Islamisches Recht in Al-Andalus: Säulen, Koran & Dschihad
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Das Islamische Recht in Al-Andalus (711–1492)
Nach der Eroberung im Jahr 711 wurde Spanien (Al-Andalus) von Muslimen dominiert. In diesem Gebiet fand das islamische Recht Anwendung, das eng mit der Religion und den grundlegenden Säulen der muslimischen Zivilisation verbunden ist.
Die Fünf Säulen der Islamischen Zivilisation
Die muslimische Zivilisation basiert auf folgenden Säulen:
Der Glaube (Schahāda)
Dies ist das erste und wichtigste muslimische Dogma: eine monotheistische Religion mit einem einzigen Gott, Allah. Muhammad ist sein Prophet. Muhammad vervollständigt die Aufgabe früherer Propheten wie Moses und Jesus und etabliert eine Reihe von religiösen, politischen, militärischen und steuerlichen Regeln, die teilweise im Koran enthalten sind.
Das Gebet (Salāt)
Das Gebet wurde aus der jüdischen Welt übernommen. Es wird empfohlen, fünfmal täglich in Richtung Mekka zu beten. Ursprünglich bat Allah Muhammad, 50 Mal am Tag zu beten. Das Mittagsgebet war das letzte, das verkündet wurde. Obligatorisch ist jedoch nur das Freitagsgebet am Mittag, das in der Regel in den Moscheen vom Staatsoberhaupt geleitet wird.
Die Almosen (Zakāt)
Die Almosenpflicht (Zakāt) war ursprünglich freiwillig, wurde aber später obligatorisch. Sie beträgt etwa 2 % des Familieneinkommens, konnte aber in manchen Fällen bis zu 40 % steigen. Die Almosen wurden von Beamten gesammelt und dann unter den Armen, Moscheen und für Staatsausgaben verteilt. Die Stiftung hat ihren Ursprung im Zehnten der Juden und der christlichen Nächstenliebe.
Das Fasten (Sawm)
In der muslimischen Welt bedeutet dies, während des Monats Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu trinken oder zu essen. Das Fasten erinnert an die Flucht (Hidschra), die Muhammad unternahm, und richtet sich nach dem Mondkalender. Auch diese Praxis wurde aus der hebräischen und christlichen Welt übernommen.
Die Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch)
Die Pilgerfahrt muss einmal im Leben vollständig durchgeführt werden (ursprünglich einmal im Jahr). Pilger, die sich auf dem Weg nach Mekka befinden, dürfen nicht jagen, keine Pflanzen ausreißen und keinen Geschlechtsverkehr haben.
Das Ritual der Kaaba
Einmal in Mekka angekommen, werden sieben Umrundungen des heiligen Steins der Kaaba vollzogen. Schon bei den Naturvölkern vor dem Islam hatte dieser Ort einen heiligen Charakter; es gab sieben Runden um den Stein und sieben Runden um die umliegenden Hügel.
Der Heilige Krieg (Dschihad)
Der Heilige Krieg war ursprünglich kein Bestandteil der koranischen Prinzipien, erhielt aber aus verschiedenen Gründen einen sakralen Charakter.
Die Bedeutung des Märtyrertums
Wer im Heiligen Krieg zur Verteidigung des Islam stirbt, muss nicht begraben werden, erhält keine Gebete und kann direkt in den Himmel gelangen, da er im Dienste des Islam gestorben ist. Das Ziel war es, größere Wildheit im Kampf zu fördern.
Interpretationen des Dschihad
Der Heilige Krieg hat mehrere Interpretationen:
- Religiöse Interpretation: Die Verbreitung des islamischen Glaubens.
- Wirtschaftliche und politische Interpretation: Französische Geschichtsschreibung (teilweise marxistisch) sieht die Gründe für den Heiligen Krieg in wirtschaftlichen Faktoren: 1. Der Übergang von der Wüste zu fruchtbarem Land. 2. Raub, Plünderung oder rein politische Expansion.
Der Heilige Krieg führte die Muslime zur Eroberung Spaniens, fast der gesamten Halbinsel, bis ihr Vormarsch 732 von Karl Martell bei Poitiers gestoppt wurde.
Die Rechtsdogmatik: Der Koran
Die Rechtsdogmatik basiert auf dem Koran. Der Koran enthält die Worte, die Muhammad im Namen Allahs durch den Erzengel Gabriel rezitierte und die von seinen Zuhörern niedergeschrieben wurden.
Sammlung und Bedeutung des Korans
Diese Niederschriften wurden nach Muhammads Tod gesammelt und erhielten offiziellen Status. Der Koran gilt als der vollkommenste Text der arabischen Sprache, umfasst etwa 80.000 Wörter und ist flächenmäßig etwas kleiner als das Neue Testament.
Er ist in Kapitel unterteilt, die Suren genannt werden, welche wiederum in Verse (Ayat) gegliedert sind. Der Koran hat einen zentralen Rechtsinhalt, da seine Regeln für das gesamte Verhalten eines Muslims gelten. Er ist zwar nicht die einzige Quelle, aber die erste und wichtigste Grundlage des gesamten islamischen Rechts (einschließlich des öffentlichen, privaten und Strafrechts).
Die Rechtsdogmatik: Die Sunna
Neben dem Koran existiert die Sunna, die aus drei Elementen besteht und die Umsetzung der Lehren Muhammads darstellt:
- Was der Prophet sprach und nicht im Koran enthalten ist.
- Was Muhammad tat und zweifellos als Vorbild dient.
- Was er stillschweigend billigte: Fakten und Praktiken, über die er urteilte, wobei sein Schweigen eine stillschweigende Zustimmung bedeutete.