Industriegeschichte Spaniens und Kataloniens im 19. Jh.
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Industrielle Entwicklung in Spanien und Katalonien
Im Vergleich zum restlichen Europa verlief die industrielle Entwicklung in Spanien verzögert. Während viele Länder bereits um 1870 hochindustrialisiert waren, erreichte Spanien diesen Status erst deutlich später, etwa ab 1877. Die Wirtschaft basierte primär auf dem Primärsektor, während nur ein geringer Teil der Bevölkerung im sekundären und tertiären Sektor tätig war. Bemerkenswert ist, dass Katalonien die Industrialisierung innerhalb Spaniens deutlich früher einleitete als der Rest des Landes.
Hindernisse der Industrialisierung
Die spanische Industrialisierung stieß auf erhebliche Hindernisse, allen voran der Kapitalmangel. Die Bevölkerung war zu jener Zeit verarmt und konnte kaum Ersparnisse bilden, was Investitionen in produktive Sektoren erschwerte. Es fehlten die finanziellen Mittel, um beispielsweise Minen effizient zu betreiben oder technologische Verbesserungen zu finanzieren.
Probleme der asturischen Kohle
Die Kohlegewinnung in Asturien war durch fragmentierte und schmale Flöze erschwert. Das geförderte Produkt war oft von geringer physischer Konsistenz (sogenannte Menudalla), was die Verwendung in der Stahlindustrie einschränkte. Hinzu kamen eine ungünstige geografische Lage sowie eine mangelhafte Infrastruktur (fehlende Schienen- und Seeanbindungen), was die Qualität minderte und zu mangelnden Gewinnen führte.
Staatsverschuldung und Investitionshemmnisse
Die Ausgabe von Anleihen war an hohe Zinsen von sechs Prozent gebunden. Die Rückzahlung dieser Schulden, unter anderem finanziert durch die Desamortisation (Säkularisation) sowie durch aufeinanderfolgende Verkäufe, entzog dem Markt wichtiges Kapital. Da viel Kapital zur Tilgung der Staatsverschuldung verwendet wurde, konnte es nicht in produktive industrielle Aktivitäten investiert werden.
Protektionismus vs. Freihandel
Die Debatte über den Protektionismus prägte die spanische Wirtschaft. Kritiker des Freihandels argumentierten, dass der Import billiger ausländischer Waren ohne Zölle die heimische Arbeit vernichte und die Stadtbevölkerung ins Unglück stürze. Die Gründe für die verzögerte Industrialisierung bis ins 19. Jahrhundert waren vielfältig:
- Geografische Lage: Die Topografie Spaniens war ungünstig und führte zu hohen Transportkosten.
- Geringe Kaufkraft: Aufgrund einer rückständigen Landwirtschaft musste die Bevölkerung den Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben.
- Staatsverschuldung: Die hohe Verschuldung absorbierte verfügbares Kapital.
- Ressourcenmangel: Es gab einen Mangel an hochwertigen Rohstoffen und Energiequellen; zudem war Wasser eine knappe Ressource.
Die Internationale Arbeiter-Assoziation (AIT)
Die AIT (Internationale Arbeiter-Assoziation) war eine Organisation, die Arbeiter zusammenbrachte, um gegen den Kapitalismus zu kämpfen und die Emanzipation der Arbeiterschaft zu erreichen. Die Bewegung war in zwei Hauptströmungen gespalten:
- Marxisten: Sie befürworteten die Gründung von Arbeiterparteien, um politische Macht zu erlangen und die Diktatur des Proletariats zu errichten.
- Anarchisten (Bakunisten): Sie lehnten staatliche Strukturen und die Gründung von Parteien ab, da sie keine Landesregierungen wollten. Sie strebten nach kompletter Freiheit.
Die AIT wurde um das Jahr 1872 aufgelöst. Die Anarchisten bildeten daraufhin die antiautoritäre Internationale, die bis zu ihrer endgültigen Auflösung im Jahr 1876 bestand.