Industrielle Revolution: Landwirtschaft, Mechanisierung, Verkehr und Markt
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Landwirtschaftliche Revolution
Die landwirtschaftliche Revolution bezeichnet eine Reihe von Veränderungen in der Landwirtschaft, die eine deutliche Steigerung der Nahrungsmittelproduktion ermöglichten und somit das Überleben einer rasch wachsenden Bevölkerung sicherten. Drei große landwirtschaftliche Innovationen betrafen Veränderungen in der Fruchtfolge, die Einführung neuer Maschinen und eine veränderte Eigentümerstruktur.
Wesentliche Elemente waren unter anderem:
- Fruchtfolge (Norfolk-System): Die Einführung systematischer Fruchtfolgen unterdrückte das Brachliegen von Feldern und verbesserte die Ausnutzung der Böden.
- Neue Pflanzen: Rüben, Klee und Luzerne halfen, Stickstoff im Boden zu binden, erhöhten die Futterproduktion und führten zu einem Anstieg des Viehbestands; die Gülle der Tiere verbesserte zudem die Bodenfruchtbarkeit.
- Anbaumethoden und Düngung: Die Einführung neuer Anbaumethoden, Werkzeuge, Pflanzen und Düngemittel ermöglichte eine Zunahme und Diversifizierung der Nahrungsmittelproduktion.
- Privatisierung der Allmende: Die Umwandlung gemeinschaftlich genutzter Flächen durch gesetzliche Enclosure-Maßnahmen veränderte die Eigentümerstruktur und führte zur Konsolidierung landwirtschaftlicher Betriebe.
Mechanisierung und Fabriksystem
Der verstärkte Einsatz von Maschinen und der Ersatz bewegter (menschlicher oder tierischer) durch unbelebte Energiequellen (z. B. Wasserkraft und Kohle) führte zur Konzentration von Arbeitskräften in Produktionsgebäuden. Viele handwerkliche Betriebe konnten sich nicht halten, und individualisierte Produktion wurde zunehmend durch Fabriken ersetzt.
Die Mechanisierung begann in der Textilindustrie mit Erfindungen wie dem Flying Shuttle von John Kay (1733) sowie neuen Spinnmaschinen (Spinning Jenny, Spinning Mule, Water Frame) und verbesserten Webstühlen. Ein weiterer großer Schritt erfolgte, als Maschinen durch Wasserkraft angetrieben wurden. Die Dampfmaschine, vor allem in der verbesserten Form durch James Watt (ca. 1769), wurde schließlich zum Symbol der industriellen Revolution.
Die Baumwollindustrie
Baumwolle ließ sich vergleichsweise leicht reinigen und großflächig verarbeiten, sodass sie preiswert wurde. Bis zum 18. Jahrhundert wurden viele Baumwollstoffe aus Indien importiert. Die Anfänge der britischen Textilindustrie um 1750 gingen mit Regelungen zur Einfuhr bedruckter Baumwollstoffe einher und führten zu einer raschen Entwicklung der Binnenproduktion.
Die britische Textilindustrie erlebte einen beispiellosen Aufschwung: Zum einen sorgte die massive Einfuhr von Rohbaumwolle aus Indien und den USA für die Rohstoffversorgung der Branche, zum anderen erhöhten einfache, aber wirkungsvolle Erfindungen (z. B. das Flying Shuttle und neue Spinnmaschinen) die Produktivität und förderten das Produktionswachstum.
Neue Verkehrsmittel
Um Rohstoffe und Güter zu transportieren, wurden Straßen verbessert und Kanäle gebaut. Entscheidend war jedoch die Eisenbahn, die eine Revolution im Verkehrswesen auslöste. George Stephenson und seine Entwicklungen führten 1829 zu leistungsfähigen Lokomotiven; die erste Eisenbahnverbindung, die Liverpool und Manchester verband, gilt als Meilenstein.
Im frühen 19. Jahrhundert wurde die Dampfenergie auch in der Schifffahrt angewandt: Robert Fulton setzte Dampf 1807 erfolgreich zur Binnenschifffahrt ein, als ein Dampfschiff den Hudson River befuhren. Allmählich ersetzten Dampfschiffe Segelschiffe. Der Ausbau der Eisenbahn änderte gesellschaftliche Gewohnheiten und nährte hohe Erwartungen an wirtschaftliches Wachstum (z. B. Börsenboom).
Der Puls des Marktes
Die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur ermöglichte und beschleunigte den Übergang zu einer Marktwirtschaft. Der Anstieg der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion zwang Produzenten, neue Kunden im In- und Ausland zu suchen. Die britische kommerzielle Expansion profitierte von ausländischen Märkten, und Händler nutzten vor allem die Möglichkeiten des Atlantikmarktes.
Wesentliche Transformationen betrafen die Entwicklung eines Binnenmarktes und die Verallgemeinerung des Handels, die lokale und regionale Austausche zu einem integrierten nationalen und internationalen Markt verbanden. Als Ergebnis zeigte sich eine signifikante Zunahme des Handelsvolumens und eine Integration vormals getrennter Märkte.
Kapital, Arbeit und der Markt
Der Kapitalismus ist ein System, in dem die Produktionsmittel und die Produktion in Privatbesitz sind. Eine Klasse, die Bourgeoisie oder Kapitalisten, kontrolliert Kapital und Produktionsmittel, während das Proletariat meist nur seine Arbeitskraft besitzt, die es gegen Lohn verkauft.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden durch einen anspruchsvollen Markt verbunden, in dem Beschäftigung und Arbeitsangebote zu einem Preis-, also Lohn-, Mechanismus führen. Der Kapitalismus ist ein System freier Unternehmung ohne umfassende zentrale Planung; individuelles Streben nach maximalem Profit treibt wirtschaftliches Handeln an.
Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage führen zu periodischen Krisen, die durch Anpassungen der Kosten (z. B. Löhne) oder der Produktion (Angebot) korrigiert werden. Während des 19. Jahrhunderts traten solche periodischen Krisen auf: In diesen Phasen konnten Produkte nicht verkauft werden, die Preise fielen, Gewinne sanken, Unternehmen mussten schließen und die Arbeitslosigkeit stieg.