Konfliktlinien der Nachhaltigen Entwicklung und Umweltpolitik
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Die Diskussion zur Nachhaltigen Entwicklung und Umweltpolitik (Reading 2)
Eine neue Stufe des Konflikts: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Das Paradigma der „Nachhaltigen Entwicklung“ hat einen doppelt problematischen Ausgangspunkt:
- Die Verschlechterung der Umweltprobleme auf globaler Ebene und das Bewusstsein, dass es Grenzen der „Umweltverträglichkeit“ gibt.
- Die Verschärfung der sozialen Ungleichgewichte zwischen Nord und Süd.
Das Konzept der „Nachhaltigen Entwicklung“ schafft ein neues (kognitives und internationales) Szenario der Konfrontation zwischen verschiedenen sozialen Entwicklungsstrategien, die Folgendes umfassen:
- Die Produktions- und Konsummuster in den Industrieländern haben ihre Grenzen der Umwelttoleranz erreicht.
- Die wachsende Kluft zwischen Nord und Süd ist verantwortlich für schwere Umweltschäden auf regionaler Ebene.
Hinsichtlich der Lösungen scheint ein allgemeiner Konsens zu bestehen:
- Bestimmte Grenzen der Toleranz und Regenerationsfähigkeit dürfen nicht überschritten werden.
- Bestimmte Kriterien der „Generationengerechtigkeit“ müssen erfüllt werden.
- Nur Strategien, die die ökologischen Aspekte der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung berücksichtigen, können angemessene Lösungen für das Problem der „Nachhaltigen Entwicklung“ bieten.
Vier Linien des Entwicklungsdiskurses
Die Interpretation der Natur weist in der Nachhaltigkeitsdebatte zwei Varianten auf:
- Die Natur wird auf eine einfache Produktionsfunktion (natürliches Kapital) reduziert. Die Natur ist zu einem großen Teil durch künstliches Kapital (Geld und Technologie) ersetzbar.
- Die Natur ist ein globales Medium ökologischer und sozialer Funktionen. Neben der Produktionsseite werden kulturelle und ökologische Aspekte berücksichtigt.
Es lassen sich vier theoretische Tendenzen unterscheiden:
1. Business as usual
Die Natur spielt eine produktive Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung. Nachhaltige Entwicklung wird auf „nachhaltiges Wachstum“ reduziert.
2. Grüne Wirtschaft / Ökologische Modernisierung
Dieser Diskurs verwirft die Idee, dass natürliches Kapital durch künstliches Kapital ersetzt werden kann. Ihr Ausgangspunkt ist die Umwelt als Nutzungsraum. Misserfolge durch Überfischung und Umweltverschmutzung sind das Problem des „kollektiven Gutes“.
Verderbte Kosten werden externalisiert und kommen mit einem positiven Vorzeichen als Reparaturkosten in das Bruttosozialprodukt (BSP) zurück.
Eine entscheidende Verbesserung zur Lösung des Problems des „kollektiven Gutes“ ist die Internalisierung negativer externer Effekte (Umweltkosten). Diese Strategie fördert die Entkopplung von Wachstum, Ressourcenverschwendung und materialintensivem Konsum (→ „Effizienz-Revolution“).
3. Strukturelle Begrünung
Eine strukturelle Veränderung im westlichen Lebensstil, sowohl in Produktions- als auch in Konsummustern, ermöglicht eine nachhaltige Entwicklung. Dieser Diskurs berücksichtigt nicht nur die Belastungsgrenzen der Umwelt, sondern auch globale Fragen der sozialen Gerechtigkeit.
4. Traditionalismus Moderne
Die moderne westliche Zivilisation und ihr instrumentelles Verhältnis zur Natur sind die Ursachen des Problems. Nachhaltige Entwicklung bedeutet die Erhaltung oder Wiederherstellung traditioneller Kulturen, die seit Jahrhunderten in Harmonie mit der Natur leben, basierend auf einer biozentrischen und religiösen Kooperation.
Operatives Konzept der Nachhaltigen Entwicklung
Die Nachhaltigkeit basiert auf drei allgemeinen Regeln des Umweltmanagements:
- Die Nutzungsrate erneuerbarer Ressourcen darf deren Regenerationsrate nicht überschreiten.
- Nicht erneuerbare Ressourcen dürfen nur in dem Maße genutzt werden, wie dies durch die Schaffung neuer erneuerbarer Ressourcen und die Steigerung der Ressourcenproduktivität ausgeglichen wird.
- Die Rate schädlicher Emissionen darf die Verarbeitungskapazität der Umwelt nicht überschreiten.