Kants Metaphysik: Zwischen Wissenschaft und Vernunft

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Das Problem der Metaphysik bei Immanuel Kant

Um das Konzept von Metaphysik und Wissenschaft zu erklären, beginne ich mit der Problematik der Metaphysik, die sich in vier zentralen Fragen zusammenfassen lässt:

  • Was kann ich wissen?
  • Was soll ich tun?
  • Was darf ich hoffen?
  • Was ist der Mensch?

Mit diesen Fragen untersucht Kant die Grenzen der Vernunft, da die Kapazität unserer Vernunft begrenzt ist. Er wendet sich damit gegen den Dogmatismus sowie gegen die Möglichkeiten der Skepsis. Der Dogmatismus stellt eine reine Analyse von Konzepten dar, die jedoch nicht gehaltvoll genug ist, um tatsächliche Erkenntnisse vorzunehmen. David Hume wiederum sah die Metaphysik als unmöglich an und betrachtete physikalische Gesetze lediglich als wahrscheinlich – ein Punkt, den Kant nicht akzeptieren konnte.

Die transzendentale Methode

Nachdem er sich von der dogmatischen Methode der Skeptiker distanziert hatte, beschäftigte sich Kant mit einer neuen Herangehensweise: der transzendentalen oder kritischen Methode. Dabei geht er von einer Tatsache aus: Mathematik und Physik sind seit Thales bzw. Galilei und Newton anerkannte Wissenschaften. Der Metaphysik hingegen scheint dies bisher nicht gelungen zu sein.

Kant vertrat die Ansicht, dass Metaphysik als Wissen über Prinzipien niemals aus der Erfahrung abgeleitet werden sollte. Wissen sollte in diesem Kontext nicht physisch, sondern metaphysisch sein. Es handelt sich daher um A-priori-Wissen der reinen Vernunft, da diese das Vermögen ist, welches uns Argumente bilden lässt und die Fähigkeit besitzt, Urteile zu verknüpfen. Damit die Metaphysik zur Wissenschaft werden kann, muss sie die gleichen Bedingungen erfüllen wie Mathematik und Physik.

Urteilsformen und wissenschaftliche Sätze

Kant behandelt das Problem wie folgt: Die Metaphysik sollte aus wissenschaftlichen Sätzen bestehen, die denen der Mathematik und Physik ähneln. Diese Sätze oder Urteile müssen für Wissenschaftler unser Wissen erweitern sowie notwendige und universelle Gültigkeit besitzen. Kant unterteilt Urteile in zwei Typen:

  • Analytische Urteile: Das Prädikat ist bereits im Subjekt enthalten. Es handelt sich um erläuternde Urteile, die unser Wissen nicht vermehren.
  • Synthetische Urteile: Das Prädikat liegt außerhalb des Subjekts. Dies ist ein erweiternder Versuch, der unser Wissen vergrößert.

Diese können a priori (unabhängig von der Erfahrung, notwendig und universal) oder a posteriori (auf Basis von Erfahrungen, lediglich wahrscheinlich) sein. Kant argumentiert im Gegensatz zu Hume, dass Wissenschaftler synthetische Urteile a priori benötigen.

Fazit: Ist Metaphysik als Wissenschaft möglich?

Nach der Prüfung beider Wissenschaften stellt sich die Frage: Kann die Metaphysik eine Wissenschaft sein? Die gesamte Entwicklung der „Kritik der reinen Vernunft“ weist darauf hin, dass dies offenbar nicht möglich ist. Eine Erkenntnis der „Dinge an sich“ – insbesondere der Seele, der Welt und Gottes – ist unmöglich, da wir keine Intuition für solche Wesen besitzen. Die sinnliche Erfahrung bildet die Grenze aller möglichen Erkenntnis. Somit ist die Metaphysik als klassische Wissenschaft nicht realisierbar.

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