Insulinwirkung, Injektionstechnik und orale Antidiabetika
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Arten der Insulinwirkung: Beginn, Gipfel und Dauer
Hier finden Sie:
- Kurzwirksames Insulin (z. B. Actrapid, Humulin R): Beginn: 20–30 min; Gipfel: 2–4 h; Ende: 6–8 h.
- Intermediär wirkendes Insulin (z. B. Insulatard, Humulin NPH): Beginn: 45–60 min; Gipfel: ca. 6 h; Ende: 12–14 h (Protamin-NPH).
- Langsam wirkendes Insulin (z. B. Monotard / Lente): Beginn: 60–90 min; Gipfel: 8–12 h; Wirkdauer: ca. 24 h; enthält rund 70 % Zink.
Dosierungsprinzip bei zweimal täglicher Gabe
Bei zweimal täglicher Verabreichung werden üblicherweise 60 % der Dosis am Morgen und 40 % am Abend gegeben.
Kontrolle nächtlicher Hypoglykämien (Somogyi-Effekt)
Zur Abklärung nächtlicher Hypoglykämien mit Rebound-Hyperglykämie vor dem Frühstück (Somogyi-Effekt) sollte um 03:00 Uhr eine kapillare Blutzuckermessung durchgeführt werden.
Injektion und Selbstinjektion von Insulin
Verabreichungswege: Insulin kann intravenös als Bolus oder kontinuierlich über eine Infusionspumpe in Notfällen und bei schwerer Hyperglykämie verabreicht werden. Die übliche Route ist subkutan und, wann immer möglich, durch den Patienten selbst.
Body-Map für subkutane Injektionen
Vorderer Rumpf und rechter Arm: in vier Zonen unterteilen; Abdomen: Randbereiche und mittlere Zonen; Oberschenkel: vier Zonen außen, drei auf der Innenseite.
Rückseite des Körpers: Arme in drei Bereiche einteilen; Gesäß: vier Zonen, Innenkante und drei auf der Innenseite.
Die Injektion kann überall dort erfolgen, wo subkutanes Gewebe vorhanden ist.
Technik der Injektion
- Injektionsstelle wählen und rotieren; zwischen separaten Injektionen etwa 2 cm Abstand lassen.
- Unterschiedliche Zonen haben unterschiedliche Resorptionsgeschwindigkeiten; dies bei der Planung der Injektionsstellen berücksichtigen.
- Bei übergewichtigen Personen die Spritze senkrecht (90°) halten; bei normalgewichtigen Personen kann ein 45°-Winkel erforderlich sein.
- Bei Pens ist in der Regel keine Desinfektion erforderlich; Alkohol oder andere Desinfektionsmittel können durch Vasokonstriktion die Resorptionsrate verlangsamen.
- Die Nadel nach der Injektion noch etwa 10 Sekunden belassen, um die vollständige Abgabe sicherzustellen; nicht massieren.
Faktoren, die die Insulinabsorption verändern
- Lipodystrophie: Veränderungen des subkutanen Fettgewebes durch wiederholte Injektionen in dasselbe Areal.
- Anatomische Region: Schnellere Aufnahme im Abdomen, gefolgt von Arm und Oberschenkel; am langsamsten im Gesäß.
- Bewegung/Übung: Erhöht die Durchblutung und beschleunigt die Resorption.
- Massage, heißes Bad/Dusche: Beschleunigen die Absorption.
- Dosis/Volumen: Größere Volumina werden tendenziell langsamer resorbiert.
- Insulinart: Schnellwirksame Insuline werden schneller resorbiert als lang wirkende Präparate.
Allgemeine Angaben zu oralen Antidiabetika (OAD)
Indikationen: Typ‑2‑Diabetes ohne Ketose, häufig ab etwa 40 Jahren, milde bis moderate Hyperglykämie, geringer bis moderater Insulinbedarf. Ziel‑HbA1c häufig zwischen 6,5 % und 7,5 %.
Kontraindikationen für orale Antidiabetika
- Ketoazidose oder Ketose
- Schwere Leber- oder Niereninsuffizienz
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Dekompensierte schwere Hyperglykämie
- Sehr hohe HbA1c-Werte (z. B. > 8,5 %)
Wirkprinzip und Einsatz oraler Antidiabetika
Bei Typ‑2‑Diabetes werden orale Antidiabetika eingesetzt, um Insulinresistenz zu mindern und/oder die Insulinsekretion zu stimulieren. Sie verbessern die Geweberesponsivität auf Insulin und können die Genese der Hyperglykämie adressieren. Bei Übergewicht und Adipositas werden bevorzugt Medikamente eingesetzt, die Gewicht günstig beeinflussen oder zumindest nicht fördern.
Biguanide (z. B. Metformin)
- Erhöhen die periphere Glukoseaufnahme (vor allem Muskulatur).
- Reduzieren die intestinale Glukoseabsorption.
- Hemmung der hepatischen Glukoneogenese.
- Führen in der Regel nicht zu Hypoglykämien.
- Werden bei Adipositas oft in Kombination mit kalorienreduzierter Diät eingesetzt.
- Können anorektische Effekte haben; leichte gastrointestinale Nebenwirkungen sind möglich und oft tolerierbar.
Sulfonylharnstoffe
- Stimulieren die pankreatische Insulinsekretion.
- Können Hypoglykämien verursachen.
- Reduzieren das HbA1c um ca. 1–2 %.
- Bei sehr hohen Blutzuckerwerten (z. B. > 250 mg/dl) kann vorübergehend Insulin notwendig sein.
- Sulfonylharnstoffe wirken besser bei Patienten mit erhaltener Betazellreserve und können bei jüngeren, adipösen Patienten geeignet sein.
Hinweis: Bei der individuellen Therapieplanung sind Begleiterkrankungen, Lebensstil, Gewicht, Nieren‑ und Leberfunktion sowie Schwangerschaftswunsch stets zu berücksichtigen. Bei Unsicherheit oder komplexen Fällen ist eine spezialisierte diabetologische Beratung empfehlenswert.