Intelligenz: Theorien, Typen und Entwicklung

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Intelligenz: Begriffsbestimmung

Intelligenz: Kapazitäten, mit denen wir die Welt und das Leben verstehen und die Geheimnisse der Welt ergründen. Die Bildung von Ideen, Überlegungen und Entscheidungen sind wesentliche Akte der Intelligenz, ebenso wie das Lösen von Problemen oder das Schaffen neuer Produkte.

Sieben geistige Fähigkeiten

Zu den sieben geistigen Fähigkeiten gehören:

  • Sprachverständnis
  • Wortflüssigkeit
  • Numerische Fähigkeiten
  • Gedächtnis
  • Wahrnehmungsgeschwindigkeit
  • Räumliches Vorstellungsvermögen
  • Induktive Argumentation

Struktur der intellektuellen Operationen

Man unterscheidet typischerweise drei Aspekte:

  • Operationen: Was das Individuum mit der Information tut.
  • Inhalt: Die Arten von Informationen, mit denen die einzelnen Operationen arbeiten.
  • Produkte: Die Strukturen oder Ergebnisse, die entstehen, wenn Informationen verarbeitet werden.

Aktuelle Theorien

Informationsverarbeitungstheorie (Robert Sternberg)

Robert Sternbergs triarchische Intelligenztheorie definiert Intelligenz als die Fähigkeit, in realen, relevanten Umgebungen zu handeln und Probleme zu lösen, die unser persönliches Leben betreffen. Intelligenz ergibt sich aus der Interaktion zusammensetzender (kompositorischer) Aspekte und kontextueller Erfahrungen. Sternberg unterscheidet drei Bereiche:

  • Analytische Komponente: Mentale Prozesse kennen, analysieren und bewerten, die z. B. beim Problemlösen benötigt werden.
  • Erfahrungs-/kreative Komponente: Fähigkeit, mit neuartigen Aufgaben umzugehen, neue Ideen zu formulieren und Erfahrungen zu kombinieren.
  • Kontextuelle/praktische Komponente: Anpassung an, Auswahl und Modifizierung der Umwelt; ökologische Anpassung und Auswahl der Umgebung.

Emotionale Intelligenz (Daniel Goleman)

Daniel Goleman beschreibt emotionale Intelligenz als die Fähigkeit zur Interaktion mit der Welt durch Fertigkeiten wie Impulskontrolle, Motivation, Ausdauer und Einfühlungsvermögen. Er nennt fünf zentrale Fertigkeiten:

  • Selbstwahrnehmung: Das Bewusstsein für die eigenen Gefühle und Zustände.
  • Emotionale Selbstkontrolle: Die Fähigkeit, Emotionen und Impulse zu steuern.
  • Selbstmotivation: Die innere Motivation, Ziele zu verfolgen.
  • Erkennen der Emotionen anderer (Empathie): Andere wahrnehmen und emotional angemessen reagieren können.
  • Soziale Fähigkeiten: Beziehungen aufbauen, überzeugen und Einfluss ausüben.

All dies steht in Verbindung mit Strukturen wie der Amygdala; unser Handeln wird sowohl von emotionalen als auch von rationalen Prozessen gelenkt.

Multiple Intelligenzen (Howard Gardner)

Howard Gardner schlägt vor, dass Intelligenz nicht einheitlich ist, sondern aus mehreren separaten Fähigkeiten besteht, die sich in verschiedenen Kulturen und Kontexten entwickeln können. Zu den genannten Typen gehören:

  • Sprachliche Intelligenz – effektiver Gebrauch von Wörtern (Dichter, Schriftsteller).
  • Logisch-mathematische Intelligenz – Umgang mit Zahlen und logisch-abstraktem Denken (Wissenschaftler, Philosophen).
  • Räumliche Intelligenz – visuelle Wahrnehmung des Raums und räumliche Transformationen.
  • Musikalische Intelligenz – Wahrnehmen, unterscheiden und ausdrücken musikalischer Formen, Sensibilität für Rhythmus und Tonhöhe.
  • Kinästhetische Intelligenz – Nutzung des eigenen Körpers, Körpersprache und Manipulation von Objekten (Sportler, Tänzer).
  • Intrapersonale Intelligenz – Selbstkenntnis, Gefühle, Motive und das eigene Verhalten verstehen (Psychologen, Künstler).
  • Interpersonale Intelligenz – Verständnis und Interaktion mit anderen Menschen, Sensibilität für Mimik und Stimme (z. B. in medizinischen Berufen).
  • Naturalistische Intelligenz – Unterscheiden und Klassifizieren von Objekten der natürlichen Welt, Beobachtung und Reflexion.

IQ‑Tests erfassen oft nur einen Teil der Intelligenz; Menschen lernen nicht überall auf die gleiche Weise.

Die Entwicklung der Intelligenz

Jean Piaget: Mechanismen kognitiver Entwicklung

Jean Piaget versuchte, die Funktionsweise der Intelligenz zu erklären. Seine Theorie betrachtet kognitive Prozesse als Ergebnis der aktiven Interaktion des Individuums mit seiner physischen und sozialen Umwelt.

Konzepte: Schemata und Anpassung

  • Schemata: In einer Entwicklungsphase verwendet der Geist bestimmte Schemata bzw. Strukturen (Sequenzen, Organisation), die bei ähnlichen Situationen wiederholt angewendet werden. Diese Schemata verändern sich im Verlauf der Entwicklung, zuerst praktisch, später symbolisch.
  • Anpassung: Intelligenz entwickelt sich durch Anpassung an die Umwelt. Anpassungsprozesse sind unter anderem:
    • Assimilation: Neue Informationen werden in bestehende Schemata integriert.
    • Akkommodation: Schemata werden verändert, um neue Informationen zu integrieren.
    • Ausgleich (Equilibration): Dynamischer Prozess zwischen Assimilation und Akkommodation, bestehend aus Selbstregulierung und Anpassung.
    • Organisation: Gedankliche Strukturen werden organisiert; die Organisation hilft, sich an Dinge anzupassen und Strukturen zu bilden.

Phasen der kognitiven Entwicklung

Piaget unterschied vier Hauptstadien:

  • Sensomotorische Phase (0–2 Jahre): Das Kind erkundet die physische und soziale Umwelt über Sinne und Motorik. Neugeborene zeigen angeborene Reflexe; später entwickeln sich organisierte Gewohnheiten und differenzierte Wahrnehmung. Objektpermanenz entsteht.
  • Präoperationale Phase (ca. 2–6/7 Jahre): Symbolisches Denken tritt auf; das Kind kann Symbole wie Wörter und Bilder benutzen. Es zeigen sich Egozentrismus und Animismus.
  • Konkrete Operationen (ca. 7–11 Jahre): Das Kind kann mit wahrgenommenen Objekten operieren und lernt Konzepte von Veränderung und Kontinuität (z. B. Erhaltungskonzepte).
  • Fomale Operationen (ca. 12–16 Jahre): Jugendliche beginnen, über abstrakte und mögliche Sachverhalte nachzudenken; hypothetisches und bedingtes Denken entwickelt sich.

Genetiker und Umweltschützer

Genetiker: Sie betonen, dass Individuen mit bestimmten, vererbten allgemeinen Fähigkeiten geboren werden. Der IQ gilt als relativ stabil; Schätzungen zur Erblichkeit liegen in Studien häufig zwischen etwa 40 % und 80 %. Unterschiede in durchschnittlichen IQ-Werten zwischen Gruppen (z. B. um einige Punkte) sind Gegenstand kontroverser Debatten.

Umweltschützer: Sie betonen, dass Intelligenz Ergebnis einer Wechselwirkung von Vererbung und Umwelt ist. Trotz genetischer Prädispositionen beeinflussen Lernen und Umweltentwicklung die Intelligenz. Intelligenz ist nicht an Hautfarbe, Geschlecht, Alter oder soziale Schicht gebunden; die alleinige Zuschreibung von Misserfolg an genetische Faktoren birgt die Gefahr sozialer Schuldzuweisungen.


Wiederholung des korrigierten Textes

Intelligenz: Kapazitäten, mit denen wir die Welt und das Leben verstehen und die Geheimnisse der Welt ergründen. Die Bildung von Ideen, Überlegungen und Entscheidungen sind wesentliche Akte der Intelligenz, ebenso wie das Lösen von Problemen oder das Schaffen neuer Produkte.

Die sieben geistigen Fähigkeiten (nochmals)

  • Sprachverständnis
  • Redefluss / Wortflüssigkeit
  • Numerische Fähigkeiten
  • Gedächtnis
  • Wahrnehmungsgeschwindigkeit
  • Räumliches Vorstellungsvermögen
  • Induktive Argumentation

Struktur der Intelligenzoperationen (nochmals)

Operationen (was das Individuum mit der Information tut), Inhalt (Arten von Informationen) und Produkte (Strukturen, die aus der Verarbeitung entstehen).

Informationsverarbeitungstheorie

Robert Sternbergs triarchische Theorie: Intelligenz dient dazu, in realen Umgebungen zu handeln und persönliche Probleme zu lösen. Sie umfasst analytische, kreative und praktische Komponenten.

Emotionale Intelligenz (Goleman)

Emotionale Intelligenz umfasst Impulskontrolle, Motivation, Ausdauer und Empathie. Fünf Fertigkeiten: Selbstwahrnehmung, emotionale Selbstkontrolle, Selbstmotivation, Erkennen der Emotionen anderer und soziale Beziehungen. Diese Prozesse stehen im Zusammenhang mit Gehirnstrukturen wie der Amygdala; Verhalten wird emotional und rational gesteuert.

Multiple Intelligenzen (Gardner)

Nach Gardner entwickeln sich verschiedene Intelligenzen, die in verschiedenen Situationen nützlich sind. Beispiele: sprachlich, logisch-mathematisch, räumlich, musikalisch, kinästhetisch, intrapersonal, interpersonal und naturalistisch. IQ-Tests messen nur einen Teil dieser Fähigkeiten.

Entwicklung (Piaget, nochmals)

Piaget sieht kognitive Prozesse als Produkt der aktiven Interaktion mit der physischen und sozialen Umwelt. Wichtige Konzepte: Schemata, Assimilation, Akkommodation, Organisation und Ausgleich. Phasen: sensomotorisch, präoperational, konkrete Operationen, formale Operationen.

Zusammenfassung: Anlage und Umwelt

Die Debatte zwischen genetischen und umweltbezogenen Erklärungen bleibt bestehen. Beide Perspektiven erkennen an, dass Intelligenz durch die Interaktion von biologischer Ausstattung und Umweltentwicklung entsteht. Es ist wichtig, sowohl genetische als auch umweltbedingte Einflüsse zu berücksichtigen und vorsichtig mit pauschalen Zuschreibungen zu sein.

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