John Lockes Staatsphilosophie: Vom Naturzustand zum Staat

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John Lockes Theorie zum Naturzustand

Zusammenfassung (Abschnitte 123–126)

Warum verlässt der Mensch den Naturzustand und begibt sich in eine politische Lage? Der Grund, dass der Mensch die Freiheit aufgibt, die er im Naturzustand genießt, ist die Unsicherheit. Deshalb schließt er sich in einer Partnerschaft zusammen, um seine natürlichen Rechte zu wahren.

Gründe für den gesellschaftlichen Zusammenschluss

Der Grund dafür, dass Menschen in einer Gesellschaft zusammenkommen und sich einer Regierung unterstellen, ist die Erhaltung ihres Eigentums. Dies ist im Naturzustand aus drei Gründen schwierig:

  • Es fehlt ein positives Recht (welches durch Konsens allen bekannt ist).
  • Es fehlt ein faires Verfahren bzw. ein unparteiischer Richter, der Streitigkeiten vermitteln kann.
  • Es fehlt eine Macht, die in der Lage ist, fairen Entscheidungen Geltung zu verschaffen und sie zu erzwingen.

Der Übergang zur staatlichen Ordnung (127–128)

Die Unsicherheit und die Gefahren, denen der Mensch im Naturzustand ausgesetzt ist, führen ihn zur Flucht in den Schutz von Gesetzen und Regierungen zur Erhaltung seines Eigentums. So gibt er seine Macht zu strafen an die öffentliche Verwaltung (Legislative, Exekutive) sowie an die Gesellschaft ab.

Neben den natürlichen Rechten im Naturzustand hat der Mensch zwei grundlegende Befugnisse: die Macht, alles zu tun, was er für seine eigene Erhaltung und die der anderen für angemessen hält, sowie die Fähigkeit, Handlungen gegen die Naturgesetze zu bestrafen. Beide Befugnisse tritt er ab, wenn er sich mit der Gesellschaft verbindet.

Analyse und Erklärung der Theorie

Der Mensch befindet sich zunächst im Naturzustand, in dem alle Menschen gleichgestellt sind. Sie haben ein Recht auf Freiheit, Leben, Gesundheit und Privateigentum, welches jeder durch seine eigenen Anstrengungen erwerben kann, wobei niemand mehr besitzen sollte, als er benötigt. Im Naturzustand gibt es keinen Richter, denn jeder ist sein eigener Richter; daher gibt es keine übergeordnete Macht.

Zudem handelt es sich um einen vor-sozialen und vor-politischen, aber auch um einen moralischen Zustand. Hier herrscht das Naturgesetz, welches ein Spiegelbild des göttlichen Gesetzes (das Gesetz Gottes) darstellt. Dieses Gesetz ist nicht schriftlich fixiert, sodass es möglicherweise nicht allen Personen bekannt ist.

Herausforderungen und der Gesellschaftsvertrag

Wie im Text erwähnt, treten trotz der Freiheit im Naturzustand verschiedene Probleme auf. Eines davon ist die Unwissenheit, wodurch das natürliche Gesetz nicht korrekt ausgeführt wird. Ein weiterer Grund ist, dass viele Menschen mangels einer übergeordneten Instanz von Leidenschaft, Gier und Rache geleitet werden und es an Respekt für andere mangelt. Diese Probleme führen zu einer Unsicherheit, die Personen dazu bewegt, sich in die Gesellschaft zu integrieren.

So entsteht ein sozialer Pakt (Social Compact), der die Grundlage des Staates bildet. Im sozial-politischen Zustand finden wir die Einrichtung des positiven Rechts. Dieses Gesetz ist im Gegensatz zum Naturrecht schriftlich fixiert, öffentlich bekannt und publiziert. Darüber hinaus ist dieses Gesetz für die Erhaltung und Wahrung der Rechte verantwortlich und kann diejenigen bestrafen, die gegen das Gesetz verstoßen.

Die Rolle des Staates und Gewaltenteilung

Sobald das Individuum in den politischen Zustand eintritt, wird die Freiheit durch den Staat kontrolliert; die individuelle Macht zur Selbsterhaltung und Rache geht verloren. Um die Nachteile des Naturzustands zu beseitigen, wird eine Trennung der Zuständigkeiten durchgeführt. Diese Kräfte entstehen aus den Problemen bei der Erhaltung der natürlichen Rechte:

  • Legislative: Aufgrund des Mangels an positivem Recht hat die Gesetzgebung den Vorrang. Sie ist für die Ausarbeitung von Rechtsvorschriften verantwortlich.
  • Judikative: Um den Mangel an einem unparteiischen Richter zu beheben, sorgt die Justiz dafür, dass die beschlossenen Gesetze ordnungsgemäß durchgeführt werden.
  • Exekutive: Sie stellt die vollstreckende Gewalt dar, die diejenigen bestrafen kann, die nicht im Einklang mit dem Gesetz handeln.

Die Hauptrolle des Staates liegt in der Erhaltung der natürlichen Rechte. Locke nennt zudem eine weitere Macht, die föderative Gewalt, die sich auf nationale und internationale Beziehungen konzentriert. Diese Aufteilung der Zuständigkeiten wird durchgeführt, um Tyrannei und einen möglichen Absolutismus zu verhindern. An diesem Punkt zeigt der Autor deutliche Unterschiede zwischen den beiden Zuständen auf, wobei die Zustimmung der Individuen den Wechsel vom Naturzustand zum politischen und sozialen Status ermöglicht.

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