Kouros und Kore (Anavyssos) – Archaische griechische Skulptur
Eingeordnet in Sozialwissenschaften
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 5,04 KB
Kouros und Kore (Anavyssos) — Technische Angaben
Titel: Kouros von Anavyssos / Kore im Péplos
Autor: unbekannt
Chronologie: ca. 510–500 v. Chr.
Stil: archaisch-griechisch
Kategorie: freistehende Skulptur
Material: Marmor / variegierter Marmor von Paros
Thema: Votiv- oder Friedhofsplastik
Ort: Archäologisches Nationalmuseum (Athen) / Museum der Akropolis (Athen)
Historischer Kontext
Diese Skulpturen gehören zum archaisch-griechischen Stil des 7.–6. Jahrhunderts v. Chr. Die griechische Skulptur dieser Zeit ist geprägt durch die Darstellung menschlicher Figuren: männliche Statuen werden als Kouros, weibliche als Kore bezeichnet. Die Figuren zeigen deutlich den Einfluss orientalischer und altägyptischer Vorbilder: Frontalität und Steifheit des Körpers, Monumentalität sowie eine schematische Gliederung von Körper und Gesicht anhand geometrischer Formen.
Der Mythos berichtet, dass Daidalos in Ägypten das Bildhauerhandwerk erlernte; nach diesen Quellen setzte er als erster die vorgezogene Stellung eines Schrittes in Skulpturen ein. Diese Beobachtungen stehen im Einklang mit historischen Daten, die seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Handels- und Kulturbeziehungen mit dem Osten sowie Reisen ins Niltal belegen.
Formale Analyse
Die beiden Skulpturen weisen gemeinsame formale Merkmale auf: Symmetrie, Frontalität und die Nutzung geometrischer Formen zur Bestimmung einzelner Körperteile. Bezüglich der Symmetrieachse ist die Figur präzise in zwei gleiche Hälften teilbar. Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist die hieratische Haltung: Beide Figuren präsentieren Körper und Gesicht frontal, während die Bekleidung (beim Péplos) senkrecht fallende Falten bildet.
Das geometrische Prinzip zeigt sich in der Ausgestaltung der Haartracht der Kore, im Rumpf und in den Reliefs der Kleidung. Auf der weiblichen Statue sind Reste von Farbfassungen erhalten — ein Zeugnis dafür, dass griechische Skulpturen von Anfang an koloriert wurden.
Inhalt und Bedeutung
Im antiken Griechenland wurden männliche Figuren häufig als Grab- oder Weihstatuen ausgeführt. Solche Skulpturen bezeichnet man als Kouros. Häufig wurden sie fälschlich mit dem Gott Apollon gleichgesetzt, stellen jedoch meist Menschen dar. Schriftliche Quellen legen nahe, dass Kouroi oft zum Gedenken an erfolgreiche Athleten bei wichtigen Spielen wie Olympia aufgestellt wurden. Die Inschrift auf der Basis des Anavyssos-Kouros dokumentiert, dass die Grabstatue zu Ehren des jungen Kroisos angefertigt wurde, der im Kampf gefallen war.
Die Kore (Plural: Korai) steht für jungfräuliche weibliche Figuren, die während der archaischen Epoche kultischen oder votiven Zwecken dienten. Sie halten oft Früchte, Blumen oder kleine Tiere in der Hand und sind im Gegensatz zum Kouros stets bekleidet.
Hermes mit dem kleinen Dionysos
Historischer Kontext
Die Skulptur gehört zur spätklassischen bzw. zweiten klassizistischen Phase der griechischen Kunst. In dieser Zeit wandelte sich die Darstellung des idealen Menschen, und Künstler legten verstärkt Wert auf Ausdruck und Gefühl in den Gesichtern. Praxiteles wird als möglicher Autor dieser Skulptur genannt; sein künstlerischer Höhepunkt wird auf ca. 370–340 v. Chr. datiert. Marmor wurde wieder vermehrt verwendet, wobei die Bronze zuvor dominiere.
Formale Analyse
Hermes steht mit einem Arm gestützt an einem Baumstamm, eingehüllt in einen leichten Mantel, während er das Kind Dionysos hält. Zwischen Stamm und Figur ist eine stützende Konsole erkennbar. Ein zentrales formales Prinzip ist die Ausgleichsbewegung (Contrapposto): Das Becken ist leicht verschoben, ein Bein trägt mehr Gewicht, das andere ist gebeugt, wodurch der Oberkörper und eine Schulter höher erscheinen.
Die dynamische Haltung des Hermes bildet einen Kontrast zur eher vertikalen Haltung des kleinen Dionysos. Die Darstellung des Gewands zeigt sorgfältig gearbeitete Falten, die natürlich fallen und Bewegung suggerieren. Haare, Gesicht und Oberkörper des Hermes verbinden noch Merkmale vorheriger klassischer Strenge mit der weicheren Modellierung der späteren Klassik.
Inhalt und Bedeutung
Die Darstellung ist mythologisch motiviert: Hermes, Götterbote und Gott des Handels, führt Dionysos, den Gott des Weines. Dionysos ist Sohn des Zeus und der thebanischen Prinzessin Semele; in seiner Kindheit wurde er von der eifersüchtigen Hera verfolgt. Zeus rettete das Kind und übergab es Hermes zur Pflege bei den Nymphen des Berges Nysa.
Einige Historiker schlagen vor, dass die Skulptur möglicherweise im Zusammenhang mit politischen oder kultischen Beziehungen zwischen Poleis steht — etwa als Erinnerung an einen Frieden oder an gemeinsame Kulttraditionen, wobei Hermes und Dionysos symbolische Funktionen für die beteiligten Gemeinschaften übernehmen könnten.