Jacint Verdaguer und die Katalanische Renaixença
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Die Jocs Florals und die Renaixença
Sowohl Antoni Bofarull als auch Víctor Balaguer spielten eine entscheidende Rolle bei der Etablierung der Jocs Florals (Blumenspiele) als öffentliche Plattform für die katalanische Literatur. Sie sahen eine Verbindung zwischen der literarischen und der volkstümlichen Tradition. Die Spiele wurden zu einer wichtigen Plattform, um der katalanischen Literatur Anerkennung zu verschaffen. Persönlichkeiten wie Àngel Guimerà oder Jacint Verdaguer (der 1877 Auszeichnungen erhielt) prägten das Bild dieses Poesiefestivals, das auch andere literarische Gattungen einschloss. Die Jocs Florals spielten eine grundlegende Rolle in der Renaixença (katalanische Renaissance).
Jacint Verdaguer: Herkunft und Anfänge
Jacint Verdaguer wurde 1845 in Folgueroles (Vic) in einfachen Verhältnissen geboren. In seiner Jugend war er ein Dichterlehrling, der auf dem Lande der Romantik und der Renaixença nahestand. Er verband den Geist der Renaixença mit dem Wunsch, die katalanische Identität zu bewahren. Er war ein Schriftsteller, der sich seiner Berufung bewusst war. Miquel Milà i Fontanals und Marià Aguiló erkannten sein Potenzial und förderten ihn. Er schöpfte aus dem sprachlichen Reichtum, der in den ländlichen Dörfern bewahrt wurde, und bekräftigte gleichzeitig die Tradition der Märchen und der Volkspoesie, die er in sein Werk einfließen ließ. Er zog die Volkspoesie den gelehrten literarischen Vorbildern vor, die er im Priesterseminar kennengelernt hatte. 1870 wurde er zum Priester geweiht. Sein Leben musste er mit seiner kirchlichen Berufung in Einklang bringen. Während sein Name bei den Jocs Florals bekannter wurde, zeigten sich erste Symptome einer Krankheit (Tuberkulose). 1874 begab er sich zur medizinischen Behandlung als Schiffskaplan auf ein Transatlantikschiff, das die Route Antillen-Kuba-Puerto Rico befuhr. Auf diesem Schiff entstand 1876 sein Werk L'Atlàntida.
Literarischer und sozialer Erfolg
Verdaguers Erfolg basiert auf dem Epos über den berühmten verlorenen Kontinent. Die Alexandrinerverse nehmen durchgehend einen erzählerischen Ton an und sind reich an beschreibenden Details. Als er 1877 eine besondere Auszeichnung bei den Jocs Florals erhielt, konnte sich Verdaguer fast ausschließlich auf seine Arbeit als Schriftsteller konzentrieren. In dieser Zeit unternahm er zahlreiche Reisen (Europa, Nordafrika, Palästina) und hielt seine Eindrücke in Prosa fest. Besonders in diesen Jahren widmete er sich mit großem Interesse seiner religiösen Dichtung, um die kämpferische Haltung der katholischen Kirche zu unterstützen. Diese Art der Dichtung verlor nie ihren volksnahen Sprachcharakter und war für alle sozialen Schichten zugänglich.
Das Epos „Canigó“
Für dieses Epos betrieb Verdaguer umfangreiche Recherchen: Er durchquerte die Pyrenäen und informierte sich über Geografie, Geschichte, Folklore und Legenden, um ein Werk zu schaffen, das L'Atlàntida an Vielfalt der Möglichkeiten und Situationen übertrifft und ein poetisches Meisterwerk der katalanischen Literatur darstellt. Die 12 Gesänge und der Epilog der zwei Glockentürme führen eine Vielzahl von Registern ein, die sich dem Ziel des jeweiligen Abschnitts anpassen. Wir finden den erzählerischen Rhythmus des Heldenlieds und der Romanze, das Volkslied, fast theatralische Dialoge oder die Feierlichkeit der Ode und der Elegie. Der Untertitel „Legende aus der Zeit der Reconquista in den Pyrenäen“ schließt mit einem Konzept, das Folgendes erklärt:
- Den Triumph der christlichen Religion über die Fantasiewelt der Feen.
- Die allegorische Vermittlung der Gründung Kataloniens zur Zeit der Renaixença unter dem Christentum.
Dieser Erfolg wird im Epilog verglichen: „Die zwei Glockentürme“ präsentiert einen Dialog zwischen den Ruinen der beiden Kirchtürme von Sant Martí del Canigó und Sant Miquel de Cuixà.
Das mittelalterliche Volkstheater
Während des gesamten Mittelalters erkannte die Kirche das bildende Potenzial des Theaters und begann, ausgehend von religiösen Ritualen, schrittweise dramatische Elemente einzuführen. Die Texte waren einfach und direkt, um die religiöse Botschaft zu vermitteln. Ziel war es, das Volk zu beeindrucken. Diese Aufführungen werden als Mysterienspiele bezeichnet und behandeln Themen aus der Geschichte des Christentums. Highlights sind:
- Die Passionen (bekannt sind die in Esparreguera und Olesa de Montserrat).
- Die Hirtenspiele (werden typischerweise zur Weihnachtszeit in den katalanischen Ländern aufgeführt).
- Das berühmte Mysterium von Elche und die Patum de Berga.
Krise und Konfrontation
1888 veröffentlichte er Pàtria (eine Gedichtsammlung, die die katalanische Geschichte und Landschaft darstellt) und das Tagebuch eines Pilgers ins Heilige Land (in ausgezeichneter Prosa). Diese Werke zeigen seine Begeisterung und den Wunsch, sein Leben nach dem Besuch der Stätten Jesu neu auszurichten. Diese Erfahrung führte ihn dazu, sich der Reinigung durch Exorzismen zu widmen. Bald bekam er Probleme mit dem Marquis de Comillas und den kirchlichen Autoritäten. Er wurde aus Barcelona ausgewiesen und auf das Heiligtum von La Gleva beschränkt. Später zog er gegen den Befehl seiner Vorgesetzten nach Barcelona. Ihm wurden die Priesterlizenzen entzogen, woraufhin er seine persönliche Rechtfertigung durch Gedichte und Presseartikel suchte, die er unter dem Titel „In Notwehr“ veröffentlichte.