Katalanische Literatur unter Franco: Exil, Innovation und die 70er

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Katalanische Literatur: Bürgerkrieg bis 1970

Während der Franco-Diktatur geriet die literarische Produktion in katalanischer Sprache in eine tiefe Krise. Viele Schriftsteller mussten ins Exil gehen, während sich kulturelle Gruppen im Inland bildeten. Die Literatur des Exils ist stark von dieser Erfahrung geprägt. Auch wenn neue Schriftsteller im Inland exotische Noten einbrachten, blieben die Themen des Krieges und seiner Folgen stets präsent.

Die Schriftsteller der 30er Jahre mussten in der Regel bis weit nach dem Krieg warten, um wieder schreiben zu können. Dennoch wurden wichtige Innovationen aus Europa übernommen:

  • Die Ablösung des allwissenden Erzählers durch einen beobachtenden oder gleichwissenden Erzähler (Erzähler-Perspektive).
  • Der Ersatz des direkten Stils durch die indirekte Rede oder den freien indirekten Stil.
  • Die Ablösung des inneren Monologs durch den Monolog.
  • Das Verschwinden traditioneller Handlungsstränge (Argumente).
  • Das Verschwinden des traditionellen Helden.
  • Eine neue Auffassung von Zeit und der Bruch mit der Linearität.

Enric Valor: Folkloristische Erzählungen

Enric Valor begann seine Arbeit mit literarischen und folkloristischen Geschichten von großem kreativem Wert. Er verwendete einen reichen Wortschatz und eine volkstümliche Sprache im Rahmen der geltenden Vorschriften. Seine Geschichten wählte er nach Kriterien des guten Geschmacks aus und nutzte eine narrative Struktur aus fünf Teilen.

Er klassifizierte die Geschichten in drei Gruppen:

  1. Wundergeschichten (Meravelloses): Mit übernatürlichen Wesen oder Objekten.
  2. Praktische Geschichten: Die die Lebensweise der Gesellschaft widerspiegeln.
  3. Tiergeschichten: Ähnlich den Fabeln.

Seine novellistische Produktion ist ausgereift. Besonders hervorzuheben sind die drei Romane des Cassano-Zyklus, in denen Cassano eine Transsumption von Castella darstellt. Seine Romane sind dem traditionellen realistischen Erzählen zuzuordnen, verwenden eine Erzählweise in der dritten Person und distanzieren sich von früheren Experimenten.

Mercè Rodoreda: Exil und psychologische Tiefe

Mercè Rodoreda wurde in einer literaturinteressierten Familie geboren. Nach dem Bürgerkrieg ging sie ins Exil und lebte in Paris, bis sie in den sechziger Jahren nach Katalonien zurückkehrte. Ihr fiktionales Werk gliedert sich in drei Phasen:

  1. Die Jahre des Lernens: Zu dieser Zeit entstand Aloma, ihr erster Roman, in dem eine junge Frau ihre Unschuld durch die Beziehung zu einem erfahrenen Mann verliert.
  2. Die Phase der Reife: Sie schrieb Zweiundzwanzig Geschichten, die ihre typischen Themen behandeln: den Kampf gegen die Eintönigkeit des Alltags und die Schwierigkeit der Beziehung zwischen Mann und Frau. In dieser Zeit entstand auch Der Platz des Diamanten (La Plaça del Diamant), das durch die Verwendung des inneren Monologs der Protagonistin gekennzeichnet ist.
  3. Die letzte Phase: Sie schrieb Der zerbrochene Spiegel (Mirall Trencat), ein Roman, der sich dem Pamphlet annähert.

Ihr Werk zeichnet sich durch eine tiefgehende psychologische Behandlung der Charaktere und eine kühne symbolische Erzählweise aus.

Die Erzählung ab den 1970er Jahren

In den 1970er Jahren etablierte sich eine Erzählung des Bruchs, die von klassischen narrativen Methoden abwich. In den 1980er Jahren hingegen zeigte sich bei den Schriftstellern der Wunsch nach einer Rückkehr zu traditionellen Erzählformen und der Kultivierung spezifischer Erzählgenres. Die Strömungen der Romanliteratur können in drei Hauptgruppen eingeteilt werden:

  • Psychologischer Realismus: Romane, die die innere Welt der Charaktere und ihre Psychologie erforschen. Hierbei werden oft Tabuthemen oder die bürgerliche Moral transgressiv angegriffen.
  • Genre-Romane: Romane, die Genres wie Kriminalliteratur (Noir), Erotik, Jugendliteratur und historische Themen pflegen. Das Anliegen ist universell.
  • Mythische Universen: Diese sind oft mit der Biografie des Autors verbunden und versuchen, die Erinnerung an die Kindheit oder Jugend wiederzuerlangen.

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