Die Krise des Ancien Régime in Spanien (1808–1833)
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Die Krise des Ancien Régime
Der Zusammenbruch unter Karl IV.
Nach dem Regierungsantritt von Karl IV. im Jahr 1788 verwickelte sich Spanien in Koalitionskriege gegen Frankreich, die mit Niederlagen endeten. Manuel de Godoy, ein enger Vertrauter des Königs, leitete Reformen ein, darunter die kirchliche Desamortisation und die Einschränkung der Inquisition. Die Meuterei von Aranjuez am 18. März 1808 führte zur Abdankung Karls IV. und zur Thronbesteigung Ferdinands VII.
Die Herrschaft von Joseph Bonaparte
Napoleon intervenierte und setzte seinen Bruder Joseph Bonaparte als König ein. Dieser versuchte, das Ancien Régime zu beenden, indem er den Klerus enteignete, die Inquisition abschaffte und die Gleichheit vor dem Gesetz einführte. Der Aufstand vom 2. Mai 1808 in Madrid löste einen landesweiten Widerstand aus. Während die Afrancesados den neuen Monarchen unterstützten, kämpften Klerus, Adel und Liberale gegen die französische Besatzung.
Die Verfassung von 1812
Im Sommer 1808 bildete sich die Junta Suprema Central, um den Krieg zu koordinieren. Das wichtigste Ergebnis dieser Zeit war die Verfassung von 1812:
- Legislative: Die Cortes repräsentieren die Nation mit allgemeinem Männerwahlrecht.
- Exekutive: Der König ist das Oberhaupt, unterliegt jedoch der Kontrolle der Cortes.
- Judikative: Unabhängige Gerichte.
Zudem wurden Steuerreformen und eine allgemeine Schulpflicht eingeführt. Die Umsetzung dieser liberalen Gesetze wurde jedoch durch den andauernden Krieg stark behindert.
Restauration und Konflikte
Nach der Rückkehr Ferdinands VII. wurde die Verfassung aufgehoben und der Absolutismus wiederhergestellt. Der Liberale Triennium (1820–1823), ausgelöst durch den Aufstand von Rafael de Riego, erzwang kurzzeitig die Wiedereinführung der Verfassung von 1812. Dies führte zu internen Spannungen zwischen Liberalen und den Anhängern des alten Regimes.
Die Ominöse Dekade und der dynastische Konflikt
Die Ominöse Dekade (ab 1823) war geprägt von der Wiederherstellung des Absolutismus durch französische Truppen (die „Hunderttausend Söhne des Heiligen Ludwig“) und einer brutalen Repression gegen Liberale. Gegen Ende der Regierungszeit Ferdinands VII. entstand ein dynastischer Konflikt: Die Aufhebung des salischen Gesetzes durch die Pragmatische Sanktion ermöglichte die Thronfolge seiner Tochter Isabella II., was den Widerstand der Anhänger seines Bruders Karl auslöste und den Grundstein für die Karlistenkriege legte.