Die industrielle Entwicklung Deutschlands im 19. Jahrhundert

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Rückständigkeit Deutschlands vor der Industrialisierung

Geographischer Raum

Deutschland bestand aus selbstständigen einzelnen Landschaften, die durch die Lage der Gebirge und Flusssysteme getrennt waren. Dies erschwerte den Austausch von Gütern.

Politischer Raum

Deutschland war wirtschaftlich und politisch zersplittert. 314 Körperschaften und 1800 Zollschranken sowie unterschiedliche Währungen erschwerten und verteuerten den Handel.

Wirtschaftlicher und sozialer Rahmen

80 % der Bevölkerung arbeiteten in der Landwirtschaft. Diese waren meist nicht an Gewinn- und Leistungsstreben interessiert, sondern nur daran, das Überleben zu sichern. Abhängige Bauern, die das Land von Gutsbesitzern bewirtschafteten, durften ihre Scholle nicht verlassen, in die Stadt ziehen oder ein Gewerbe eröffnen. Die Landesherren hatten kein Interesse an der Modernisierung der Landwirtschaft und wollten kein Geld in Fabriken investieren. Dadurch gab es einen Mangel an Kapital zur Investition in Industrieanlagen. Die Gesellschaft war in klar abgetrennte Stände gegliedert.

Subsistenzwirtschaft statt Profitwirtschaft

Subsistenzwirtschaft (man produziert nur, was man braucht) statt Profitwirtschaft (mehr als nötig): Letztere war wichtig, um Geld in die Industrie zu investieren und damit die Bauern Nahrung für die Arbeiter in den Fabriken herstellten.

Überwindung der Rückständigkeit

Voraussetzungen

  • Steinkohle- und Erzvorkommen
  • Vorindustrielle Gewerberegionen (Fortschrittskerne), z. B. im Textilbereich: Menschen verfügen über technisches Wissen und Fertigkeiten.

Maßnahmen zur Modernisierung

Der preußische Staat begann, die wirtschaftliche und soziale Modernisierung zu fördern (Rheinland und Westfalen gehören seit 1815 zu Preußen):

  • 1834 Gründung des Deutschen Zollvereins: Zusammenschluss von 18 Staaten zu einem einheitlichen Zoll- und Handelsgebiet zur Förderung des Handels.
  • Fester Wechselkurs der unterschiedlichen Währungen für einen einheitlichen Markt.
  • 1810 Gewerbefreiheit: Jeder kann frei in die Industrie investieren; Abschaffung der Zünfte (Organisationen der Handwerker), die entschieden, wer welche Produkte zu welchem Preis und auf welche Art und Weise produzierte.
  • Aufschwung der Industrie, Abstieg des traditionellen Handwerks.
  • Mehr Konkurrenz und Wettbewerb führen zu mehr technologischer Entwicklung.
  • Unternehmerinitiative: Unternehmerisches Handeln, Übernahme von Risiken, Teilnahme an Wettbewerben.
  • Verkehrswegebau: Kanäle und Straßen, Beginn des Eisenbahnbaus zur Überwindung geographischer Barrieren.
  • Ausbau des allgemeinen Schulsystems und Aufbau von Gewerbeschulen sowie technischen Hochschulen.

Industrialisierung in Deutschland

Seit den 1840er-Jahren kann man von einer industriellen Revolution in Deutschland sprechen. Zunächst gab es nur einzelne traditionelle Gewerberegionen, auf die sich die Entwicklung konzentrierte. Erst nach der Reichsgründung 1871 erfasste die Industrialisierung fast ganz Deutschland.

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