Internationaler Handel und Industrielle Revolution (1700–1914)
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Internationaler Handel
Industrielle Wirtschaft
Doch hätte die industrielle Revolution nicht ohne die Unterstützung und Entwicklung des Verkehrs bestanden, der die in Fabriken produzierten Waren zu den Märkten brachte, in denen sie verbraucht wurden.
Diese neuen Verkehrsmittel waren nicht nur im Binnenhandel, sondern auch im internationalen Handel erforderlich, da in dieser Zeit große nationale und internationale Märkte entstanden. Der internationale Handel wurde liberalisiert, vor allem nach dem Vertrag von Utrecht (1713), der die Handelsbeziehungen Englands mit anderen europäischen Ländern und mit Spanisch-Amerika öffnete. Dadurch endeten privilegierte Gesellschaften und wirtschaftlicher Protektionismus; es setzte sich eine imperialistische Politik durch und die Abschaffung gewerblicher Privilegien wurde gefordert. Darüber hinaus wurden kirchliche, staatliche und kommunale Güter verkauft, um neues Land auf den Markt zu bringen und ein neues Konzept der Eigenverantwortung zu schaffen. Die industrielle Revolution führte auch zu einer Vergrößerung der ausländischen Märkte und zu einer neuen internationale Arbeitsteilung (DIT). Neue Märkte entstanden durch billigere maschinell hergestellte Produkte, durch neue Transportsysteme und offene Kommunikationskanäle sowie durch Expansionspolitik.
Das Vereinigte Königreich war als erstes Land führend und vollzog eine Reihe von Transformationen, die es an die Spitze der Welt führten. Veränderungen in Landwirtschaft, Bevölkerung, Verkehr, Technologie und Industrie begünstigten die industrielle Entwicklung. Die Baumwoll-Textilindustrie war der Branchenführer der Industrialisierung und der Kapitalbildung; in einer zweiten Phase folgten der Stahl- und der Eisenbahnsektor.
Mitte des 18. Jahrhunderts verfügte die britische Industrie über eine starke Basis und eine doppelte Ausweitung: Investitionsgüterindustrie und Konsumgüterindustrie. Das Wachstum von Kohle- und Stahlproduktion für den Eisenbahnbau verstärkte diese Entwicklung. So wurde Großbritannien zu einer voll entwickelten kapitalistischen Wirtschaft, was seine industrielle Vormachtstellung bis etwa 1870 erklärte; dies galt ebenso für seine Finanz- und Handelspolitik von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg (1914). In übrigen Teilen Europas und in Regionen wie Nordamerika oder Japan setzte die Industrialisierung viel später ein und folgte einem anderen Muster als in Großbritannien.
Einige Länder durchliefen die Industrialisierung zwischen 1850 und 1914: Frankreich, Deutschland und Belgien. 1850 gab es in Kontinentaleuropa kaum moderne Fabriken; nur Belgien befand sich in einem Prozess ähnlich der Revolution in Großbritannien. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte die Industrialisierung in Deutschland vor allem in den Regionen Thüringen und Sachsen ein.
Andere Länder folgten einem anderen Modell und industrialisierten sich sehr spät: Italien, Österreich-Ungarn, Spanien oder Russland. Die Industrialisierung begann in diesen Ländern nur zaghaft in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und setzte sich noch lange nach 1914 fort.