Jacint Verdaguer und die Katalanische Renaixença: Institutionen und Werke
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Institutionen der Katalanischen Renaixença
Mehrere Institutionen trugen maßgeblich zur Konsolidierung der Renaixença-Bewegung bei:
Die Universität (z.B. Vic oder Barcelona)
Universitäten zogen fähige Lehrer an und prägten Generationen, die später das Land führten und gestalteten.
Die Akademie der Belles Lettres in Barcelona
Diese Akademie förderte Kunst und Kultur. Sie organisierte Konferenzen und Debatten und wurde als drittwichtigste Institution nach Athen und Rom angesehen.
Die Jocs Florals (Blumenspiele)
Die Jocs Florals waren ein entscheidender Impulsgeber für die Bewegung.
Die Jocs Florals (Blumenspiele) von 1859
Die Jocs Florals wurden 1859 mit dem Ziel wiederbelebt, das Ansehen der katalanischen Sprache in der Gesellschaft zu stärken und zu verbreiten. Sie dienten dazu, neue Autoren zu fördern, eine wichtige Institution wiederherzustellen und eine Publikationsplattform für die Gewinner zu schaffen, wodurch der Geist der Renaixença verbreitet wurde.
Motto und Auszeichnungen
Dieses jährliche Festival stand unter dem mittelalterlichen Motto: „Patria, Fides, Amor“ (Heimat, Glaube, Liebe). Dies waren die Themen, zu denen die Kandidaten Gedichte einreichen mussten.
Es gab drei reguläre Hauptpreise:
- Die Goldene Rose (Flor Natural)
- Die Goldene Viola
- Die Silberne Blume
Ein Dichter, der dreimal einen regulären Preis gewann, wurde zum Mestre en Gai Saber (Meister des fröhlichen Wissens) ernannt. Zusätzlich gab es Sonderpreise.
Jacint Verdaguer: Der größte Dichter der Renaixença
Jacint Verdaguer gilt als der bedeutendste katalanische Dichter des 19. Jahrhunderts und als berühmtester Vertreter der Renaixença. Er verhalf der katalanischen Sprache zu neuem Ansehen und verarbeitete seine Biografie oft in seinem Werk.
Frühes Leben und Ausbildung
- Geboren in Folgueroles als Sohn von Landwirten.
- Mit 10 Jahren trat er in das Seminar in Vic ein und schloss seine kirchliche Laufbahn ab.
- In dieser Zeit etablierte er sich als großer Schriftsteller und Versdichter.
- Eine wichtige Freundschaft verband ihn mit Jaume Collell, einem Geistlichen aus Vic, der die Jocs Florals organisierte und Verdaguer in das literarische und kulturelle Zentrum von Vic einführte.
Literarische Anfänge und Durchbruch
Seine erste Teilnahme an den Jocs Florals (1865) brachte ihm zwei Auszeichnungen ein. 1868 reichte er das Gedicht „Spanien im Entstehen“ ein, das den Untergang von Atlantis thematisierte, aber keinen Preis gewann. 1871 schloss Verdaguer seine Ausbildung ab und erhielt eine Pfarrstelle in Vinyoles d’Orís. Dort litt er unter schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen und hatte wenig Zeit für seine literarische Arbeit.
Aufgrund einer diagnostizierten Hirnanämie wurde ihm geraten, ans Meer zu gehen. Freunde verschafften ihm eine Anstellung bei einer transatlantischen Gesellschaft des Marquis de Comillas. Dort überarbeitete er sein Gedicht „Spanien im Entstehen“ zu „L’Atlàntida“ und gewann damit 1877 den Hauptpreis der Jocs Florals.
Kaplan des Marquis und Kontroversen
Nachdem ein Kind des Marquis de Comillas gestorben war, erhielt Verdaguer die Stelle des Kaplans. Er reiste viel und lebte 19 Jahre lang im Palast des Marquis. Während dieser Zeit unternahm er eine prägende Reise ins Heilige Land.
Später geriet er in eine Phase der Isolation und des übermäßigen Eifers, in der er im Palast Exorzismus-Prozesse durchführte und um Geld bat. Dies führte zu Spannungen. Als der Marquis starb, klagten ihn Freunde an, er sei verrückt geworden. 1893 wurde er von seinem Amt in der Wallfahrtskirche Gleva entbunden. Er wurde als Außenseiter betrachtet und verbrachte zwei Jahre in Isolation. Schließlich floh er nach Barcelona und suchte Zuflucht in Gleva, wo er begann, Artikel zur „Selbstverteidigung“ zu veröffentlichen.
Jacint Verdaguer starb 1902 in Vallvidrera, umgeben von öffentlicher Anerkennung.
Verdaguers Werk: Themen und Stil
Verdaguers Werk kreist um zwei Hauptthemen: Glaube und Heimat (Patria). Man kann sein Schaffen in zwei Gruppen unterteilen: die erzählende Dichtung (fokussiert auf patriotische Themen) und die Lyrik (fokussiert auf Glaubensfragen).
L’Atlàntida (Atlantis)
- Entstehung: Begonnen 1868 (ursprünglich als „Spanien im Entstehen“), fertiggestellt 1877, als er den Preis gewann.
- Inhalt: Das Werk beginnt mit einer Einführung, in der zwei Schiffe in einem Sturm kämpfen. Nur ein Genuese wird gerettet und trifft auf einen Einsiedler. Nach der Einführung folgen 10 Gesänge, in denen der Einsiedler die Geschichte des untergegangenen Kontinents Atlantis erzählt.
- Epilog: Das Buch endet mit einem Epilog, in dem Kolumbus (der Genuese) angedeutet wird, der ebenfalls einen Kontinent entdecken wird.
- Bedeutung: L’Atlàntida war eines der letzten großen Epen, die geschrieben wurden. Es zeichnet sich durch eine große Handlung und eine Konzentration auf Naturbeschreibungen aus, die oft magisch wirken. Die Beschreibungen überzeugen durch ihre Schönheit, die Fantasie des Autors und eine musikalische Verskunst, die dem Gedicht einen großen Klang verleiht.
Canigó
Verdaguer, ein Wanderer und Patriot, wollte mit diesem Werk die katalanische Identität ehren, indem er die Krone und das Kreuz auf dem Gipfel des Berges Canigó pflanzte und die Flucht in Richtung Jesus thematisierte. Das Werk vermischt legendäre und reale Elemente.
- Struktur: Besteht aus 12 Gesängen und einem Epilog, der die Klage zweier Klöster enthält, die einst blühten und nun verlassen sind (bekannt als die Elegie „Die zwei Türme“).
- Setting: Die Handlung spielt im 12. Jahrhundert.
- Themen: Das Werk ist geografisch, chronologisch und thematisch positiver und lokaler als L’Atlàntida. Die Verse weisen eine große Musikalität auf. Die drei Hauptthemen sind: Katalanische Identität, Religion und Natur.
- Handlung: Die Erzählung folgt drei Strängen: die Liebe des Ritters Gentil zur Schäferin Griselda, die Eroberungskriege der katalanischen Grafen gegen muslimische Invasoren und die Aktivitäten der religiösen Klöster.
Sprache und Stil Verdaguers
Verdaguer schuf ein Modell für eine ausgewogene und kohärente literarische Sprache, indem er klassische und moderne Elemente vereinte.
Sein Stil zeichnet sich durch destillierte Emotion und Vielseitigkeit aus, die sich je nach Thema anpasst:
- In Oden und Epen: Er verwendet eine erhabene und rhetorische Sprache.
- In populären Formen: Er nutzt einfache poetische Formen, einen klaren Rhythmus und die emotionale, sensible und bescheidene Beschwörung der Kindheit und Landschaft.
Er zeigte eine große Beherrschung der Metrik.