Kindliche Entwicklung von 0 bis 2 Jahren: Theorien

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Entwicklung von 0 bis 2 Jahren

Von der Geburt bis zum 6. Monat durchläuft das Kind eine Einarbeitungszeit, in der es grundlegende Fähigkeiten entwickelt und Rhythmen für Fütterung sowie Schlaf-Wach-Zyklen etabliert. Es beginnt, interne und externe Erfahrungen zu internalisieren. In dieser Phase entwickelt sich die „menschliche Bindung“. Während das Kind anfangs noch keine festen Zuneigungsbande knüpft, zeigt sich ab dem 7. Monat eine deutlich erhöhte Bindungsfähigkeit zur Mutter.

Ein Mangel an Stimulation in dieser Phase kann zu Hospitalismus führen, was die Bedeutung einer konstanten Bezugsperson unterstreicht. Vom 6. Monat bis zum Ende des ersten Lebensjahres festigt sich die Bindung. Das Kind benötigt die ständige Präsenz der Mutter, da es sie bei längerer Abwesenheit noch nicht mental präsent halten kann. Trennungen können zu Angststörungen, Ess- oder Verdauungsproblemen führen. Nach dem zweiten Lebensjahr ist das Kind in der Lage, sich an die Mutter zu erinnern, auch wenn sie nicht physisch anwesend ist.

Freud: Die orale Phase

Freud bezeichnet die Entwicklung von 0 bis 2 Jahren als orale Phase. Das Lustempfinden konzentriert sich auf Aktivitäten wie Saugen und den Mundbereich. Zentrale Aspekte sind das Lustprinzip, das Es, unbewusste Prozesse und der Narzissmus.

  • Lustprinzip: Das Streben nach Befriedigung der Triebe des Es.
  • Das Es: Sitz der primitivsten Wünsche und unbewussten Prozesse.
  • Archaischer Narzissmus: Das Kind sieht sich als Mittelpunkt der Welt.

Lacan ergänzt dies durch die Spiegelphase, in der das Kind beginnt, sich von der Mutter zu unterscheiden und ein eigenes Ich-Bild zu konstruieren.

Erikson: Vertrauen vs. Misstrauen

Erikson nennt diese Phase den Erwerb eines grundlegenden Vertrauens bei gleichzeitiger Überwindung des grundlegenden Misstrauens. Das Vertrauen entsteht durch die verlässliche Erfüllung der Bedürfnisse durch die Mutter. Dies führt zur Konsolidierung der Hoffnung. Die Mutter-Kind-Beziehung bildet die soziale Matrix, die dem Kind Sicherheit vermittelt und die Welt als zugänglich erscheinen lässt.

Piaget: Die sensomotorische Phase

Piaget beschreibt die Entwicklung von 0 bis 2 Jahren als sensomotorische Phase. Das Kind handelt rein motorisch, ohne abstrakte Begriffe. Er unterteilt diese in sechs Stufen:

  1. Reflexe: Angeborene Reaktionen im ersten Monat.
  2. Primäre Kreisreaktionen: Wiederholung von Aktivitäten (1 bis 4 Monate).
  3. Sekundäre Kreisreaktionen: Entdeckung von Zusammenhängen mit der Umwelt (4 bis 8 Monate).
  4. Koordinierung sekundärer Schemata: Gezieltes Handeln mit Objekten (8 bis 12 Monate).
  5. Tertiäre Kreisreaktionen: Aktives Experimentieren (12 bis 18 Monate).
  6. Mentale Strukturen: Beginn der Intentionalität und Nachahmung (18 bis 24 Monate).

Wichtige Konzepte bei Piaget

  • Amoralität: Das Kind handelt in dieser Phase noch ohne moralische Wertung.
  • Irreversibilität vs. Reversibilität: Das Verständnis, ob Handlungen umkehrbar sind oder nicht.
  • Egozentrismus: Das Kind kann noch nicht zwischen seiner eigenen Perspektive und der anderer unterscheiden.
  • Sprache: Entwicklung vom egozentrischen Sprechen (Internalisierung) hin zur sozialen Sprache (Kommunikation mit der Umwelt).

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