Karl IV., Godoy und der Spanische Unabhängigkeitskrieg (1788–1814)
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Die Ära Karls IV. und der Aufstieg Godoys
Karl IV. trat 1788 die Nachfolge seines Vaters Karl III. an. Er war ein schwacher König ohne Charakter, was zu schwierigen politischen Umständen führte. Die Französische Revolution brach 1789 aus und verbreitete Angst unter allen europäischen Monarchien, die befürchteten, ihre Bevölkerung könnte von diesen revolutionären Ideen infiziert werden (man beachte, dass in Frankreich die absolute Macht des Königs endete und der König später guillotiniert wurde).
Reaktion auf die Revolution und Godoys Machtübernahme
Der Marquis de Floridablanca (Ministerpräsident) ließ die Grenzen zu Frankreich schließen, um zu verhindern, dass Studenten ins Ausland reisten, und führte eine Zensur von Büchern ein. Sein Nachfolger, Aranda, erkannte die drohende Katastrophe eines Krieges mit Frankreich und blieb zunächst neutral. Aranda wurde 1792 gestürzt. An seiner Stelle stieg Manuel Godoy, der Liebhaber der Königin, zu den höchsten Ebenen der Macht auf. Er dominierte den König und wurde faktisch zu einem Diktator.
Godoy war intelligent und ehrgeizig und unternahm alles, um die Ideen der Aufklärung zu unterdrücken. In der internationalen Politik verbündete sich Godoy 1793 mit Großbritannien, nachdem die französischen Revolutionäre Ludwig XVI. guillotiniert hatten. Mehrere europäische Länder, darunter Spanien, erklärten der Französischen Republik den Krieg. Doch die Franzosen siegten. Spanien musste im Frieden von Basel (1795) den östlichen Teil der Insel Hispaniola (heute Dominikanische Republik) abtreten.
Das Bündnis mit Napoleon und die Invasion
Angesichts dieses Misserfolgs wählte Godoy das Bündnis mit Frankreich, dessen revolutionäre Phase zur alleinigen Macht Napoleons führte. Spanien war für Napoleon von großem Interesse, da es im Handelskrieg gegen England an der kommerziellen Front lag. Ganz Europa sollte Handelsblockaden gegen England errichten, um es zu ruinieren. Spanien war natürlich Teil dieses Plans.
- 1801: Krieg der Orangen: Godoy führte den *Krieg der Orangen* (*Guerra de las Naranjas*), einen kurzen Konflikt zwischen Spanien und Portugal. Napoleon unterstützte Spanien gegen Portugal, den traditionellen Verbündeten Englands. Als Ergebnis des Konflikts erhielt Spanien die Stadt Olivenza (heute in Badajoz).
- 1805: Seeschlacht von Trafalgar: Die französische und die spanische Flotte wurden von den Briten bei Trafalgar vernichtet.
- 1807: Vertrag von Fontainebleau: Napoleon und Godoy unterzeichneten den *Vertrag von Fontainebleau*. Dieser sah die Aufteilung Portugals vor: ein Teil für Spanien, ein Teil für Frankreich und ein Drittel als persönliches Fürstentum für Godoy. Französische Truppen, die nach Portugal marschieren sollten, mussten Spanien durchqueren. Unter diesem Vorwand überquerten die Franzosen die Halbinsel und blieben dort.
Die Abdankungen von Bayonne
Unterdessen zettelte eine Gruppe von Adligen unter der Führung des Prinzen von Asturien, dem zukünftigen Ferdinand VII., einen Aufstand an, die sogenannte Meuterei von Aranjuez (März 1808). Godoy fiel in Ungnade, und Karl IV. floh nach Frankreich, während sein Sohn Ferdinand den Thron beanspruchte. Napoleon lud Karl IV. und seinen Sohn nach Bayonne (einer französischen Stadt nahe der spanischen Grenze) ein, um als Schiedsrichter in ihrem Streit zu fungieren. Dort forderte er am 5. Mai 1808 beide zur Abdankung auf und proklamierte seinen Bruder Joseph I. Bonaparte zum König von Spanien. Bereits am 2. Mai 1808 hatte es in Madrid einen blutigen Aufstand gegeben, der am folgenden Tag gewaltsam unterdrückt wurde.
Der Spanische Unabhängigkeitskrieg (1808–1814)
Der Krieg der Unabhängigkeit begann mit dem Volksaufstand in Madrid am 2. Mai 1808. Er breitete sich schnell auf andere Städte aus, und der Widerstand wurde heftig (z. B. in Saragossa und Zamora).
Phasen des Krieges
Der Krieg kann in drei Hauptphasen unterteilt werden:
Phase 1: Spanischer Widerstand und Sieg bei Bailén (1808)
In der ersten Phase gelang es der reorganisierten spanischen Armee, die Franzosen im Sommer 1808 bei *Bailén* zu besiegen. Diese Niederlage veranlasste Napoleon, selbst die Führung des Krieges zu übernehmen.
Phase 2: Französische Dominanz und britische Intervention (1808–1812)
Die zweite Phase war durch die französische Dominanz gekennzeichnet; praktisch das gesamte Land wurde von den Franzosen kontrolliert. Nur Andalusien blieb ein Schwerpunkt des Widerstands. Die Situation änderte sich dramatisch, als die Engländer beschlossen, die Spanier massiv zu unterstützen, was sich in der Ankunft Wellingtons auf der Iberischen Halbinsel manifestierte.
Phase 3: Die Vertreibung der Franzosen (1812–1814)
Die dritte Phase sah einen zunehmenden Druck der spanisch-englischen Truppen auf die Franzosen, während Napoleon in Russland eine gewaltige Niederlage erlitt. Die Spanier und ihre Verbündeten errangen Sieg um Sieg:
- *Arapiles* (Salamanca)
- *Vitoria*
- *San Marcial*
Letztere waren die entscheidenden Schläge gegen die sich zurückziehende französische Armee.
Die Rolle des Guerillakriegs
Neben den Kämpfen der regulären Armeen spielte der Guerillakrieg eine entscheidende Rolle. Die Guerilleros waren Männer, die das Gelände kannten und gewöhnlich Hinterhalte legten, französische Versorgungskonvois angriffen und feindliche Posten abfingen. Es ist bemerkenswert, dass sie nie in offener Feldschlacht kämpften, sondern überraschend zuschlugen und dank ihrer Geländekenntnis schnell wieder verschwanden. Berühmte Guerillaführer waren beispielsweise *El Empecinado* oder *Cura Merino*.
Die politische Situation und die Cortes von Cádiz
Hinsichtlich der politischen Situation müssen zwei Machtzentren hervorgehoben werden:
- Die offizielle Staatsmacht, vertreten durch die Monarchie Joseph Bonapartes (*Pepe Botella*).
- Die populäre Macht, die in den Händen der *Juntas Provinciales* (Provinzialräte) lag.
Diese Räte wurden vom *Junta Central Suprema* (Oberster Zentralrat) koordiniert, der die geheime Regierung bildete. Dieser Zentralrat wich später einer Regentschaft, die die Cortes von Cádiz einberief.