Kirche im Mittelalter: Klosterreformen, Orden, Kunst und Kreuzzüge
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Klosterreformen im Hochmittelalter
Eine Reform war notwendig, weil die Klöster in Machtmissbrauch verfielen. Die Befugnisse der Äbte wurden erheblich ausgeweitet, und viele Äbte wandelten sich zu Feudalherren.
Die Abtei von Cluny
Die Abtei von Cluny: Ihre Mönche begannen, die großen Prinzipien der Regel des heiligen Benedikt wiederherzustellen. Cluny strebte nach Unabhängigkeit von weltlicher Macht und reformierte die inneren Ordnungen und liturgischen Gepflogenheiten der Klöster. Von Cluny abhängige Klöster verbreiteten sich in ganz Europa und förderten die romanische Kunst.
Die Zisterzienser von Cîteaux
Die Zisterzienser-Abtei von Cîteaux: Die Mönche von Cluny hatten sich mit der Zeit auch mancher Fehler ihrer Vorgänger angeeignet. Fast zwei Jahrhunderte später strebte Robert von Molesme eine Rückkehr zur ursprünglichen Strenge an und gründete beziehungsweise reformierte die Zisterzienserabtei von Cîteaux.
Bettelorden und Wallfahrten
Entstehung der Bettelorden
Die Bettelorden entstanden, weil im dreizehnten Jahrhundert die Urbanisierung und das Auftreten bestimmter Häresien eine neue Situation für die Kirche schufen. Ländliche Priester konnten die Bedürfnisse der wachsenden städtischen Armen nicht ausreichend seelsorgerisch betreuen.
Wichtige Orden
Die Kirche trug und übertrug die christliche Kultur im Mittelalter. In dieser Zeit entstanden mehrere bedeutende Orden:
- Die Dominikaner (gegründet von Dominikus, Domingo de Guzmán),
- Die Franziskaner (gegründet von Franz von Assisi),
- Die Augustiner (nach dem Vorbild des heiligen Augustinus),
- Die Karmeliten (benannt nach dem Berg Karmel).
Sie lebten in kleinen, oft armen städtischen Gemeinschaften und widmeten sich dem Predigen und geistlichen Arbeiten. Sie besaßen nicht den Reichtum großer Abteien, sondern bestritten ihren Lebensunterhalt durch Almosen und einfache Lebensführung.
Wallfahrten
Eine Wallfahrt ist eine Einzel- oder Gruppenreise aus religiösen Gründen zu einem heiligen Ort. Die drei beliebtesten Ziele im Mittelalter waren Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela.
Kreuzzüge und ihre Folgen
Ausbreitung des Islam und Folgen
Die Ausbreitung des Islam hatte zwei wesentliche Konsequenzen für die Kirche des Westens:
- Sie unterbrach oder erschwerte Handelsbeziehungen mit ostchristlichen Reichen.
- Die Pilger hatten große Schwierigkeiten, die heiligen Stätten sicher zu besuchen.
Die Kreuzzüge (1095–1270)
Zwischen 1095 und 1270 fanden mehrere Unternehmungen statt; man spricht von acht großen Kreuzzügen in diesem Zeitraum. Jerusalem wurde 1099 unter grausamen Massakern erobert, später jedoch wieder von muslimischen Kräften zurückerobert.
Positive und negative Aspekte
Positive und negative Aspekte: Auch wenn die militärischen Ziele insgesamt oft scheiterten, stärkten die Kreuzzüge die Macht des Papstes und eröffneten neue Handelswege mit dem Orient. Gleichzeitig trugen sie jedoch zur Vertiefung der Kluft zwischen Christen des Ostens und Westens bei.
Abendländisches Schisma
Abendländisches Schisma: Im vierzehnten Jahrhundert wurde in Italien Urban VI. zum Papst gewählt. Eine Gruppe vor allem französischer Kardinäle lehnte die Wahl ab, erklärte sie für ungültig und wählte daraufhin Clemens VII., der in Avignon (Frankreich) residierte. So gab es fortan zwei Päpste, einen in Rom und einen in Avignon; beide Seiten exkommunizierten einander, und das Christentum spaltete sich in der sogenannten Westschisma (abendländisches Schisma).
Um das Schisma zu lösen, trafen sich die Kirchenvertreter beim Konzil von Pisa: Dort wurden die beiden rivalisierenden Päpste abgesetzt und ein dritter, Alexander V., gewählt. Das Verfahren verschlimmerte die Situation jedoch, weil die früheren Anspruchsteller nicht zurücktraten. Jahre später wählte das Konzil von Konstanz einen neuen Papst, Martin V.; von den drei Päpsten traten zwei zurück (Johannes XXIII. und Gregor XII.), während Benedikt XIII. aus Avignon floh und schließlich in der Burg von Peñíscola Zuflucht fand, wo er starb.
Ost-West-Schisma
Schisma: Die Trennung zwischen der lateinischen (westlichen) und der griechisch-orthodoxen Kirche wurde zunehmend tiefgreifender und hatte politische, kulturelle und religiöse Ursachen. Die formelle Trennung vollzog sich im Jahr 1054, als der Patriarch Michael Keroularios (Michael Cerularius) die Schließung lateinischer Kirchen im Osten anordnete. Papst Leo IX. und der Patriarch von Konstantinopel exkommunizierten einander. So entstand die orthodoxe Kirche als eigenständige Gemeinschaft. Jahrhunderte später trafen Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras in Jerusalem zusammen: Sie umarmten sich symbolisch und hoben die gegenseitigen Exkommunikationen auf.
Gotische Kunst und Kathedralen
Die gotische Kunst entwickelte sich im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert. Ihr Ziel war die Betonung der Vertikale und des Lichts als Ausdruck der Göttlichkeit. Der typischste Ausdruck ist die Kathedrale, aber auch in abgelegenen Klöstern, besonders denen der Zisterzienser, die Armut und Ruhe predigten, finden sich gotische Elemente.
Merkmale gotischer Kathedralen
Merkmale gotischer Kathedralen: Sie zeichnen sich durch ihre schlanke Bauweise aus, das Ersetzen massiver Steinmauern durch luftige Strukturen und großen Glasanteil, wodurch Licht ins Kirchenschiff fällt; die Betonung vertikaler Elemente ist kennzeichnend. Beispiele in Spanien sind León, Burgos, Toledo, Palma de Mallorca, Barcelona usw.
Universitäten und Kulturvermittlung
Die Kirche förderte und übertrug die christliche Kultur im Mittelalter. Neben Klöstern und Kathedralen entstanden klösterliche Schulen und Kathedralschulen. Um 1200 entstanden die ersten Universitäten: Palencia und Salamanca in Spanien sowie Bologna, Paris und Oxford in Westeuropa. Dort studierte man Latein, Theologie, Philosophie, Recht und Medizin.
Gregorianischer Choral
Der Gregorianische Choral ist ein liturgischer Gesang, dessen Texte überwiegend aus den Psalmen und anderen biblischen Texten stammen. Gesungen wurde er meist in Latein; der Name leitet sich von Papst Gregor I. ab.