Interpretationen von Franz Kafkas Die Verwandlung
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Interpretationen von Franz Kafkas „Die Verwandlung“
Die offensichtlichsten Deutungen betreffen die Behandlung des Einzelnen durch eine autoritäre und bürokratische Gesellschaft. In dieser werden Themen wie Isolation, missverstandene Identität, Einsamkeit, zerbrochene Beziehungen und die verzweifelten, unrealistischen Hoffnungen, die diese Isolation hervorbringt, thematisiert.
Die Geschichte, die zugleich absurd, grausam, rührend und humorvoll ist, fungiert als eine Allegorie der verschiedenen Haltungen, die der Mensch gegenüber schweren und irreversiblen Krankheiten einnimmt.
Identität und Egoismus
Eine anerkannte Interpretation betrifft die gespaltene Identität Kafkas. Eine weitere Deutung besagt, dass das Werk den menschlichen Egoismus im Hinblick auf das Wohlergehen anderer verkörpert.
Es wird zudem angeführt, dass Die Verwandlung eine Form von Kafkas Autobiografie darstellt, welche seine Stimmung und Gefühle durch einen übertriebenen physischen Sinn zum Ausdruck bringt.
Die Poetik des Absurden
Kafkas Poetik besteht darin, das Absurde kohärent zu machen und in die Ursachen des Irrationalen einzutauchen. Gregor Samsa wird zu einem Käfer, weil sein Leben bereits darauf hindeutete. Diese Entwürdigung der Menschheit – die Darstellung der Entmenschlichung – wird als „Insektisierung“ bezeichnet. Die Erzählung verdeutlicht, dass es unter den gegebenen Lebensbedingungen des Protagonisten nur logisch war, sich in ein Ungeziefer zu verwandeln.
Mögliche Interpretationsansätze
- a) Die Umwandlung als Akt der Rebellion: Ein Akt des Widerstands oder der Missachtung gegenüber der Gesellschaft und dem Markt im Allgemeinen. Bewusst oder unbewusst weigert er sich, aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Man kann argumentieren, dass er den Alarm nicht hört, weil sein Gehörsinn bereits der eines Insekts geworden ist.
- b) Materialisierung der Entfremdung: Die Metamorphose zum Insekt kann als Materialisierung der menschlichen Entfremdung gesehen werden. Der Mensch hat seine Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt verloren; er fühlt sich fremd und unverstanden in einer feindlichen und unbegreiflichen Umwelt.
- c) Inszenierung des „Außenseiters“: Kafka könnte in diesem Ausdruck seines Charakters wörtlich genommen werden. Er verwandelt sich in ein Insekt, weil er zwar ein Mensch nach Standardmaß war, aber dennoch „anders“ und einzigartig. Für diese Eigenschaft lässt ihn die Gesellschaft teuer bezahlen: mit der Verurteilung zur Einsamkeit.
- d) Exemplifikation der menschlichen Bedeutungslosigkeit: Der Durchschnittsmensch ist einsam, hilflos und klein, ausgeliefert an die Gnade der Mächtigen. Auf das Ungeziefer kann eingetreten werden, oder man kann es ohne Gewissensbisse töten, ohne den Tadel der restlichen Gesellschaft zu spüren; dies verdeutlicht auch den Minderwertigkeitskomplex Kafkas gegenüber seinem Vater.