navigation. Die Verwendung von Stahl ermöglichte größere Kapazitäten, höhere Geschwindigkeiten, mehr Sicherheit und niedrigere Preise. Dadurch wurden nationale Märkte stärker vereinheitlicht.
Dampfschifffahrt. Ab etwa 1865 führten Dampfschiffe, die zunehmend Eisenrümpfe und die Schiffsschraube nutzten, zu geringeren Kosten und größeren Ladekapazitäten. Der Bau des Suez- und des Panama-Kanals verkürzte Entfernungen und revolutionierte den Transport verderblicher Güter.
Auto- und Luftverkehr
Auto. Das Auto ist Ergebnis der Erfindung des Benzin-Verbrennungsmotors und der Entwicklung gummibereifter Räder. Henry Ford führte das Fließband für das Model T ein und machte Automobile deutlich günstiger; die Massenproduktion setzte den Standard für die Automobilindustrie.
Luftfahrt. Die Gebrüder Wright gelten als Pioniere der Flugtechnik; die Luftfahrt entwickelte sich jedoch erst in größerem Umfang bis zum Ersten Weltkrieg und danach weiter.
Stadtverkehr: U-Bahn, Straßenbahn und Fahrrad
U-Bahn und Straßenbahn revolutionierten den innerstädtischen Verkehr und veränderten das Erscheinungsbild der Städte. Auch das Fahrrad trug wesentlich zur Mobilität im urbanen Raum bei.
Kommunikation
Kommunikationswege. Telefon und drahtlose Telegraphie ermöglichten die schnelle Übertragung von Informationen über weite Entfernungen und veränderten Wirtschaft und Alltag nachhaltig.
Die neue industrielle Macht
-1,3 — Die neue industrielle Macht. Bis 1913 wurden die traditionellen Hierarchien in der Industrie verschoben: Die Vereinigten Staaten und Deutschland überholten Großbritannien in vielen industriellen Bereichen, insbesondere in Eisen und Stahl, Chemie und Elektrotechnik. Großbritannien blieb jedoch weiterhin ein weltweites Finanzzentrum, und das britische Pfund blieb eine wichtige Währung im internationalen Zahlungsverkehr.
Deutschland
Im Jahr 1910 war Deutschland eine der führenden Weltmächte, und 1913 zählte es zu den bedeutendsten Handelmächten. Gründe dafür waren die Entwicklung des Verkehrs, die Anwendung neuer Techniken, die wissenschaftliche Organisation der Produktion, eine hohe Konzentration von Industrie und Finanzkapital sowie die Bildung von Kartellen und protektionistische Maßnahmen der Regierung.
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten wurden im späten 19. Jahrhundert zur führenden industriellen Macht durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren: ein riesiger und rasch wachsender Binnenmarkt, reiche Rohstoffvorkommen, ein ausgedehntes Eisenbahnnetz, regionale Spezialisierung durch räumliche Arbeitsteilung und die frühe Einführung technischer Neuerungen. Das amerikanische Industriesystem basierte zunehmend auf Massenproduktion und Standardisierung.
In den USA entstanden große Industriekonzerne in Form von Trusts und Monopolen: Stahl (U.S. Steel), Erdöl (Standard Oil), Elektrizität (General Electric und Westinghouse) und Automobil (Ford Motor Company). Die Regierung reagierte mit Gesetzen zum Schutz des Wettbewerbs.
Meiji-Japan: Industrialisierung und Reformen
Im Jahr 1868 eröffnete Kaiser Mutsuhito die Meiji-Ära nach der Absetzung des letzten Tokugawa-Shōguns. Es folgten umfassende Reformen nach westlichem Vorbild, um die Industrialisierung voranzutreiben. Der Staat übernahm zwischen 1868 und 1880 zunächst viele Unternehmungen, gründete öffentliche und private Betriebe und subventionierte importierte Technologien sowie ausländisches Know-how.
Die Schulpflicht wurde eingeführt; bis 1900 war die Volksschulbildung weitgehend erreicht. Das Finanzwesen wurde modernisiert. Seit 1882 konzentrierte sich kapitalistische Macht zunehmend in den Händen großer Unternehmergruppen (Zaibatsu). Dank günstiger Arbeitskräfte und hoher Produktionsraten wurde Japan zu einer wichtigen Industriemacht; der Bedarf an ausländischen Märkten führte zu imperialistischen Bestrebungen.
Formen kolonialer Herrschaft
Formen kolonialer Herrschaft umfassten politische Kontrolle sowie die soziale und kulturelle Unterwerfung der kolonisierten Völker. Anfangs führten oft private Gesellschaften die Herrschaft, doch bald übernahmen Staaten die Kontrolle. Es existierten verschiedene Verwaltungs- und Steuersysteme; gängige Kategorien waren Kolonien, Besitzungen, Protektorate und Konzessionen.
Siedlungen
Als Siedlungen bezeichnete man Gebiete, in denen die indigene Bevölkerung weitgehend der Metropole untergeordnet war; die Verwaltung erfolgte durch eine europäische Regierung (beispielsweise in Teilen Afrikas und Asiens). Die höchste Gewalt lag beim vom Mutterland ernannten Gouverneur. In den Siedlerkolonien ließen sich größere europäische Bevölkerungsgruppen nieder und brachten ihre Sprache und Institutionen mit (Beispiel: Algerien).
Domänen (Dominions)
Die Domänen (oder Dominions) waren ein speziell britisches Modell: eine Form der Selbstverwaltung mit einem vom Mutterland ernannten Gouverneur, aber einem lokal gewählten Parlament. Diese Gebiete (z. B. Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika) hatten weitgehende Autonomie in der Innenpolitik, blieben jedoch in Außen- und Verteidigungsfragen sowie wirtschaftlich eng an das Mutterland gebunden.
Protektorate
In Protektoraten wurde ein bereits bestehender souveräner Staat formal anerkannt, während das Metropolland die Außenpolitik, militärische Kontrolle und oft auch die wirtschaftliche Ausbeutung leitete. Die lokale Regierung blieb nominal bestehen, war jedoch stark eingeschränkt.
Konzessionen
Konzessionen waren Gebiete, die vorübergehend von einer kolonialen Macht in wirtschaftlichem Interesse kontrolliert wurden, ohne formell als Teil des Mutterlands annektiert zu werden; häufig erfolgte dies ohne umfassende militärische Besetzung oder die Übertragung offizieller Souveränitätsrechte.