Industrielle Revolution und Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert
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Das 19. Jahrhundert: Aufstieg der Industriegesellschaft
Im 19. Jahrhundert etablierten sich Fabriken und die Bourgeoisie als führende Wirtschaftskraft. Großbritannien war das erste Land, das die industrielle Transformation durchlief. London wurde zur bevölkerungsreichsten Stadt der Welt, angetrieben durch Landflucht und hohe Geburtenraten.
Gesellschaftsformen im Wandel
Die industrielle Gesellschaft des 19. Jahrhunderts existierte neben verschiedenen traditionellen und sich entwickelnden Gesellschaftsformen:
Traditionelle ländliche Gesellschaften
Die Bevölkerung widmete sich weiterhin der Landwirtschaft, wobei in einigen Regionen der Industrieländer kaum große Veränderungen stattfanden.
Entwickelte ländliche Gesellschaften
Die Aktivität verlagerte sich auf die kommerzielle Landwirtschaft. Man setzte auf Spezialisierung, um die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern.
Urbane Gesellschaften
Diese entstanden durch den Prozess der Industrialisierung und die anhaltende Landflucht. Sie entwickelten sich zu den Zentren wirtschaftlicher Aktivität.
Die Vorherrschaft der Bourgeoisie
Die Bourgeoisie war die mächtigste Gruppe in der neuen Industriegesellschaft. Ihre Macht basierte auf Besitz und Wohlstand, was zur Entstehung der Plutokratie (Herrschaft des Geldes) führte. Ihr Lebensstil orientierte sich oft an den Traditionen des alten Adels.
Die Soziale Frage und Arbeitsbedingungen
Ursachen der Arbeiterbewegung
Die Entstehung der Arbeiterbewegung war eine direkte Folge der sozialen Probleme und der harten Arbeitsbedingungen der Arbeiter:
- Harte Arbeitsbedingungen: Lange Arbeitstage, strenge Disziplin, fehlender Urlaub und mangelnde soziale Absicherung (z. B. im Krankheitsfall).
- Ablehnung der Maschinen: Arbeiter befürchteten den Verlust ihrer Arbeitsplätze durch die Industrialisierung.
- Ausbeutung: Die Eingliederung von Frauen und Kindern in die Produktion unter ausbeuterischen Bedingungen.
Ideologische Grundlagen der Bewegung
Utopischer Sozialismus
Der Utopische Sozialismus verteidigte die Idee einer idealen Gesellschaft in Frieden und Harmonie, die friedlich erreicht werden sollte. Er war verankert in der Gründung kleiner, egalitärer Gemeinschaften. Wichtige Vertreter waren: Saint-Simon, Charles Fourier und Robert Owen.
Marxistischer Sozialismus
Der Marxismus basierte auf dem Klassenkampf. Er forderte die Revolution des Proletariats gegen die Herrschaft der Bourgeoisie und die Errichtung einer Diktatur des Proletariats als Übergangsstaat.
Anarchismus
Der Anarchismus befürwortete ebenfalls den Klassenkampf und die Revolution, lehnte jedoch die Bildung eines Proletariatsstaates oder jeglicher staatlicher Institutionen ab.
Entwicklung der Arbeiterbewegung
Frühe Vereinigungen
Erste Partnerschaften entstanden im Vereinigten Königreich bereits im späten 18. Jahrhundert, wurden aber 1800 verboten.
Ludditen
Eine gewalttätige Bewegung, die sich insbesondere in der Textilindustrie gegen Maschinen richtete.
Chartisten
Eine politische Arbeiterbewegung, die neben der Verbesserung der Arbeitsbedingungen auch politische Rechte forderte.
Berufsgewerkschaften
Diese Gewerkschaften organisierten sich in spezifischen Sektoren, meist für qualifizierte Arbeitskräfte, und versuchten, Verbesserungen durch geschulte, friedliche Verhandlungen zu erzielen.
Die Erste Internationale (IAA)
Das erste internationale Treffen von Gewerkschaftern aus Großbritannien und Frankreich fand in London statt. Im Jahr 1864 wurde die Internationale Arbeiterassoziation (IAA) offiziell mit Vertretern mehrerer europäischer Länder konstituiert. Sie inspirierte sich an den ideologischen Grundlagen des revolutionären Sozialismus.
Bald kam es zu einer ideologischen Trennung zwischen den marxistischen und den anarchistischen Parteien. Auf dem Haager Kongress von 1872 erfolgte die endgültige Spaltung, was zum Niedergang der Organisation führte.