Kants Ethik: Pflicht, Kategorischer Imperativ und Moral

Eingeordnet in Philosophie und Ethik

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 3,77 KB

Kants Ethik: Die Frage nach dem moralischen Ideal

Moralische Ideale beantworten die Frage: Was soll ich tun? Traditionell bietet die Moral verschiedene Wege, um Glückseligkeit zu erreichen – das Ideal der Moral. Das zentrale Problem dabei ist jedoch, was unter Glück verstanden wird und welche Dinge uns tatsächlich glücklich machen können.

Materiale Ethik: Heteronomie und Hypothetische Imperative

Alle materialen Ethiken gehen von der Annahme eines höchsten Gutes aus, dem das menschliche Verhalten untergeordnet werden muss, um moralischen Normen zu entsprechen.

Merkmale der Materialen Ethik

  • Heteronomie: Die Moral ist heteronom, das heißt, sie wird von außen durch etwas gegeben, das der Vernunft selbst fremd ist. Sie basiert auf dem Gefühl der Befriedigung, das uns ein externes Objekt verschafft, zu dem unser Wille geneigt ist. (Der Wille ist nicht autonom.)
  • Hypothetische Imperative: Die ethischen Gebote der materialen Ethik sind hypothetisch. Sie haben keinen Wert an sich, sondern ihr Wert hängt davon ab, ob durch ihre Befolgung das gewünschte Ziel erreicht wird.

Materiale Ethiken können keine universellen ethischen Imperative formulieren. Nur eine formale Ethik kann universell sein.

Kants Formale Ethik und das Moralische Ideal

Kant argumentiert, dass das moralische Ideal nicht in der Glückseligkeit liegt. Das Streben nach Glück hängt von empirischen Gefühlen der Lust oder Unlust ab, die durch das gewünschte Objekt ausgelöst werden. Da diese Gefühle subjektiv sind, kann Glück kein objektives, allgemeingültiges und notwendiges moralisches Gesetz begründen.

Die Rolle der Pflicht (Duty)

Kant unterscheidet Handlungen nach ihrem Verhältnis zur Pflicht:

  1. Pflichtwidrige Handlungen

    Diese Handlungen geschehen aus Neigung und verstoßen gegen die Pflicht. Beispiel: Sie sehen einen regungslosen Radfahrer auf der Straße, erkennen in ihm Ihren sportlichen Rivalen und entscheiden, ihm nicht zu helfen. Diese Aktion ist moralisch falsch und pflichtwidrig.

  2. Pflichtgemäße Handlungen

    Diese Handlungen entsprechen der Regel, können aber aus zwei Gründen erfolgen:

    • Aus Neigung: Die Handlung erfolgt zwar pflichtgemäß, aber aus Eigennutz oder Interesse.
    • Aus Pflicht: Die Handlung erfolgt aus reiner Achtung für das moralische Gesetz.

    Nur wenn wir helfen, wie wir jedem anderen menschlichen Wesen helfen würden, weil es unsere Pflicht ist, dann und nur dann ist dies eine moralisch gute Handlung. Eine Handlung ist moralisch gut, wenn sie aus Pflicht geschieht.

Da Menschen oft das tun, was sie tun müssen, aber dabei von Neigungen beeinflusst werden, benötigen sie eine rationale Richtschnur: den Kategorischen Imperativ.

Der Kategorische Imperativ

Imperative sind Prinzipien, die das Verhalten bestimmen. Diese Grundsätze können unterschieden werden:

  • Maximen: Subjektive Grundsätze, die nur für das handelnde Subjekt gelten.
  • Gesetze: Objektive Grundsätze, die für den Willen eines jeden vernünftigen Wesens gültig sind.

Abgrenzung der Imperative

Die Imperative der materialen Ethik sind hypothetisch; ihre Gültigkeit hängt von empirischen Bedingungen ab.

Der Kategorische Imperativ hingegen ist ein praktisches Gesetz, das bestimmte Verhaltensweisen vorschreibt, und zwar unabhängig vom Gegenstand der Handlung und ihren möglichen Folgen. Er ist das oberste Prinzip der Moralität in Kants formaler Ethik.

Verwandte Einträge: