Karl Marx: Einflussfaktoren und Entwicklung seines Denkens
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Der historische Kontext von Karl Marx' Denken
Einflussfaktoren im 19. Jahrhundert
Um das Denken von Karl Marx, insbesondere in den 1840er Jahren, zu verstehen, muss der Kontext von 1848 berücksichtigt werden. Die konservative Politik unter König Friedrich Wilhelm von Preußen und die Verbreitung fortschrittlicher Ideen im südlichen Deutschland führten zu verschärfter Zensur und einem Polizeistaat. Schriftsteller, Historiker und Journalisten verteidigten offen ihre Ideen des revolutionären Wandels und ersetzten philosophische Tätigkeit durch revolutionäres Handeln auf der Straße, unterstützt durch die Macht der Presse und Flugschriften.
Sozioökonomische Umwälzungen
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden mehrere Umwälzungen statt, darunter die industrielle Revolution und die bürgerlich-liberalen Revolutionen. Die industrielle Revolution bereicherte die Bourgeoisie und verstärkte die Ausbeutung der Arbeiter. Sie erforderte reichlich Materialien und neue Märkte, was zur Entwicklung der Kolonialpolitik führte. Die liberalen bürgerlichen Revolutionen führten zu politischen und bürgerlichen Rechten, staatlicher Kontrolle durch Volkszählung und garantierten das Privateigentum. Die Wirtschaft basierte auf dem Gesetz von Angebot und Nachfrage und führte zu einer kapitalistischen Gesellschaft.
Kulturelle und philosophische Strömungen
Kulturell gab es zwei Trends: die Romantik, die die Freiheit verherrlichte (z.B. Goethe, Delacroix, Schumann), und den Realismus, der die Situation von Not und Elend anprangerte (z.B. Stendhal, Dickens, Millet). Das philosophische Denken konzentrierte sich auf vier Aspekte:
- Hegelscher Idealismus: Konzept der Rechtsangleichung und der Dialektik von Realität und Geschichte. Die Hegelsche Linke, eine Gruppe liberaler Philosophen, behauptete, dass Gott eine Erfindung sei, auf die wir unsere positiven Eigenschaften im höchsten Grade projizieren. Feuerbach gehörte dazu und wandte sich dem Materialismus zu.
- Französischer utopischer Sozialismus: Vertreten durch Owen, Saint-Simon und Fourier, kritisiert für die Nichtberücksichtigung der Voraussetzungen für die Befreiung des Proletariats und für die Beteiligung an idyllischen Gesellschaften.
- Anarchismus: Forderte die Abschaffung des Staates und wurde von der Ersten Internationale kritisiert. Zwei Anarchisten dieser Zeit waren Proudhon und Bakunin.
- Politische Ökonomie: Adam Smith und David Ricardo analysierten und kritisierten den Kapitalismus.
Entwicklung von Marx' Philosophie
Kritik und wissenschaftlicher Sozialismus
Marx' Philosophie ist geprägt von der Kritik am Hegelschen Idealismus und der Schaffung des wissenschaftlichen Sozialismus, im Gegensatz zum früheren utopischen Sozialismus. Marx war an den Revolutionen seiner Zeit beteiligt und musste aufgrund seiner Ideale seinen Wohnsitz wechseln.
Wichtige Lebensstationen und Werke
- 1842: Promotion über "Die Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie".
- 1843-1848: Fruchtbarste intellektuelle Phase. Arbeit für die "Rheinische Zeitung" und die "Deutsch-Französischen Jahrbücher". Entscheidende Treffen mit sozialistischen und kommunistischen Gruppen, exilierten deutschen Arbeitern und Friedrich Engels. Wichtige Quelle des Wissens über deutsche Philosophie, französischen Sozialismus und englische politische Ökonomie.
- Wichtige Werke dieser Zeit: "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie", "Ökonomisch-philosophische Manuskripte", "Die heilige Familie", "Die deutsche Ideologie", "Thesen über Feuerbach", "Das Elend der Philosophie", "Manifest der Kommunistischen Partei".
- 1849: Umzug nach London. Verfassung von "Zur Kritik der Politischen Ökonomie" und "Das Kapital". Die erste Ausgabe von "Das Kapital" ist, wie der Titel zeigt, ein Beitrag und keine umfassende Analyse der politischen Ökonomie.