Johann Sebastian Bach: Biografie und musikalisches Erbe
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Johann Sebastian Bach: Leben und Werk
Eisenach: Geburtsort und familiäre Wurzeln
Die Familie Bach bestand aus mindestens vier Generationen von Musikern, deren Clans sich gegenseitig unterstützten. Johann Sebastian war der vierundzwanzigste Musiker, den diese Linie hervorbrachte. Die Landschaft, die den Komponisten prägte, war voller legendärer und historischer Reminiszenzen. Als er geboren wurde, waren die Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges noch nicht gänzlich zur Ruhe gekommen. Innerhalb der Familie galt sein Onkel Johann Christoph als der bedeutendste Komponist vor dem Erscheinen von Johann Sebastian. Er war der Erste, der sich in Eisenach niederließ, wo er als Organist diente und bis zu seinem Tode blieb. Von seinem Onkel erwarb Johann Sebastian große Kenntnisse über die Orgel, was erklärt, warum er später als einer der größten Gelehrten seiner Zeit galt.
Ohrdruf: Ausbildung und erste Schritte
Ohrdruf war der Ort, an dem er wirtschaftliche Knappheit und das Dasein als Waise erlebte. Er blieb bei einem seiner Brüder, was ihn an das Lyzeum führte, wo er Cicero studierte und Latein sprach. Auch die Musik war ein tägliches Pflichtfach. Bach besaß eine schöne Stimme und zögerte nicht, dem Chor beizutreten, um ein gewisses Einkommen zu erzielen und die Bemühungen seines älteren Bruders finanziell zu entlasten.
Lüneburg und der erste Aufenthalt in Weimar
In Lüneburg wurde Bach Teil des Chores, wobei er sich für die Schule St. Michael und den Mettenchor entschied. Wie Bach später bestätigte, war es eine unglückliche Entscheidung, sein Studium an der Universität Lüneburg nicht weiterzuverfolgen. Dies war ihm von seinem Onkel Johann Christoph eingeschärft worden, der zu dieser Zeit gerade verstorben war und seine vakante Stelle als Organist hinterlassen hatte. Bach stellte sich verschiedenen Prüfungen für offene Stellen und hatte schließlich Glück in Weimar. Die Stadt war ein Zentrum von enormem musikalischem Ansehen, besonders lebhaft dank der Leidenschaft des Herzogs für die Musik. So fand er mit achtzehn Jahren seine erste berufliche Stabilität. In den Archiven von Weimar finden sich zwei Zahlungen an den jungen Musiker namens "Lakai Bach". Dieser Begriff kann als „Kammerdiener“ oder „Sekretär“ übersetzt werden und verdeutlicht die Praxis an deutschen Höfen, Musiker oft mit bürokratischen Aufgaben zu betrauen.
Arnstadt: Die Entstehung früher Meisterwerke
Seine Amtszeit in Arnstadt war nicht nur durch Konflikte und eine sentimentale Beziehung gekennzeichnet, sondern auch durch die Schaffung außerordentlicher Werke von paradoxer Reife. Sein Weg zur Prüfung von Orgeln durch ein gewaltiges Spiel spiegelt sich zweifellos in seiner glänzenden Toccata und Fuge in d-Moll wider. In seinen eigenen Worten wollte er prüfen, ob das Instrument „gute Lungen“ habe. Ganz anders präsentiert sich hingegen sein Capriccio.
Pietismus und Rationalismus
Der Pietismus entstand innerhalb der lutherischen Kirche als Reaktion gegen die Vorherrschaft dogmatischer Elemente. Zur gleichen Zeit erschien mit dem Rationalismus eine diametral entgegengesetzte geistige Haltung. Natürlich kam es zu Zusammenstößen zwischen den Anhängern dieser unterschiedlichen religiösen und philosophischen Strömungen.
Zweiter Aufenthalt in Weimar
Der Herzog von Weimar (Johann Ernst II.) war ein überzeugter Lutheraner. Seit seiner tief religiösen Kindheit führte er ein starr und streng geregeltes Leben am Hof: Die Lichter der Burg wurden im Winter um acht Uhr und im Sommer um neun Uhr abends gelöscht. Zudem waren alle Mitarbeiter verpflichtet, die Gottesdienste zu besuchen, und wurden vom Herzog oft zu Details der Predigt befragt. Trotz dieser strengen, von frommem Geist diktierten Regeln, widmete sich der Herzog der Verbesserung von Institutionen. Er gründete eine musikalische Kapelle und ein Musiktheater. Bach gefiel es dort zunächst nicht besonders, weshalb er Weimar verließ, doch später erkannte er, dass diese neun Jahre die glücklichsten seines Lebens waren – sowohl hinsichtlich seines Ansehens als auch des Lohns. Dennoch nährten Differenzen mit dem Hof ein Gefühl der Unruhe, das ihn nach neuen Möglichkeiten Ausschau halten ließ.
Köthen und die Brandenburgischen Konzerte
Der Musiker verließ seine Ämter in Weimar, um die Stelle als Kapellmeister in Köthen anzunehmen, die mit einem höheren Gehalt verbunden war. Nach der Annahme der Arbeit am Hof von Köthen zog er mit seiner Frau und seinen Kindern dorthin. Die Sammlung der Brandenburgischen Konzerte orientiert sich formal am bekannten Concerto grosso, zeigt aber so viele Innovationen, dass sie Bachs ständige Suche nach Bereicherung und frischem Wind markiert. Er erweiterte den Plan, der durch Corellis orchestrale Concerti grossi geprägt war. Diese Zeit gilt als eine der glücklichsten Phasen im Leben von Bach, die er sieben Jahre lang in Köthen an der Seite von Prinz Leopold verbrachte.
Leipzig: Die letzte Lebensstation
So begann der zweite Teil seines Lebens in der scheinbar stabilen Stadt Leipzig, die er nicht mehr verlassen sollte, obwohl er stets voller Unruhe und Rebellion gegen Einschränkungen blieb. Der erste Konflikt in Leipzig entstand mit den Studenten, für die Bach zuständig war. Seine hartnäckige Natur sowie ein Mangel an Fingerspitzengefühl und eine natürliche Distanz führten zu täglichen Reibereien. Dennoch bot das Leben in Leipzig Bach viele Befriedigungen, wie professionelle Reisen zur Begutachtung von Orgeln, Besuche an den Höfen von Köthen und Weißenfels sowie die Leitung des Collegium Musicum.
Das Musikalische Opfer und Die Kunst der Fuge
Eine Reise nach Berlin war für den Musiker besonders befriedigend. Sie fand im Sommer 1747 statt, wo er von keinem Geringeren als Friedrich dem Großen empfangen wurde, der einen seiner Söhne angestellt hatte. Bach erlebte einen wunderbaren musikalischen Abend: Am Tag seiner Ankunft bat ihn der König, eine Fuge über ein Thema zu improvisieren, das dieser selbst komponiert hatte. Es ist bedauerlich, dass Bachs Musik zu seinen Lebzeiten nie die gebührende Anerkennung fand. Man denke nur an das Schicksal der Uraufführung seiner Matthäuspassion im Jahr 1727. In einer aufgeklärten Welt, die Bach oft als belanglos und oberflächlich empfand, begann er sich darüber zu beklagen, dass sein Stil nicht mehr in Mode sei. Eine weitere Quelle des Unglücks war die vertraglich festgelegte Verpflichtung, Latein und Musik zu unterrichten. „Respektvoll gegenüber den Stimmen“, pflegte er zu sagen, „da es sonst ist, als ob man einen Dialogpartner zum Schweigen bringt.“
Die Passionen
Die musikalische Gattung der Passion kannte viele Versionen, von einfachen monodischen bis hin zu voll polyphonen Werken. Laut seinem Nachruf komponierte Bach fünf Passionen: eine für jedes Evangelium, wobei eine davon wiederholt wurde.
Die Familie Bach
Einer psychoanalytischen Theorie zufolge besteht zwischen Genie und Geschlecht eine Beziehung, die analysiert werden kann. Der Geschichte folgend, pflegte Bach die Familientradition zahlreicher Nachkommen. Bach zeugte zwanzig Kinder in seinen zwei Ehen: sieben mit Maria Barbara (davon vier Überlebende) und dreizehn mit Anna Magdalena (davon sechs Überlebende). Kaum ein Musiker hatte das Glück, eine Frau zu haben, die sich so begeistert und tiefgreifend an seiner Arbeit beteiligte wie seine zweite Frau.
Zu seinen bedeutenden Werken zählen:
- Johannespassion, Matthäuspassion, h-Moll-Messe, Messe in A-Dur
- Weihnachtsoratorium, Oster-Oratorium, Himmelfahrtsoratorium
- Magnificat
- Fünf Zyklen von Kirchenkantaten
- Fünfundzwanzig weltliche Kantaten
- Einhundertneunundachtzig Choräle
- Musik für Orgel und Cembalo
- Vier Suiten für Orchester
Einer seiner Brüder sagte einmal: „Die Anziehungskraft der Musik in unserem kleinen Johann Sebastian war von Anfang an sehr stark. Bald konnte er alle Stücke, die sein Bruder ihm vorschlug, auswendig lernen.“ Dennoch wurde ihm trotz seiner Bitten und ohne klaren Grund verboten, ein Buch mit Werken für Cembalo der bekanntesten Lehrer der Zeit (Froberger, Kerll, Pachelbel) zu studieren.
Kurz vor dem Verlassen von Weimar ereignete sich eine Episode, die heute kaum glaubwürdig erscheint: Im Haus des Grafen Jakob Heinrich von Flemming sollte es zu einer Konfrontation zwischen Bach und dem renommierten französischen Organisten Louis Marchand kommen. Es wäre eine Begegnung zwischen der deutschen und der französischen Schule gewesen. Die Legende besagt, dass der französische Organist aus Angst vor einem möglichen Scheitern heimlich aus Dresden floh, was den Ruhm und die Hochachtung verdeutlicht, die Bach bereits unter seinen Zeitgenossen genoss.
Kurzbiografie von Johann Sebastian Bach
- 1685 – Geboren am 21. März in Eisenach, Thüringen.
- 1697 – Sänger in der Kirche von Ohrdruf.
- 1700 – Arbeit und Komposition für Orgel in Lüneburg.
- 1703–1707 – Organist in Arnstadt.
- 1705 – Fußreise von fast 400 km von Arnstadt nach Lübeck, um Buxtehude zu hören.
- 1707 – Heirat mit Maria Barbara Bach. Bis 1708 Organist an St. Blasii in Mühlhausen.
- 1708–1717 – Kammermusiker und Organist am Hof von Weimar.
- 1717–1723 – Kapellmeister am Hof von Köthen.
- 1717 – Erfolglose Versuche eines Treffens mit Händel.
- 1721 – Heirat mit Anna Magdalena Wilcke.
- 1723–1750 – Thomaskantor in Leipzig.
- 1729 – Direktor des Collegium Musicum in Leipzig.
- 1736 – Hofkomponist des Kurfürsten von Sachsen.
- 1749 – Eine heikle Augenoperation lässt ihn fast vollständig erblinden.
- 1750 – Gestorben in Leipzig am 28. Juli.