Das Kolosseum: Architektur und Geschichte Roms
An der Außenseite zeigt das Gebäude einen Stylobat, auf dem drei griechische Säulenordnungen übereinander angeordnet sind. In jedem Stockwerk befindet sich eine Reihe von Bögen: im ersten Stock die dorische (toskanische) Ordnung, im zweiten die ionische und im dritten die korinthische. Das vierte Stockwerk bildet ein Gebälk mit einem Dachboden, der mit massiven korinthischen Pilastern und Fenstern dekoriert ist. Es sind noch einige der 240 Klammern für die Halterung des Sonnensegels (Velarium) erhalten.
Das gesamte Äußere war ursprünglich mit Stuck verkleidet. In den Bögen des zweiten und dritten Stocks standen Statuen, und der kaiserliche Baldachin war prachtvoll gestaltet. Die internen Korridore enthielten Marmorreliefs. Die 80 Rundbögen des unteren Decks dienten als natürlicher Zugang zum ausgeklügelten Treppensystem der Tribünen. Das System nutzt nicht das natürliche Geländerelief, sondern erhebt sich über überlappenden Domen und radial angeordneten Pfeilern. Diese ringförmigen Gänge und Galerien werden von Kuppeln und Kreuzgratgewölben überdeckt. Es ist ein Meisterwerk, das den Zugang für 50.000 Zuschauer zum Amphitheater gewährleistete.
Der Aufbau der Arena und des Hypogäums
Die Arena bestand aus einem kreisförmigen Platz, der mit Sand für Feierlichkeiten bedeckt war. Kaiser Domitian baute neben dem Dachboden im vierten Stock einen Keller unter dem Sand aus. Dieses Hypogäum war mit gewölbten Gängen, Treppen und einer Verteilung von Kammern für den schnellen Ablauf der Shows konzipiert. Es verfügte über Räume, ein Flaschenzugsystem und eine Vorrichtung zur Abdichtung.
Geschichte und Symbolik
Das Flavische Amphitheater, heute als Römisches Kolosseum bekannt, wurde zwischen 70 und 80 n. Chr. im Tal des Kolosseums im kaiserlichen Rom erbaut. Der Bau wurde von Kaiser Vespasian begonnen. Der Name bezieht sich nicht auf die kolossale Größe des Gebäudes, sondern auf die Kolossalstatue des Nero, die daneben errichtet wurde. Es diente als Hauptsitz für römische Unterhaltung und als Symbol kaiserlicher Großzügigkeit. Geboten wurden Kämpfe zwischen Gladiatoren und wilden Tieren sowie Inszenierungen mythologischer Schlachten. Sogar Seeschlachten (Naumachien) wurden im gefluteten Sand durchgeführt.
Das Kolosseum verherrlichte Kaiser Vespasian als Geschenk an das Volk, um die Extravaganzen seines Vorgängers Nero vergessen zu machen. Die Einweihungsfeier dauerte 100 Tage. Das Amphitheater war eine römische Innovation, da es die Vereinigung zweier Theater darstellte, während die Griechen nur einfache Theater kannten. Mit seinen Ebenen und der Sandarena wurde es zum Prototyp für andere Amphitheater.
Architektonische Merkmale und Einflüsse
Das Gebäude ist eine perfekte Kombination aus griechischem Architrav und der römischen Nutzung des Bogens. Ein weiteres Kernelement ist die Verwendung von Tonnen- und Kreuzgratgewölben. Die Fassade erzeugt einen visuellen Eindruck durch das Spiel zwischen Kurven und Hintergründen. Im historischen Kontext flossen etruskische Kunst (toskanische Säule) und das idealisierte Bild der griechischen Ästhetik ein. Nach der Eroberung Griechenlands importierte Rom Skulpturen und architektonische Elemente.
Die römische Kunst zeichnet sich durch ein utilitaristisches Konzept aus, das auf Lösungen wie dem Bogen, dem Gewölbe und dem Mauerwerk (Opus caementicium) basiert. Als Materialien wurden Stein, Beton und Ziegel verwendet. Tragende Elemente sind Pfeiler und Mauern. In der Fassade verschmelzen Architrav-Systeme mit Bogen- und Gewölbelösungen (Superposition). Die Weiterentwicklung des Rundbogens führte zum Tonnengewölbe.
Das öffentliche Leben in Rom
Freizeit war für die Römer sehr wichtig. Das öffentliche Leben konzentrierte sich auf:
- Das Forum: Zentrum für Politik und Soziales.
- Die Thermen: Orte für Gesundheit und körperliche Schönheit.
- Die Spiele: Organisiert von Richtern oder dem Kaiser während religiöser Festlichkeiten.
Im Gegensatz zu griechischen Theatern, die natürliche Unebenheiten nutzten, hoben römische Theater ihre eigene Struktur hervor. Sie waren unterteilt in:
- Cavea: Zuschauerraum.
- Orchester: Platz für den Chor.
- Proscenium: Bühne für die Schauspieler.
- Scena: Ort der theatralischen Darstellung.
Neben dem Amphitheater waren das Odeon und der Zirkus (für Kult-Spiele) wichtige Orte. In der Wohnarchitektur (Architectura domestica) unterschied man:
- Domus: Das Haus der wohlhabenden Bürger.
- Insula: Das Mietshaus für das einfache Volk.
- Villae: Landhäuser außerhalb der Städte.
Innerhalb der öffentlichen Denkmäler betonte das Forum das öffentliche Leben, wo wichtige Gebäude wie die Basilika (für Geschäfte) und der Senat konzentriert waren.