Joan Fuster & J.F. Mira: Identität und Politik in Valencia

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Die Auswirkungen der Studien von Joan Fuster im Kontext

Joan Fuster (1922–1992, aus Sueca) ist eine zentrale Gestalt der katalanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Er war ein Intellektueller, der sich den Belangen der Benachteiligten und dem Streben nach einer valencianischen Identität verpflichtet fühlte, die eng mit allen Gebieten des katalanischen Sprachraums verbunden ist. Sein Engagement spiegelt sich in seinem riesigen Werk wider; er verfasste zahlreiche humanistische, soziokulturelle und historische Essays. Sein Stil ist frisch, entspannt, voller Formeln und umgangssprachlicher Wendungen. Sein Blick ist subtil, klug, ironisch und oft ätzend.

Herausforderungen und Widrigkeiten

Fusters Studien wurden in den frühen Jahren der Diktatur verfolgt, da sie aufgrund ihrer starken ideologischen Ausrichtung als gefährlich galten. Er musste viele Widrigkeiten überwinden: Zensur, Feindseligkeiten, fehlende Ressourcen, ein mangelndes kulturelles Umfeld, das Schweigen der Medien in Valencia und die Apathie der Bürgerbeteiligung.

Bedeutende humanistische Werke

Unter den Werken humanistischen Charakters von Fuster sind besonders bemerkenswert:

  • Die Diskreditierung der Wirklichkeit (1955): Eine Reflexion über die Funktion der Kunst und die schöpferische Fähigkeit des Menschen.
  • Wörterbuch für Müßiggänger (1964).
  • Der Mensch als Maß aller Dinge (1967): Eine Auseinandersetzung mit der Krise des modernen Menschen und den verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen.

Soziopolitische Einflüsse und das nationale Bewusstsein

Seine soziopolitischen Texte gehören zu den umstrittensten und einflussreichsten Werken. Sie entstanden in einer Zeit, als sich das Ende des Regimes abzeichnete:

  • Frage der Namen (1962): Untersucht die Kontroverse um die Benennung der Sprache, welche das nationale Bewusstsein Valencias schwächt.
  • Wir Valencianer (1962): Ein Meisterwerk und eine tiefe Reflexion über Vergangenheit und Gegenwart Valencias. Hier analysiert er Schwächen und Frustrationen als Volk, wie den „Selbsthass“ (autoodi), die Engstirnigkeit und das Fehlen einer engagierten sozialen Kraft. Fuster (im Original fälschlich als „Carpenter“ übersetzt) betrachtet das nationale Bewusstsein für Valencia als unverzichtbar für den Aufbau der Zukunft.

Joan Francesc Mira und die zeitgenössische Realität

Joan Francesc Mira (im Original als „Gianfrancesco“ bezeichnet) reflektiert in seinen Essays über unsere zeitgenössische Wirklichkeit. Im Mittelpunkt dieser Überlegungen steht die generische Frage der Identität und all ihre Folgen, insbesondere ihr politischer Gebrauch. Zentrale Themen sind:

  • Der Nationalismus und das Verhältnis zwischen Kultur und Macht.
  • Die Schaffung und Entwicklung von Identitäten.
  • Symbole, welche die Bedeutung der Sprache prägen, um ein kollektives Bewusstsein zu „schaffen“.
  • Die Fähigkeit, diese Elemente zugunsten spezifischer Interessen zu manipulieren.

Viele dieser Überlegungen basieren auf Erfahrungen, die seinen Lesern durch eine zugängliche und suggestive Lektüre nahegebracht werden. Eine seiner großen Tugenden ist sein skeptischer Standpunkt gegenüber den Problemen, die Valencia und Katalonien eigen sind. Er zeigt auf, dass unsere nationale Bedingung sich nicht wesentlich von der anderer leidender Völker der Welt unterscheidet, selbst jener, die sich als „normal“ bezeichnen.

Kritik der reinen Nation

In Kritik der reinen Nation (1984) untersucht Mira die Sozialanthropologie des Nationalismus. Er dekonstruiert eine Reihe von Themen, um die Nation nicht als etwas „Reines, Sauberes und Widerspruchsfreies“ darzustellen, sondern als das, was sie wirklich ist: eine soziale Einrichtung, die menschlich ist und von Symbolen abhängt, die sich ständig im Aufbau befinden. Mit einer soliden Argumentation liefert er eine kritische Sicht auf die vermeintlich „neutralen“ Positionen vieler Theoretiker, die oft Anhänger des spanischen Nationalismus sind.

Die Nationalität der Valencianer

Über die Nationalität der Valencianer ist eine Reflexion über die komplizierte nationale Zugehörigkeit Valencias. Mira entscheidet sich für eine Form der „Valencianität“, die sich von der Abhängigkeit der spanischen intellektuellen Abstraktion löst und die katalanische Option einbezieht. Werke wie Kulturen, Sprachen, Völker und Stämme oder Über Götzen ergänzen seine Reflexion über Identität als zentrales Element der modernen Politik.

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