Internationale Gesellschaft: Evolution, Macht und Globalisierung
Eingeordnet in Sozialwissenschaften
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 14,39 KB
Punkt 6 – Internationale Gesellschaft: Evolution und Macht
Evolution und Struktur. Macht in den internationalen Beziehungen.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die Welt zwei Weltkriege. Der Erste Weltkrieg (1914–1918) begann in Europa und war eine Zeit, in der der Faschismus in Ländern wie Italien und Deutschland entstand. Eine Krise der Demokratie führte schließlich zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) und zur Herrschaft totalitärer Regime. Nach 1945 entstand eine neue internationale Gesellschaft aus den Trümmern des Krieges. Der Marshallplan war die erste Initiative zum Wiederaufbau eines zerrissenen Europas; Spanien profitierte nicht davon.
Die neue internationale Ordnung unterschied sich deutlich in Struktur, Prozessen und Normen von früheren Systemen. Die Zahl der Staaten stieg: von etwa 50 im Jahr 1945 auf rund 150 in den 1980er Jahren durch den Prozess der Entkolonialisierung. Das eingeführte System war überwiegend bipolar: zwei Pole dominierten das internationale System. Europa war nicht mehr der alleinige Schwerkraftpunkt. In der Zeit des Kalten Krieges engagierten sich viele europäische Staaten im Wiederaufbau, mit dem Ziel, dass Frankreich und Deutschland nicht erneut gegeneinander kämpfen. In der Peripherie kam es zu zahlreichen Konflikten, oft als Stellvertreterkonflikte zwischen den USA und der Sowjetunion, mit dem Ziel, Einflusszonen zu erweitern. Dieser Zeitraum wird als Kalter Krieg bezeichnet und ist gekennzeichnet durch eine Kombination von Frieden und immer wieder aufflammender Kriegsgefahr. Es begann ein Wettrüsten, in dem die beiden Mächte große Ressourcen aufwendeten. Der Kalte Krieg war auch ein ideologischer Konflikt zwischen Marxismus-Leninismus und Kapitalismus.
Evolution der Konfrontation und Entspannung
Die ersten Jahre der Blockkonfrontation zwischen 1945 und dem ersten Jahrzehnt der 1950er Jahre waren durch große Spannungen und minimale Kommunikation zwischen den Großmächten gekennzeichnet. In den 1960er Jahren begann eine Phase der Entspannung (Détente), doch es gab weiterhin extrem angespannte Momente, etwa die Kubakrise im Oktober 1962, die die Welt an den Rand eines Atomkriegs brachte. In den 1980er Jahren kam es erneut zu Spannungen, beispielsweise infolge der Rüstungsprogramme der Reagan-Administration (Strategic Defense Initiative „Star Wars“).
Ost‑West‑Blockbildung
Die bipolare Welt zeigte sich besonders deutlich in Europa, die durch den sogenannten Eisernen Vorhang geteilt wurde. Die Teilung Europas resultierte aus Entwicklungen, die bis zur bolschewistischen Revolution von 1917 zurückreichen, aber nach 1945 zentral für die internationalen Beziehungen wurden. Europa war in einen westlich geprägten Teil unter US-Einfluss und einen östlichen, sowjetisch kontrollierten Teil gespalten. Deutschland wurde geteilt: die Bundesrepublik Deutschland (BRD) mit der Hauptstadt Bonn und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) mit Ost-Berlin als Hauptstadt. Diese Teilung führte schließlich zum Bau der Berliner Mauer.
Strategien der Opposition
- Politisch-militärisch: USA – NATO (1949); UdSSR – Warschauer Vertrag (1955).
- Wirtschaftlich: USA – OEEC (1948) → OECD (1961); UdSSR – Comecon.
Das System durchlief verschiedene Phasen, etwa die Berlin-Blockade (1948–1949). In den 1960er und 1970er Jahren trugen mehrere Faktoren dazu bei, dass die Bipolstruktur partiell aufgelockert wurde: bilaterale Treffen der Führer förderten Kommunikation und Vertrauensbildung, und Vereinbarungen minderten die unmittelbare Konfrontation. Zudem entstanden neue pole, die Einfluss auf die internationale Ordnung ausübten, darunter westliches Frankreich, das unter Charles de Gaulle bestrebt war, sich gegenüber den USA unabhängiger zu positionieren. Frankreich trat 1966 aus der integrierten NATO-Militärstruktur aus und förderte später Mechanismen zur Europäischen Politischen Zusammenarbeit, um die Außenpolitik der Gemeinschaft stärker zu harmonisieren.
In den 1960er Jahren kam es zu einer Annäherung Chinas an die internationale Bühne; die chinesisch-sowjetische Beziehung zerbrach, wodurch die UdSSR ihr ideologisches Monopol verlor. In den späten 1960er Jahren zeigten sich innerhalb des sowjetischen Einflussbereichs Spannungen, die sich im Prager Frühling 1968 manifestierten, welchen die Sowjetunion niederschlug und damit auch eigene Schwächen offenbarte.
KSZE und Perestroika
1975 kam es zur Schaffung eines Netzwerks von Beziehungen zwischen den Rändern der beiden Supermächte: die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki. Die KSZE war von großer Bedeutung, weil europäische Länder über die Blockgrenzen hinweg Gespräche führten. In den 1980er Jahren führte Michail Gorbatschow mit seinen Reformen (Perestroika, Glasnost) das Ende der Konfrontationslogik des Kalten Krieges herbei. Gorbatschow erkannte, dass das Wettrüsten wirtschaftlich nicht mehr tragbar war, und setzte zwei Hauptideen um:
- Abbau der ideologischen Konfrontation – das Ende der starren ideologischen Auseinandersetzung zwischen Marxismus und Kapitalismus;
- Anpassung an die Realität – die Planwirtschaft war in vielen Bereichen nicht tragfähig, weshalb Reformen und Marktmechanismen eingeführt werden mussten.
Dieser gesamte Prozess kulminierte in der Zerstörung der Berliner Mauer im Jahr 1989.
Zentrale‑Periphere Fraktur (kolonisierende vs. kolonialisierte Staaten)
Die Trennung zwischen Zentrum und Peripherie ist historisch und geht auf die Kolonialisierung und die Entdeckung Amerikas im 16. Jahrhundert zurück. Die Länder der Mitte (Kernstaaten) bilden dominante kapitalistische Volkswirtschaften; die peripheren Länder sind oft politisch und wirtschaftlich schwächere Staaten, die in einem asymmetrischen Beziehungsrahmen zu den Zentralstaaten stehen. Dazwischen existieren Semiperipherie-Staaten, die sich potenziell in Richtung Zentrum entwickeln können.
Heutzutage werden das Zentrum oft mit OECD-Ländern gleichgesetzt, während die Peripherie vielfältiger ist. Man kann grob drei Kategorien in der Peripherie unterscheiden:
- Schwellenländer (Beispiele: Südkorea) mit wachsender industrieller Bedeutung.
- OPEC-Ölexportländer, die aufgrund ihrer Energieressourcen geopolitische Bedeutung haben.
- „Vierte Welt“: sehr arme Länder, die auf internationale Hilfe angewiesen sind.
Chronologie der Peripherie
Nach dem Kalten Krieg begannen viele kleinere Staaten, sich unabhängiger von den Großmächten zu positionieren. Ein wichtiges Beispiel ist die Bandung-Konferenz (1955, Insel Java, Indonesien): 29 afro-asiatische Länder wollten sich nicht einer der beiden Seiten anschließen. Führende Länder waren Ägypten, Indien und Indonesien. Aus dieser Bewegung entwickelte sich später die Bewegung der Blockfreien Staaten, die heute über 120 Mitglieder zählt. Die festgelegten Prinzipien, vor allem die Prinzipien der friedlichen Koexistenz, stellten eine Ablehnung der bipolaren Logik dar und führten zu neuen Handlungsmustern in der Peripherie. Mit der Zeit verwischten die klaren Frakturen Ost‑West sowie Zentrum‑Peripherie, und es entstand eine komplexere Situation mit weiterer Fragmentierung und neuen Herausforderungen durch die Globalisierung.
Internationale Gesellschaft nach dem Kalten Krieg (1989–2005)
Der Übergang zwischen alter und neuer internationaler Ordnung
Das zentrale Ereignis, das die internationale Struktur veränderte, war der Fall der Berliner Mauer (1989). Damit ging die Welt von einer strikt bipolaren Ordnung zu einer Phase über, in der die USA politisch-militärisch eine dominierende Stellung einnahmen (unipolare Tendenz), während die Wirtschaftsordnung zunehmend multipolarer wurde (USA, EU, Japan). Die Sowjetunion zerfiel in 15 unabhängige Staaten. Die europäische Integration setzte sich fort und neue Staaten wurden in die europäische Struktur eingebunden. Es gab Kontinuitäten, aber auch neue Rhythmen in der internationalen Nachkriegsordnung. Einige Konflikte aus der Zeit des Kalten Krieges blieben weiter virulent, z. B. der israelisch-palästinensische Konflikt und der Kaschmirkonflikt.
Der Zerfall Jugoslawiens
Der Zerfallsprozess Jugoslawiens ist ein markantes Beispiel für die Folgen nationalistischer Spannungen in einem künstlich geschaffenen Staat. Jugoslawien wurde 1945 unter Marschall Tito gegründet und bestand bis zu dessen Tod 1980. Das Land war eine komplexe Konstruktion verschiedener ethnischer Gemeinschaften: Serben (orthodox), Kroaten (katholisch) und Bosniaken (muslimisch). Nach Titos Tod kam es zu einem Übergangsprozess, der in den 1990er Jahren die Balkankriege auslöste. Jugoslawien zerfiel in mehrere Republiken; die Situation blieb zwar in Teilen ruhig, war aber durch militärische Präsenz und Spannungen belastet.
Das Erbe des 20. Jahrhunderts: Globalisierung und Konflikte
Globalisierung: Ihre historischen Wurzeln reichen weit zurück (u. a. Prozesse seit dem 18. Jahrhundert), doch sie wurde besonders in den späten 1980er Jahren mit dem Ende des Kalten Krieges intensiviert. Die Globalisierung bringt tiefgreifende wirtschaftliche, politische und kulturelle Verflechtungen.
Globalisierung und Konflikte: Die negativen Folgen der Globalisierung sind unter anderem eine größere Kluft zwischen Reich und Arm und persistente Konflikte, die teilweise aus den Konfrontationen des Kalten Krieges und den strukturellen Ungleichheiten des internationalen Systems resultieren.
Schaffung eines Netzes von Beziehungen am Rande der Supermächte (1975)
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (Helsinki): Die KSZE hatte große Bedeutung, weil europäische Länder über die Blockgrenzen hinweg zusammenkamen. Perestroika: brachte das Ende der Kalter-Kriegs-Situation näher. Gorbatschow war der letzte Präsident der UdSSR; er erkannte, dass das Wettrüsten nicht mehr fortgeführt werden konnte und öffnete die bipolare Ordnung von innen heraus. Das Bewusstsein über die Grenzen des Landes innerhalb der bipolaren Logik führte zu neuem Denken in internationalen Angelegenheiten, das auf zwei Hauptideen fußte:
- Direkter Angriff auf die Ost‑West‑Spaltung – Vorschlag zur Beendigung der ideologischen Fehde zwischen Marxismus und Kapitalismus.
- Akzeptanz der Realität – Die Planwirtschaft zeigte erhebliche Probleme; deshalb waren Reformen und Schritte zu marktwirtschaftlichen Elementen erforderlich.
Dieser Prozess endete mit dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989.
Zentrale‑Periphere Fraktur (erneute Darstellung)
Auch heute ist die Zentrum‑Peripherie‑Differenz noch relevant, wenngleich sie sich verändert hat, weil sich periphere Staaten zunehmend selbst organisieren. Diese Fraktur hat ihre Wurzeln im 16. Jahrhundert mit Kolonialisierung und Entdeckung Amerikas. Kernländer formten dominante Zentren; periphere kapitalistische Volkswirtschaften blieben häufig politisch und wirtschaftlich schwach und in asymmetrischen Abhängigkeitsverhältnissen zu den Zentren. Es gibt auch Semiperipherie-Länder, die sich potentiell in Richtung Zentrum entwickeln können.
Die zeitgenössische Einteilung betrachtet häufig die OECD-Länder als Zentrum; alles andere fällt oft in die Kategorie Peripherie. Man kann die Peripherie in drei Typen unterteilen:
- Schwellenländer (z. B. Südkorea).
- OPEC-Ölexportländer.
- „Vierte Welt“: Länder, die auf internationale Hilfe angewiesen sind.
Chronologie der Peripherie (erneute Darstellung)
Nach dem Kalten Krieg organisierten sich viele periphere Staaten neu, um Einfluss zu gewinnen und ihre Unabhängigkeit gegenüber den Großmächten zu sichern. Die Bandung-Konferenz (1955) in Java war ein Schlüsselmoment: 29 afro-asiatische Länder wollten sich keiner Seite anschließen; wichtige Leiter waren Ägypten, Indien und Indonesien. Aus dieser Entwicklung entstand die Bewegung der Blockfreien Staaten mit heute über 120 Mitgliedern. Die Prinzipien der friedlichen Koexistenz waren eine bewusste Ablehnung der bipolaren Logik und führten zu neuen Handlungsmustern.
Die Frakturen Ost‑West und Zentrum‑Peripherie, die im Kalten Krieg eine zentrale Rolle spielten, wurden im Lauf der Zeit verwischt. Das resultierende System ist komplexer, geprägt von Fragmentierung, Diversifizierung der Peripherie und neuen Herausforderungen durch die Globalisierung.
Internationale Gesellschaft nach dem Kalten Krieg (1989–2005) — erneut
Das bedeutendste Ereignis zur Änderung der internationalen Struktur war der Fall der Berliner Mauer. Der Übergang von bipolar zu unipolar (politisch und militärisch, mit dominanter Rolle der USA) sowie die Entwicklung zu einer multipolaren Wirtschaftsordnung (USA, EU, Japan) prägten die Nachkriegsordnung. Die Sowjetunion zerfiel in 15 Staaten. Die europäische Integration wurde fortgesetzt und neue Staaten wurden einbezogen. Es bestehen Kontinuitäten in internationalen Konflikten, die ihren Ursprung im Kalten Krieg haben und weiterhin relevant sind, etwa der israelisch-palästinensische Konflikt und die Auseinandersetzungen in Kaschmir.
Der Prozess des Zerfalls von Jugoslawien (erneut)
Jugoslawien wurde 1945 unter Tito geschaffen und bestand bis zu seinem Tod 1980. Die künstliche Zusammensetzung aus verschiedenen ethnischen Gemeinschaften (Serben, Kroaten, Bosniaken) führte nach Titos Tod zu einem Übergangsprozess, der in den 1990er Jahren die Balkankriege auslöste. Die ehemalige Föderation zerfiel in mehrere Republiken; die Lage blieb angespannt, auch wenn in einigen Regionen Ruhe herrschte.
Das Erbe des 20. Jahrhunderts: Globalisierung und Konflikte (erneut)
Globalisierung: Ihre Entwicklung reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück und gewann in den späten 1980er Jahren, mit dem Ende des Kalten Krieges, besondere Dynamik. Nachteile sind unter anderem die Vertiefung der Kluft zwischen Arm und Reich sowie das Fortbestehen zahlreicher Konflikte, die historisch bedingt sind.