Kastilisch und die Spanische Aufklärung: Ursprung und Literatur
Eingeordnet in Spanisch
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 16,79 KB
Ursprung der Kastilischen Sprache (Spanisch)
Die kastilische Sprache (Kastilisch) ist eine romanische Sprache, die aus dem Vulgärlatein hervorgegangen ist, das im Römischen Reich gesprochen wurde. Bis zum dritten Jahrhundert blieb das Latein relativ einheitlich. Die Invasionen und der Verlust der Einheit des Reiches begünstigten jedoch die Entwicklung von Unterschieden, die zu den heutigen romanischen Sprachen führten. Zu den romanischen Sprachen zählen Kastilisch, Katalanisch, Galicisch, Französisch usw.
Das Kastilische Lexikon: Latein und historische Entlehnungen
Die meisten kastilischen Wortstämme stammen aus dem Lateinischen, wurden aber im Laufe der Geschichte auch aus anderen Quellen übernommen.
- Präromanische Sprachen: Wörter, die von den Völkern stammen, die vor den Römern auf der Halbinsel lebten (Iberer, Kelten usw.). Beispiele: Schlamm, Pfütze, Auto, Butter.
- Germanische Sprachen: Die Germanen (Sueben, Vandalen, Westgoten), die in Wellen auf die Halbinsel kamen, hinterließen Wörter wie Krieg, Pflicht, Mut.
- Arabisch: Nach dem Lateinischen leisteten die Araber, die ab 711 kamen, den größten lexikalischen Beitrag. Beispiele: Zucker, Baumwolle, Kissen.
Wortentwicklung und lexikalische Phänomene
Im Kastilischen lassen sich verschiedene Verhaltensweisen lateinischer Erbwörter beobachten:
- Erbwörter: Wörter, die sich im Laufe der Sprachentwicklung aus dem Lateinischen entwickelt haben (z. B. Vater, Sohn).
- Gelehrte und hochkultivierte Wörter (Kultismen): Wörter, die direkt aus dem Lateinischen oder Griechischen übernommen wurden und ihre ursprüngliche Form weitgehend beibehalten haben.
- Semikultismen: Wörter, die später ins Kastilische eintraten und sich nur teilweise an die regulären Lautgesetze angepasst haben.
Doubletten (Doppellösungen) sind zwei Wörter, die aus demselben lateinischen oder griechischen Wort stammen, aber unterschiedliche Entwicklungswege genommen haben. Beispiele: Kapitel und cabildo, Grund und Ration, Nickerchen und Siesta, Ort und colgar. Latinismen sind lateinische Wörter und Wendungen, die in der modernen Sprache unverändert geblieben sind (z. B. a priori, Curriculum Vitae).
Präfixe und Suffixe im Kastilischen
Präfixe bereichern die kastilische Sprache, indem sie Nuancen hinzufügen. Die meisten Präfixe stammen aus dem Lateinischen oder Griechischen. Sie werden ohne Bindestrich an die Wortwurzel angehängt. Beispiele: a- (anormal), Anti- (Anti-Aufruhr), des- (unempfindlich), hyper- (hypersensibel), Infra- (Infrarot).
Suffixe ergänzen und verdeutlichen die Bedeutung der Wörter; einige Suffixe sind polysemisch. Zum Beispiel kann das Suffix Vergrößerung anzeigen (z. B. cabezón – großer Kopf, tripón – dicker Bauch). Die Gentilicia (Herkunftssuffixe) geben die Herkunft an (z. B. Girona -> gironí/gironina, Ourense -> ourensano/a, Salamanca -> salmantino/a).
Lexikalische und Semantische Felder
- Lexikalische Familie: Besteht aus Wörtern, die dasselbe Lexem oder denselben Stamm (aus dem Lateinischen oder Griechischen) teilen.
- Semantisches Feld: Besteht aus Wörtern, die eine gemeinsame Idee teilen und diese in unterschiedlichen Kontexten ausdrücken. Beispiel: hoch, aufwärts, erhöhen.
Dynamik des Lexikons und Wortschatzerweiterung
Sprachen sind in ständiger Bewegung: Sie erweitern sich durch neue Wörter (Neologismen, Entlehnungen) und verlieren andere (Archaismen). Eine Sprache passt sich ständig neuen Gegebenheiten an, oft durch wissenschaftliche Entdeckungen oder neue Techniken. Jüngere Generationen fördern Jargon für spezifische Verwendungszwecke.
Die Sprachkompetenz ist eine Funktion der Kultur des Sprechers. Lesen ist der effektivste Weg, um den Wortschatz zu erweitern. In jeder neuen Situation aktivieren wir unser Sprachwissen und wandeln passiven in aktiven Wortschatz um. Das Lexikon kann durch Ableitung, Zusammensetzung, Parasynkretismus, Neologismen und semantische Entlehnungen erweitert werden.
Wortbildungsprozesse
Die Elemente, aus denen Wörter bestehen, können sein:
- Einfach: Bestehen aus einem freien Morphem (Lexem), z. B. Meer, Salz. Oder einem Lexem mit Konjugationsmorphem (z. B. Kind). Oder einem Lexem mit einem Suffix (z. B. Sache).
- Zusammengesetzt (Komposita): Bestehen aus zwei Wörtern, die zusammen, durch eine Präposition getrennt oder nebeneinander stehen können.
- Abgeleitet (Derivate): Gebildet aus einer Wurzel (Lexem) und einem oder mehreren Präfixen (z. B. vor-), Interfixen (z. B. zeit-lich) und Suffixen (z. B. Herz-haft).
- Parasynkretisch: Haben sowohl Zusammensetzung als auch Ableitung.
Methoden der Wortschatzerweiterung
- Neologismen: Sprachliche Innovationen, die entstehen, um neue Realitäten zu benennen (z. B. CD-ROM). Sie entstehen durch Ableitung, Komposition oder als Akronyme/Initialwörter (z. B. DNA, CD).
- Entlehnungen (Loans): Wörter, die aus einer anderen Sprache übernommen werden (z. B. Park). Sie können in ihrer ursprünglichen Form verwendet oder in ihrer Bedeutung verändert werden. Beispiele für Entlehnungen im Spanischen stammen aus Kontaktsprachen (Katalanisch, Galicisch, Baskisch) und europäischen Sprachen: Französisch (Sofa), Englisch (Club), Italienisch (Pizza), Portugiesisch (Marmelade), Deutsch (Schnurrbart), etc.
- Lehnübersetzungen (Calcos): Das Ergebnis der Übernahme der Denk- oder Benennungsform einer anderen Sprache. Beispiel: Kastilisch fútbol (Fußball).
- Archaismen: Wörter, die aufgrund von Verschleiß kaum oder gar nicht mehr verwendet werden.
Semantische Veränderungen und Beziehungen
Die Sprache unterliegt ständigen Bedeutungsveränderungen, die sich kulturell entwickeln. Einige Phänomene im Zusammenhang mit diesen Änderungen sind:
- Synonymie: Zwei Wörter mit gleicher Bedeutung, aber unterschiedlichen Signifikanten (z. B. heben, anheben).
- Antonymie: Wörter, die gegensätzliche Bedeutungen ausdrücken (z. B. Liebe, Hass).
- Polysemie: Ein Signifikant, der je nach Situation verschiedene, aber verwandte Bedeutungen hat. Beispiel: araña (Spinne – Tier) und araña (kratzen – Verb).
- Homonymie: Zwei Wörter mit gleicher Form, aber unterschiedlicher, nicht verwandter Bedeutung. Beispiel: Duelo (Schmerz) und Duelo (Zweikampf).
- Paronymie: Zwei Wörter, die sehr ähnlich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Beispiel: zufügen (Schaden) und verfügen (ein Gesetz brechen).
- Hyperonymie: Wörter, deren Bedeutung andere Wörter umfasst (Oberbegriff). Beispiel: Vogel umfasst Spatz, Schwalbe, Möwe usw.
Die Europäische Aufklärung (17. und 18. Jahrhundert)
Das Zeitalter der Aufklärung begann im 17. Jahrhundert, wobei Frankreich zum Zentrum Europas wurde. Der in Frankreich gepflegte Klassizismus des 17. Jahrhunderts entwickelte sich zum Neoklassizismus, der die Herrschaft der Vernunft und des guten Geschmacks betonte und nach Rationalität und Harmonie strebte.
Ende des 17. Jahrhunderts entstand eine revisionistische geistige Bewegung. In England initiierten Locke, Francis Bacon und Isaac Newton diese Denkrichtung:
- Locke: Formulierte den Empirismus und initiierte den Liberalismus, indem er die Souveränität des Volkes erklärte.
- Bacon: Behauptete, dass der Mensch die Natur beherrschen könne, basierend auf einer Methode der Strenge und Objektivität.
- Newton: Ersetzte wissenschaftliche Theorien und Phänomene durch allgemeingültige Gesetze.
Die Ideen gelangten nach Frankreich und führten zu einer Sympathie für England. Die Assimilation englischer Ideen führte zur Enzyklopädie. Frankreich bezeichnet das 18. Jahrhundert als das Zeitalter der Aufklärung, bezogen auf die Vernunft und die menschliche Intelligenz.
Kernprinzipien der Aufklärung
Die Aufklärung ist die politische, philosophische und kulturelle Bewegung, die das europäische Denken prägte. Sie ersetzte die Autorität des Königs und den Gehorsam gegenüber der Kirche durch Vernunft und Erfahrung (Rationalismus und Empirismus).
Der Triumph der Aufklärung ist eng mit Montesquieu und Voltaire verbunden, die sich für die Freiheit und die Verbreitung der Ideen einsetzten. Diderot und d’Alembert konzipierten die Encyclopédie, welche das gesamte Wissen der Epoche sammelte und zum Banner der Kultur und Ideen wurde.
Die Aufklärung betonte den Wert von Arbeit und Handel als Quellen des Reichtums und förderte eine Moral, die auf dem Glauben an die Natur und das Gute im Menschen basierte. Die ursprüngliche Idee Montesquieus von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit wurde zur treibenden Kraft, die später zur Romantik führen sollte.
Die Spanische Aufklärung
In Spanien teilte nur eine Minderheit die europäischen Anliegen. Die spezifische spanische Ausprägung der Aufklärung versuchte, Kritik und Vernunft mit der christlichen Tradition in Einklang zu bringen. Die Moderne kam aus Frankreich, und alles Französische wurde modisch.
Während in England bereits Physik, Chemie und Mathematik gelehrt wurden, boten die angesehensten spanischen Universitäten weiterhin scholastischen Unterricht an. Bis 1812 gab es keine Pressefreiheit, was eine doppelte Zensur bedeutete. Die Aufklärung erreichte Spanien spät, was zu einem Rückstand im Vergleich zu Europa führte. Dennoch entstanden zahlreiche Initiativen, um das Ideal des Fortschritts zu verfolgen, darunter die Gründung der Königlichen Akademie (RAE) und der Königlich Spanischen Akademie für Geschichte.
Aufgeklärter Despotismus und Liberale Ideen
Unter Felipe V. wurde die Monarchie modernisiert und dem europäischen Stil angepasst (Aufgeklärter Absolutismus). Dieser vereinte den reinsten monarchischen Absolutismus mit einem Kompromiss zwischen Tradition und Revolution, zusammengefasst im Motto des aufgeklärten Despoten: „Alles für das Volk, aber ohne das Volk.“
Gleichzeitig verbreiteten sich liberale Ideen, beeinflusst vom englischen Empirismus, Machiavelli und Montesquieu, die die liberale Demokratie verteidigten, welche Freiheit und eine Regierung der Mäßigung garantierte. Diese Gedanken fanden Ausdruck in der klassizistischen Tragödie.
Die Ära Karls III. brachte große Reformen:
- Verwendung des Kastilischen in der Volkserziehung.
- Nationale Bildung wurde zum öffentlichen Dienst.
- Reorganisation des Schul- und Universitätswesens, wissenschaftliche Ausrichtung.
- Reform der Theater und Erklärung aller Gewerbe zu Ehrenberufen.
Die Protagonisten dieses Wandels waren gebildete Forscher und Journalisten, die das Interesse an der Wissenschaft förderten.
Die Prosa des 18. Jahrhunderts: Didaktik und Kritik
Die Schriftsteller des 18. Jahrhunderts verfolgten einen didaktischen Zweck: Sie wollten die Grundsätze menschlichen Handelns verdeutlichen. Die moralistische Literatur triumphierte, da sie soziale Missstände anprangerte. Kulturelle Initiativen umfassten die Gründung des Königlichen Asturischen Instituts sowie der Chirurgischen Hochschulen in Cádiz und Barcelona.
Die Aufklärer und Essayisten
Die Essayisten waren aufgeklärte Kritiker, die Spanien analysierten und Lösungen vorschlugen, um das Land aus Unwissenheit und Rückständigkeit zu befreien.
- Jerónimo Feijoo: Schrieb Cartas eruditas y curiosas (Gelehrte und kuriose Briefe). Er diente der Wahrheit und kämpfte gegen den Aberglauben.
- José Cadalso: Schrieb Cartas Marruecas (Marokkanische Briefe), in denen er Spanien aus der Sicht eines Reisenden darstellte (vergleichbar mit Montesquieus Persischen Briefen). Cadalso übte satirische Kritik an Spanien und prangerte die Unwissenheit und Leichtfertigkeit eines Teils der Jugend an.
- Gaspar Melchor de Jovellanos: Wichtige Werke: Informe sobre la Ley Agraria (Bericht über das Ackergesetz) und Memoria sobre espectáculos (Berichte über Spektakel). Er sah den Wohlstand der Völker in der Bildung begründet und unterstützte die Beteiligung von Frauen am gesellschaftlichen Leben.
- José Blanco White: Kritisierte in seinen Cartas de España (Briefe aus Spanien) als Einzelgänger das Spanien seiner Zeit.
Der Roman im 18. Jahrhundert
- Padre Isla (José Francisco de Isla): Ein vertriebener Jesuit, Humanist und kritischer Beobachter. Er schrieb Historia del famoso predicador Fray Gerundio de Campazas, eine Persiflage auf die sinnlose und barbarische Predigtkunst, die sich etabliert hatte. Das Werk beschreibt auch Sitten und Gebräuche.
- Diego de Torres Villarroel: Sein wichtigstes Werk war Vida, ascendencia, nacimiento, crianza y aventuras del Doctor Don Diego de Torres Villarroel, in dem er die Würde seiner Person und seiner Arbeit verteidigte. Er veröffentlichte auch El Barco de Aqueronte. Sein Stil zeichnet sich durch Klang, Rhythmus und verbalen Reichtum aus.
Die Lyrik im 18. Jahrhundert: Vom Barock zum Neoklassizismus
Die Lyrik des 18. Jahrhunderts begann im Stil des Barock, doch in der zweiten Hälfte setzte sich der Neoklassizismus durch.
- Ignacio de Luzán: Fasste in seinem Werk die neoklassizistischen ästhetischen Ideen zusammen. In seinen Memorias literarias de París präsentierte er Paris als Zentrum der Wissenschaft und Kunst und strebte danach, diese Kultur in Spanien zu etablieren.
- Diego de Torres Villarroel: Pflegte die satirische Dichtung in der Tradition Quevedos. Er verfasste letrillas, segundillas und Romanzen.
- Die Madrider Dichter: Während der Regierungszeit Karls III. wurde die Gruppe um die Tertulia de San Sebastián wichtig. Cadalso veröffentlichte dort seine Gedichte (Ocios de mi juventud).
- Die Schule von Salamanca: Intellektuelle wie Juan Meléndez Valdés versammelten sich hier. Sie verbanden die Liebe zur Menschheit mit dem Hass auf Fanatismus. Werke: La flor del Zurguén, Los incendios de Rosana.
- Jovellanos: Ein herausragender Dichter, dessen anakreontische Gedichte subjektive und romantische Züge aufwiesen (z. B. die Epistel an Fabia).
- Manuel José Quintana: Schrieb Oden (z. B. an Padilla), in denen er wissenschaftliche Projekte und Erfindungen thematisierte.
Das Drama des 18. Jahrhunderts
Neoklassizistische Tragödie
Hervorzuheben sind Nicolás Fernández de Moratín und Vicente García de la Huerta.
- Nicolás Fernández de Moratín: Schrieb Tragödien wie Lucrecia und Hamesinda. Er ist auch bekannt für seine von der spanischen Tradition inspirierten Romances und Letrillas.
- Vicente García de la Huerta: Schrieb Raquel, inspiriert von der jüdischen Geliebten Alfons VIII.
Die Neoklassizistische Komödie
Leandro Fernández de Moratín (Sohn) schuf die städtische Komödie, in der er bürgerliche Heuchelei, arrangierte Ehen und repressive Erziehung kritisierte und anprangerte.
Wichtige Werke: El sí de las niñas (Das Ja der Mädchen), El viejo y la niña (Der Alte und das Mädchen), La comedia nueva o El café (Die neue Komödie oder Das Café).