Kants Kritik der Metaphysik in der Transzendentalen Dialektik
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Kants Kritik der Metaphysik
Kants Kritik an der Metaphysik, die den Anspruch erhebt, tatsächliches (außerempirisches) Wissen zu liefern, wird in der Transzendentalen Dialektik dargelegt. In diesem Teil der Kritik der reinen Vernunft zielt Kant darauf ab, das höhere Erkenntnisvermögen, die Vernunft, zu untersuchen.
Die zwei Verwendungsweisen der Vernunft
Hier hat die Vernunft zwei Verwendungsweisen:
- Logischer Gebrauch: Bezieht sich auf die Form des Wissens und nur auf die Beziehung zwischen Urteilen (Logik).
- Reiner Gebrauch: Die Vernunft versucht hier, Begriffe für Dinge zu finden, die jenseits der sinnlichen Erfahrung liegen, wie Gott, die Seele und die Welt.
Im logischen Gebrauch sucht die Vernunft nach der letzten Bedingung für alles Wissen: dem Unbedingten. Dies ist unproblematisch, solange die Vernunft nicht versucht, dem, was an sich rein formal ist, einen Inhalt zu geben.
Der reine Gebrauch der Vernunft strebt jedoch danach, ohne die Erfahrung zu erkennen, das Ding an sich zu erkennen.
Die dialektischen Schein-Schlüsse
Das Ziel der Vernunft, die letzte Bedingung zu erreichen, führt zum Unbedingten. Dieses wird zu einem reinen Begriff der Vernunft, einer Idee. So entstehen die Ideen von Gott, der Seele und der Welt. Es ist legitim, diese Ideen zu denken. Der Fehler der Metaphysik besteht jedoch darin, so zu tun, als könne sie diese Ideen als Objekte erkennen und über sie urteilen, obwohl sie die Grenzen aller möglichen Erfahrung überschreiten. Dieser Fehler der Vernunft führt zu dialektischen Schein-Schlüssen, von denen es drei gibt:
- Paralogismus: Ein ungültiger Schluss in Bezug auf die Seele als Substanz. Kant argumentiert in seiner Metaphysikkritik, dass das Ich nur als phänomenale Wirklichkeit, also als Erscheinung, verstanden werden kann.
- Antinomie: Betrifft die Betrachtung der Welt als Ganzes. Angesichts dieses Fehlers behauptet Kant, dass nur die Erscheinung (Phänomen) objektive Realität besitzen kann.
- Ideal der reinen Vernunft: Betrifft Gott. Hier werden mehrere Gottesbeweise kritisiert:
- In Bezug auf das ontologische Argument, das behauptet, die Existenz sei eine Eigenschaft des „vollkommensten Wesens“, lautet Kants entscheidendes Gegenargument, dass Existenz kein reales Prädikat ist. Realität kommt nur den Erscheinungen zu.
- In Bezug auf das kosmologische Argument, das auf dem Kausalitätsprinzip beruht, hält Kant entgegen, dass aus der Sicht der Erfahrungswissenschaft nicht bekannt ist, wo die Kausalkette enden muss.
- In Bezug auf das physikalisch-theologische Argument, das aus der Ordnung der Welt auf einen Schöpfer schließt, kann man aus kritischer Sicht höchstens sagen, dass es eine Ordnung in der Welt der Erscheinungen gibt.
Schlussfolgerung
Die reine Vernunft kann also nichts jenseits der Erfahrung erkennen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Zugang zu den Gegenständen der Metaphysik unmöglich ist. Sie können durch die praktische Vernunft erschlossen werden. Hierbei handelt es sich aber nicht um Wissen, über das man Urteile fällen kann, sondern um Postulate des Glaubens.