Konsumgesellschaft in Spanien: Wirtschaftliche und soziale Folgen
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Die Konsumgesellschaft
Die Konsumgesellschaft
Trotz ihrer Beschränkungen führte die wirtschaftliche Entwicklung zur Entstehung der Konsumgesellschaft in Spanien. Die weit verbreitete Verwendung von Geräten – zwei Drittel der Haushalte hatten im Jahr 1969 Fernsehen – und das Auto – ein Viertel der spanischen Familien besaß in jenem Jahr ein Auto – waren Elemente, die das Bild der neuen Gesellschaft am besten veranschaulichen.
Die Konsumgesellschaft, gekennzeichnet durch den Zugang zu mehr Informationen und eine größere Mobilität, brachte vor allem bei Jüngeren eine neue Denkweise hervor, die mit dem Traditionalismus des Systems kollidierte: progressive Lockerung in Bezug auf die Bedeutung religiöser Gewohnheiten (Iglesia). Außerdem entstanden neue Formen der sozialen Beziehungen zwischen den Geschlechtern, insbesondere durch die Eingliederung der Frauen in die Arbeitswelt.
Mode, Bräuche und Kostüme veränderten sich, beeinflusst von Landwirtschaft und Tourismus. Der Agrarsektor ging dabei deutlich zurück: sein Anteil am BIP sank von 23 % auf 9 %.
Oligarchie, Mittelschichten und Welt der Arbeit
3. Die Oligarchie, die Mittelschichten, die Welt der Arbeit.
In den 1960er Jahren verdoppelte sich in Spanien nahezu das Nationaleinkommen; Konsum und Lebensstandard verbesserten sich dramatisch. Wichtige Reformen waren die Verabschiedung des Rahmengesetzes zur Sozialversicherung 1963, das die Sozialversicherung für alle Spanier erweiterte, sowie das Gesetz zur allgemeinen Bildung, das die allgemeine Schulpflicht ausdehnte.
Gleichzeitig war das Franco-Spanien durch einen bemerkenswerten Mangel an öffentlichen Gütern gekennzeichnet: Autobahnen, bezahlbarer Wohnraum und Infrastruktur in den Gemeinden fehlten, ebenso soziale Dienste wie Krankenhäuser und Schulen. Dies ist zurückzuführen auf ein Steuersystem, das stark auf indirekten Verbrauchssteuern basierte und kaum auf Umverteilung des Einkommens abzielte. Durch die wachsenden sozialen Unterschiede entstanden große Armutstaschen.
Die Arbeiterklasse wuchs: Lohnabhängige in Industrie und Dienstleistungssektor erwarben mehr Kompetenzen und damit größere Möglichkeiten zur sozialen Mobilität. Es entstanden neue urbane Mittelschichten, die aus Selbstständigen, Angehörigen freier Berufe, Angestellten und Beamten bestanden.
Die Oberschicht blieb eine Minderheit: 6 % der Bevölkerung im Jahr 1975 verfügte über einen unverhältnismäßig großen Anteil an Macht und Einfluss. Die traditionelle Landoligarchie verlor an Bedeutung, während die industrielle Bourgeoisie und insbesondere die Finanzaristokratie (Banken) an Einfluss zunahmen. Das oberste Militär hielt weiterhin seine Machtposition; es wurde als die letzte Garantie für das Überleben eines diktatorischen Regimes angesehen.