Die Konsolidierung des Franco-Regimes (1950–1975)
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Die Konsolidierung des Franco-Regimes
In den 1950er-Jahren begann die schrittweise internationale Anerkennung des Franco-Regimes. Der Kalte Krieg machte Spanien zu einem notwendigen Verbündeten für die USA. Im Jahr 1953 wurden die US-spanischen Verträge unterzeichnet: Spanien stellte Militärbasen zur Verfügung und erhielt im Gegenzug wirtschaftliche sowie militärische Hilfe. Dies führte zur internationalen Integration: Aufnahme in die UNO (1955) sowie Beitritt zur Weltbank, zum IWF und zur OEEC.
Das Regime hielt an seinen politischen Grundsätzen fest, doch die neue Situation erforderte eine Anpassung der Wirtschaftsordnung an die inneren Umstände und internationalen Anforderungen.
Wirtschaftliche Veränderungen
Vom Ende der Autarkie zur Liberalisierung
Trotz der finanziellen Unterstützung stand Spanien vor dem Bankrott. Soziale Proteste in den wichtigsten Industriezentren und die Einbindung in internationale Organisationen erzwangen die Aufgabe der Autarkie. 1957 wurde eine neue Regierung gebildet, der Mitglieder des Opus Dei angehörten: Die sogenannten Technokraten (wie Ullastres und Navarro Rubio) waren Befürworter einer wirtschaftlichen Modernisierung und Liberalisierung, um den Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern.
Der Stabilisierungsplan von 1959
Im Gegenzug für internationale Kredite verpflichtete sich die spanische Regierung zu Interventionen zur Defizitsenkung und zum Abbau von Handelshemmnissen. Die Ziele des Plans waren vor allem: niedrigere Preise, höhere Ersparnisse und eine wirtschaftliche Öffnung nach außen.
Zu den Maßnahmen gehörten:
- Die Abwertung der Peseta
- Steigende Zinsen
- Förderung des Handels
- Lohnmäßigung
- Förderung ausländischer Investitionen
Die ersten Ergebnisse waren zunächst negativ: Konkurse unrentabler Unternehmen und zunehmende Arbeitslosigkeit prägten das Bild. Ab 1961 begannen jedoch die positiven Auswirkungen spürbar zu werden.
Entwicklungspläne (1964–1975)
Spanien folgte dem französischen Modell der indikativen Wirtschaftsplanung. Der Staat legte Ziele fest und gab vor, wie Arbeitgeber diese durch Steuererleichterungen erreichen konnten. Von 1964 bis 1975 konzentrierten sich drei Vierjahrespläne auf den industriellen Sektor, um die Unternehmenseffizienz zu steigern. Es wurden sogenannte Entwicklungszonen geschaffen, um neue Industrien in Regionen mit geringer Industrialisierung zu fördern.
Das spanische Wirtschaftswunder
Zwischen 1960 und 1973 erlebte die spanische Wirtschaft ein spektakuläres Wachstum. Die günstige internationale Situation der 60er-Jahre begünstigte Spanien entscheidend. Besonders die Sekundärwirtschaft – Chemie, Metallurgie und Automobilindustrie – entwickelte sich stark, blieb jedoch abhängig von ausländischer Technologie. Das Pro-Kopf-Einkommen stieg in diesem Zeitraum deutlich an.
Dennoch wies das „Wirtschaftswunder“ gravierende Mängel auf: regionale Disparitäten, ein Abfluss von Arbeitskräften und eine Bevorzugung von Kapitalimporten. Die Produktivität stieg kurzfristig, generierte aber nicht ausreichend Beschäftigung. Ein Teil der Erwerbsbevölkerung migrierte ins Ausland, um Armut und Arbeitslosigkeit zu entfliehen.
In den 70er-Jahren war Spanien zwar ein Industrieland, doch es bestanden weiterhin große Ungleichheiten. Neben industriellen und touristischen Gebieten blieben andere Regionen agrarisch rückständig. Trotz des gestiegenen Lebensstandards ließ der Mangel an öffentlichen Dienstleistungen viele Arbeiter ungeschützt. Kulturelle Rückstände verlangsamten zudem das qualitative Wirtschaftswachstum.
Sozialer Wandel und Urbanisierung
Durch einen starken Anstieg der Geburtenrate und die rasche Entwicklung zur Konsumgesellschaft wandelte sich Spanien von einem ländlich geprägten Land zu einem zunehmend urbanen Staat. Das Wirtschaftswachstum wurde von massiver Binnenwanderung und Landflucht begleitet. Der Rückgang der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte führte zur Mechanisierung der Landwirtschaft.
Die urbane Konzentration verschärfte die regionalen Unterschiede; mit Ausnahme von Madrid kam es im Landesinneren zu einer schrittweisen Entleerung. In den Städten entstanden Slums und Viertel mit mangelhafter Infrastruktur für Immigranten. Der Tourismus-Boom förderte zudem die Immobilienspekulation und hatte starke Auswirkungen auf die Umwelt. Die neue Sozialstruktur war vor allem durch das numerische Übergewicht der städtischen Mittelschicht geprägt.
Politische Entwicklung und Unbeweglichkeit
Einige Maßnahmen konnten als Symptome einer politischen Öffnung gedeutet werden:
- Grundgesetz der Nationalen Bewegung (1958): Definierte Spanien als traditionelle, katholische und soziale Monarchie, wobei Franco die nationale Souveränität verkörperte.
- Pressegesetz (1966, „Lex Fraga“): Beendete die Vorzensur, förderte jedoch die Selbstzensur durch Drohungen und Sanktionen bei Verstößen gegen die Staatsprinzipien.
- Organgesetz des Staates (1967): Sah eine Trennung von Staatsoberhaupt und Regierungschef vor, was Franco jedoch erst 1973 umsetzte.
Im Jahr 1969 ernannte Franco Juan Carlos de Borbón zu seinem Nachfolger mit dem Titel „Prinz von Spanien“. Damit sollte die Kontinuität des Systems durch eine auf den Prinzipien der „Nationalen Bewegung“ basierende Monarchie gesichert werden.