Kriterien psychischer Störungen und Therapie: Modelle & Ziele

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Kriterien pathologischer Probleme

Erklärung der Kriterien für pathologische Probleme

Statistisches Kriterium: Psychologische Merkmale, die ein Individuum charakterisieren, werden in Bezug auf die normale Verteilung in der Bevölkerung beurteilt. Auffälligkeiten werden getrennt vom normalen Zustand betrachtet, indem man Gefühle und Denken vergleicht. So kann man Personen beispielsweise hinsichtlich emotionaler Stabilität, Neurotizismus oder hoher Belastbarkeit unterscheiden. Dieses Kriterium ist jedoch nicht uneingeschränkt gültig, denn viele Genies, Denker und Künstler waren und sind emotional auffällig oder anders als der Durchschnitt.

Biologisches Kriterium

Biologische Kriterien: Abnormales Verhalten wird hier auf eine mangelhafte Funktion des Organismus zurückgeführt. Es wird nach emotionalen oder strukturellen Veränderungen des Gehirns gesucht. Trotz ihrer großen Bedeutung werden biologische Prozesse auch durch Umwelt- und psychosoziale Faktoren beeinflusst.

Soziokulturelles Kriterium

Das soziokulturelle Kriterium betrachtet, dass eine Kultur bestimmt, was als normal bzw. abnormal gilt. Normen und Werte variieren zwischen Gesellschaften und sozialen Gruppen, weshalb kulturelle Kontexte bei der Beurteilung von Verhalten berücksichtigt werden müssen.

Subjektiv-persönliches Kriterium

Das subjektiv-persönliche Kriterium legt nahe, dass jede Person selbst am besten weiß, ob ihr Zustand ihre Fähigkeit beeinträchtigt, ihr Leben zu führen. Dieses Kriterium ist jedoch nicht völlig verlässlich, da manche Menschen nicht erkennen oder nicht mitteilen wollen, dass sie Symptome haben.

Modelle der Kategorisierung

Verschiedene Modelle zur Klassifikation psychischer Probleme

Biologisches Modell

Beim biologischen Modell wird eine psychische Störung als vorrangig körperlich angesehen. Es wird nach biologischen Ursachen gesucht, etwa genetischen, biochemischen oder neurologischen Veränderungen. Dieses Modell hat in der Psychiatrie dazu geführt, vor allem Symptome medikamentös zu behandeln; oft stehen pharmakologische Interventionen im Vordergrund, ohne alle Ursachen vollständig zu erklären.

Conduit-Modell

Das Conduit-Modell beschreibt Verhalten ganzheitlich; die Variablen, die abweichendes Verhalten beeinflussen, sind ebenso vielfältig und komplex wie jene des normalen Verhaltens. Befürworter dieses Modells setzen häufig pädagogische und therapeutische Ansätze ein, bei denen die Person Fertigkeiten erlernt, mit Schwierigkeiten umzugehen und mehr Kontrolle über ihr Leben zu gewinnen.

Bio‑Psycho‑soziales Modell

Das bio-psycho-soziale Modell geht davon aus, dass die verschiedenen wissenschaftlichen Ebenen (biologisch, psychologisch, sozial) hierarchisch organisiert sind, wobei niedrigere Ebenen Teil höherer sind. Dieses Modell versucht, die Komplexität abweichenden Verhaltens durch drei Ebenen zu erklären: biologische, psychologische und soziale Faktoren. Es dient sowohl der Erklärung als auch der Beschreibung abweichender Verhaltensweisen.

Was ist Therapie?

Definition und Zweck der Therapie

Der Begriff „Therapie" kommt aus dem Griechischen (therapeía) und bedeutet Betreuung oder Fürsorge. Heute versteht man unter Therapie eine professionelle Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut und Klient, mit dem Ziel, eine lebensfähige und befriedigende Weise des Seins in der Welt zu entwickeln. Der Therapeut arbeitet mit beobachtbarem Verhalten, affektiven Ausdrücken, kognitiven Stilen sowie mit Strategien zur Bewältigung von Problemen und Blockaden, die die Kontrolle über das eigene Leben und persönliche Veränderung verhindern. Mit verschiedenen Methoden und Techniken hilft der Therapeut, persönliche Probleme zu bearbeiten, neue Alternativen zu finden und ein realistischeres Selbstbild zu entwickeln.

Therapeutische Ziele

Im Folgenden werden mehrere zentrale therapeutische Ziele hervorgehoben:

  • Überwindung von Demoralisierung: Behandlung von niedrigem Selbstwertgefühl, fehlenden sozialen Kompetenzen und Entscheidungsunfähigkeit. Es sollte gelernt werden, Probleme als Herausforderungen und nicht als Bedrohungen zu sehen.
  • Konsolidierung von Kompetenzen und Selbstständigkeit: Förderung von Fähigkeiten zur Selbstversorgung und Autonomie.
  • Überwindung von Vermeidungsverhalten: Unterstützung der Person, sich den gefürchteten Situationen auszusetzen und damit die angstauslösenden Situationen zu bewältigen.
  • Bewusstwerden eigener Verzerrungen: Ziel kognitiver Therapie ist es, Klienten über ihre kognitiven Verzerrungen und irrationalen Vorstellungen aufzuklären, die ihre Emotionen und Verhaltensweisen untergraben.
  • Akzeptanz der Realitäten des Lebens: Zwei wichtige Aufgaben zur persönlichen Reife: erstens die Akzeptanz dessen, was wir nicht verändern können, und zweitens die Anpassung unserer Erwartungen und Interessen an die reale Lebenslage, um realistische Ziele zu verfolgen.

Psychoanalytische Psychotherapie

Die psychoanalytische Psychotherapie entstand im späten 19. Jahrhundert mit der Psychoanalyse nach Sigmund Freud. Es werden drei grundlegende Techniken angewandt:

  • Freie Assoziation: Der Patient berichtet dem Analytiker frei seine Gedanken und Erinnerungen, auch solche, die trivial erscheinen. Dies erleichtert das Hervortreten verdrängter Erinnerungen und Wünsche und deren Bewusstwerdung.
  • Analyse und Deutung der Träume: Träume gelten als Manifestationen unbewusster Impulse, jedoch in verzerrter Form. Ihre Analyse soll Hinweise auf unbewusste Konflikte geben.
  • Übertragung (Transfer): In der Analyse werden frühere emotionale Erfahrungen wiederholt erlebt. Der Patient kann Gefühle wie Feindschaft, Liebe oder Schuld, die ursprünglich gegenüber Eltern oder Bezugspersonen gerichtet waren, auf den Analytiker übertragen. Das Erleben dieser Übertragungsgefühle im therapeutischen Setting ermöglicht es, die Herkunft dieser Emotionen zu verstehen und zu bearbeiten.

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