Die Klassengesellschaft im 19. Jahrhundert: Kapitalismus & Arbeiterbewegung
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Die Entstehung der Klassengesellschaft im 19. Jahrhundert
9.1. Prinzipien der kapitalistischen Gesellschaft
Die ökonomischen Prinzipien des Kapitalismus führen zur Spaltung der Gesellschaft in Klassen: Eigentümer, soziale Schichten und Arbeiter. Es entstehen neue wirtschaftliche Beziehungen, die auf gegenseitigen Vereinbarungen (Verträgen) basieren. Dies umfasst die Verteilung von Wohlstand durch Löhne, Gewinne aus Kapitalinvestitionen und Erträge für Grundbesitzer.
9.2. Die neue herrschende Klasse
Der Adel bewahrt im 19. Jahrhundert sein Erbe und ist eng mit der Zeit von Isabella II. verbunden. Die Bourgeoisie, bestehend aus Grundbesitzern und Unternehmern aus diversen Wirtschaftsbereichen, ist weniger an die traditionelle Macht gebunden. Die städtischen Mittelschichten, Kleinbauern und Angehörige freier Berufe bilden eine konservative Gruppe, die nach sozialem Aufstieg strebt.
9.3. Die unteren Gesellschaftsschichten
Städtische Gruppen
Dazu gehören Dienstleistungsarbeiter, Beamte und Angestellte, die an der Grenze zwischen Mittelstand und Unterschicht stehen. Handwerker verlieren an Bedeutung und werden Teil des Proletariats. Sie leiden unter niedrigen Löhnen und langen Arbeitszeiten.
Industrieproletariat
Die industrielle Arbeiterklasse ist geprägt von niedrigen Löhnen, langen Arbeitszeiten, einem nie dagewesenen Arbeitstempo und schwierigen Lebensbedingungen in heruntergekommenen Stadtvierteln.
Ländliche Bevölkerung
- Eigentümer: Bauern, die ihr eigenes Land bebauen.
- Pächter: Mieten Land zur Bewirtschaftung.
- Teilpächter: Bewirtschaften Land im Austausch für einen Teil der Ernte und eine Unterkunft, oft mit lebenslangen Verträgen (z. B. für Weinberge).
- Tagelöhner: Werden für ihre Arbeit auf dem Land bezahlt, haben aber keine Kontrolle über das Land.
9.4. Die ersten Gewerkschaften (1840–1868)
Die Anfänge der Gewerkschaftsbewegung liegen in der Organisation von Arbeitern in Vereinigungen, um ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verteidigen und zu verbessern. Merkmale des Unionismus ab 1840 waren Gewerkschaften und Verbände zum gegenseitigen Schutz, die sich zunächst auf rein arbeitsrechtliche Forderungen konzentrierten.
9.5. Der Internationalismus (1868–1874)
Die demokratische Revolution von 1868 ermöglichte die Ausbreitung internationalistischer Ideen in der Arbeiterbewegung und die Ankunft der AIT (Internationale Arbeiter-Assoziation) in Spanien. Die AIT spaltete sich in zwei Hauptströmungen:
- Anarchisten (Giuseppe Fanelli): Befürworteten die Abschaffung des Staates und die Kollektivierung.
- Marxisten (Paul Lafargue): Zielten darauf ab, dass die Arbeiter die politische Macht erobern.
Im Jahr 1874 wurde die AIT in Spanien für illegal erklärt.
9.6. Anarchismus und Sozialismus (1874–1898)
Anarchistische Strömungen
Diese waren vor allem in Katalonien und Andalusien verwurzelt und spalteten sich in zwei Gruppen: Anhänger des gewerkschaftlichen Kampfes (Bakunisten) und Befürworter der direkten Aktion (Kropotkinisten). Die Bewegung war starker Unterdrückung ausgesetzt (Dynamik von Aktion und Reaktion).
Sozialistische Organisationen
Diese hatten ihre Wurzeln in Madrid und Bizkaia.
- Der Partido Socialista Obrero Español (PSOE) wurde 1879 von Pablo Iglesias gegründet. Er verfolgte eine marxistische und reformistische Agenda und kämpfte für politische und gewerkschaftliche Rechte.
- Die Unión General de Trabajadores (UGT) wurde 1888 als Massengewerkschaft gegründet.
9.7. Frauen in der Industriegesellschaft
Frauen galten nicht als unabhängige Individuen, besaßen keine politischen Rechte und waren rechtlich von Männern abhängig. Das Moyano-Gesetz von 1856 sah zwar eine Schulpflicht vor, doch für Frauen war diese meist auf die Grundschule beschränkt. Frauenarbeit war weit verbreitet:
- In ländlichen Gebieten: Die Arbeit war grundlegend für den Unterhalt der Familie.
- In der Industrie: Frauenarbeit galt als Ergänzung zur männlichen Arbeit.
Die Bildung von Frauen zielte nicht auf beruflichen Aufstieg ab. Nur eine aktive Minderheit beteiligte sich an Gewerkschaften. In den freien Berufen war hauptsächlich das Lehramt für Frauen zugänglich.