Katalanische Historiographie und mittelalterliche Literatur

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Die mittelalterliche katalanische Historiographie

Die Historiographie umfasst literarische Bezugnahmen auf primitive Formen der Geschichtsschreibung:

  • Epische Dichtung: Lieder der Geste (Chansons de geste) in Versform.
  • Cancelleresques-Chroniken: In Prosa verfasst.
  • Chroniken mit epischen und legendären Elementen: Darstellungen in Prosa, welche die Taten von Helden und Völkern erklären.

Die Geschichtsschreibung Kataloniens hat ihren Ursprung im Kloster von Ripoll unter der Hegemonie von Abt Oliva. Es war ein großes Zentrum der europäischen Kultur, beeinflusst durch die westgotische und griechisch-arabische Kultur.

Die vier großen katalanischen Chroniken

Obwohl die katalanischen Chroniken die Heldenlieder nicht verhindern konnten, übernahmen sie Linien und Techniken der epischen Dichtung. Sie bewahrten den Kern dieser Erzählungen, auch wenn sie die Form der Poesie verloren (Prosifizierungen).

1. Das Buch der Taten von Jakob I. (Llibre dels Fets)

Diese erste Chronik wurde zwischen 1240 und 1274 geschrieben. Erhaltene Handschriften stammen aus den Jahren 1343 und 1380. Sie ist in der 1. Person Plural (Majestätsplural „Wir“) verfasst. Jakob I. diktierte Briefe an seine Vertrauensmänner, die unter seiner Kontrolle schrieben.

Inhalt: Der Kern sind die wichtigsten Fakten aus dem Leben des Monarchen (von seiner Geburt 1207 bis zu seinem Tod 1276). Es gibt Momente der Beichte, in denen er persönliche Reaktionen auf Ereignisse erklärt, wie die Anekdote über das Schwalbennest: Er befahl, das königliche Zelt nicht abzubauen, bis die Schwalben flügge waren. Die Fakten sind ehrlich dargestellt, teils auch in für ihn ungünstigen Situationen (z. B. der Vertrag von Corbeil). Das Werk ist in vier Abschnitte unterteilt: Die Schlacht von Muret, die Eroberung von Mallorca und Valencia, der Streit mit Alfons X. um Murcia sowie die Kriege in Katalonien.

Sprache und Stil: Ein Klima von persönlichem Heroismus (grausame Kriegsszenen), Elemente römischer Epen, ein agiler Erzählstil und lebendige Dialoge mit populären Ausdrücken zeichnen das Werk aus.

2. Die Chronik von Bernat Desclot

Sie beginnt mit der Hochzeit von Ramon Berenguer IV. und Petronila von Aragon. Der Kern entspricht der Regierungszeit von Peter dem Großen (Hauptdarsteller). Themen sind die Invasion Kataloniens durch die Franzosen und die Befreiung des Territoriums durch den König.

Sprache und Stil: Desclot nutzt offizielle Dokumente und zeigt großes Geschick in der Komposition. Er verwendet eine kräftige, präzise und klare Prosa. Die Charaktere werden durch ihre Worte und Reaktionen lebendig (besonders Peter der Große). Die Sprache ist reich und variiert zwischen kultivierten Registern und Erzählweisen der Spielleute (Joglarescos).

3. Die Chronik von Ramon Muntaner

Ramon Muntaner (geboren 1265 in Peralada) war Kämpfer, Politiker und Soldat. Er schloss sich den Almogàvers an, nahm an der Eroberung von Menorca teil und war Gouverneur auf Gallipoli. Seine Chronik verfasste er in Xirivella.

Es handelt sich um eine „Hör-Chronik“ mit einer sehr flexiblen Sprache, die direkt an das Publikum gerichtet ist („Und was sagst du?“).

4. Die Chronik von Peter dem Zeremoniösen

Peter IV. von Aragon (1309–1387) förderte die Künste und organisierte das königliche Archiv. Seine Leidenschaft war die Geschichte als Lehre für Prinzen gegen den Trend der Verzerrung durch Fantasie.

Mit seinem schweren, formellen Stil verfolgte er zwei Ziele: Das Prestige der Monarchie gegenüber dem Bürgertum zu stärken und seine Handlungen als König zu rechtfertigen.

Religiöse Prosa des 13. und 14. Jahrhunderts

Während des Mittelalters verlor die Kirche an politischer Macht. Krisen wie das Abendländische Schisma, die Pest und Missernten prägten die Zeit. Religiöse Überzeugungen vermischten sich mit Aberglauben.

Ramon Llull

Geboren auf Mallorca, führte er zunächst ein höfisches Leben, bevor er nach einer Vision von Jesus sein Leben änderte. Er schrieb auf Katalanisch, Latein, Arabisch und Okzitanisch.

  • Lyrik: Desconort, Cant de Ramon.
  • Prosa/Romane: Blanquerna (inkl. Buch vom Freunde und dem Geliebten).
  • Lehre: Felix oder das Buch der Wunder (inkl. Buch der Tiere), Buch vom Orden der Ritterbürtigkeit.

Weitere wichtige Autoren

  • Francesc Eiximenis: Lo Crestià, Libre de les dones.
  • Vinzenz Ferrer: Bekannter Prediger, dessen Predigten (Sermons) europaweit berühmt waren.
  • Anselm Turmeda: Ein Franziskaner, der zum Islam konvertierte (Disputa de l'ase).
  • Isabel de Villena: Vita Christi; sie vertrat einen frühen, milden Feminismus.

Humanismus und der Dolce Stil Nuovo

Im 14. Jahrhundert kündigte der Humanismus die Renaissance an. Die menschliche Vernunft trat an die Stelle des göttlichen Rechts (Übergang vom Theozentrismus zum Anthropozentrismus) mit starkem Einfluss der griechisch-lateinischen Kultur.

Dolce Stil Nuovo

Dieser poetische Stil entstand in der Toskana. Er basiert auf der höfischen Liebe und dem Lob der idealisierten Dame (Donna angelicata). Merkmale sind die Spiritualisierung von Gefühlen und die Verwendung von Sonetten.

  • Dante Alighieri: Im Zentrum steht Beatrice. Werke: Vita Nuova (italienisch) und die Göttliche Komödie (lateinisch/italienisch), ein allegorisches Gedicht über das Jenseits.
  • Petrarca: Seine Muse war Laura. Er schrieb intime Poesie über unerwiderte Liebe und Melancholie, gesammelt im Canzoniere.
  • Boccaccio: Sein Hauptwerk ist das Decamerone, eine Sammlung von hundert Novellen. Sein Spätwerk Il Corbaccio ist eine Satire gegen eine Witwe.

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