Kultur, Verhalten und menschliche Natur

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1. Gibt es Menschen ohne Kultur?

Es gibt keine Menschen ohne Kultur, denn der Mensch ist ein Produkt von Kultur und Natur. Biologie und Kultur machen den Menschen zu dem, was er ist. Um den Menschen zu verstehen, müssen wir beide Komponenten berücksichtigen.

2. Multikulturalismus: Haltungen und Implikationen

Der Multikulturalismus führt zu drei Haltungen:

Ethnozentrismus

Der Ethnozentrismus ist eine Haltung gegenüber kultureller Differenz, die auf der Überzeugung beruht, dass die eigene Kultur die einzig richtige und allen anderen überlegen ist. Diese Haltung führt dazu, dass kulturelle Entwicklung ausschließlich an der eigenen Kultur gemessen wird. Alles Fremde wird als irrational und primitiv abgewertet. Ethnozentrismus steht in Verbindung mit gewalttätigem Verhalten wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Aporophobie und kann sogar Völkermord fördern.

Kultureller Relativismus

Der kulturelle Relativismus zielt darauf ab, ethnozentrische Vorurteile zu überwinden. Er argumentiert, dass jede kulturelle Äußerung eine Quelle von Ideen und Werten ist, die das Ergebnis ihrer besonderen Geschichte sind. Nach dieser Ansicht können wir ein kulturelles Merkmal nur innerhalb der Kultur verstehen, die es hervorgebracht hat. Es gibt keinen Weg, die Welt zu verstehen, der anderen überlegen ist. Alle Kulturen sind gleichwertig, was Toleranz fördert. Allerdings entsteht ein neues Problem, da diese Haltung nicht kritisch gegenüber den verschiedenen Kulturen ist.

Kultureller Pluralismus (Interkulturalität)

Der kulturelle Pluralismus (oder Interkulturalität) verteidigt eine Haltung des Dialogs und des Respekts gegenüber verschiedenen Kulturen, die im selben Gebiet nebeneinander existieren, im Rahmen der Menschenrechte. Er schlägt ein Modell vor, in dem alle Kulturen gleich sind und harmonische Beziehungen zwischen ihnen bestehen. Es ist von großer Bedeutung, dass diese Kultur unter allen Mitgliedern der Gesellschaft gepflegt wird. Ethische Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit oder Menschenrechte sind universelle Werte, die keiner Kultur übergeordnet sind. Der kulturelle Pluralismus ist das am besten geeignete Modell für die heutige Zeit.

3. Bewertung von Aussagen zum kulturellen Verständnis

  • a) Es gibt viele Möglichkeiten, Dinge zu tun: Kultureller Pluralismus
  • b) Alles ist erlaubt: Relativismus
  • c) Es gibt bessere Wege, Dinge zu tun als andere: Ethnozentrismus
  • d) Ist positiv und bereichernd: Kultureller Pluralismus

4. Freuds Struktur der Persönlichkeit

  • Das Bewusste: Ideen, Gedanken und Gefühle, derer wir uns bewusst sind.
  • Das Vorbewusste: Material, das leicht erinnert werden kann.
  • Das Ich (Selbst): Realitätsprinzip.
  • Das Unbewusste: Weit unter der Oberfläche des Bewusstseins.
  • Das Über-Ich: Der moralische Wächter.
  • Das Es: Lustprinzip, Triebe und Wünsche.

5. Kultur und individuelle Unterschiede

Einerseits sind wir durch die Kultur gleich, da sie einer sozialen Gruppe die gleiche Kultur auferlegt, wodurch alle Mitglieder gleich sind. Andererseits ermöglicht uns die Kultur, unterschiedliche Rollen innerhalb der sozialen Gruppen einzunehmen, die wir nie zuvor kennengelernt haben. Jedes Individuum interpretiert diese Rollen auf seine eigene Weise, entsprechend seiner persönlichen Sichtweise.

6. Sozialisation und ihre Phasen

Die Sozialisation ermöglicht die Entwicklung neuronaler Fähigkeiten, die sonst verloren gehen würden. Diese Fähigkeiten ermöglichen es uns, uns an die Gemeinschaft anzupassen und in der Gesellschaft zu leben. Die Phasen der Sozialisation sind:

  • Primäre Sozialisation: Umfasst die ersten 5 Lebensjahre. In dieser Phase macht das Kind die wichtigsten Lernerfahrungen in einer vertrauten Umgebung. Zuneigung und Bezugspersonen sind entscheidend.
  • Sekundäre Sozialisation: Dauert den Rest des Lebens an. Das Lernen ist weniger fest als in der primären Sozialisation, aber in dieser Phase können Verhaltensmuster aus der Vergangenheit geändert werden.
  • Resozialisierung: Ist die erneute Verinnerlichung einer anderen Kultur, d.h. eine andere Art, die Welt zu verstehen. Dies ist eine Umstrukturierung, bei der alles zuvor Gelernte in Frage gestellt wird.

7. Sozialisationsagenten

Die Sozialisation wird durch Medien, Gruppen oder Unternehmen durchgeführt, die als Sozialisationsagenten bezeichnet werden und unterschiedliche Lernprozesse ermöglichen.

8. Rousseaus Mythos vom edlen Wilden

Der Philosoph Rousseau glaubte, dass der Mensch in einem ursprünglichen Naturzustand, vor der Entstehung der Kultur, glücklich und frei von den Problemen der Zivilisation lebte. Die Zivilisation habe uns egoistisch gemacht. Naturzustand und Zivilisation sind für Rousseau antagonistisch: ursprüngliche Güte steht der Korruption gegenüber.

9. Wettbewerb: Natur oder Erziehung?

Wie die Erziehung uns lehrt, werden wir von Kindheit an dazu angehalten, immer unser Bestes zu geben. In der Schule will jeder die besten Noten bekommen, das Fußballspiel gewinnen usw. Der Wettbewerb scheint also eher durch Erziehung als durch Natur bedingt zu sein.

10. Natur oder Kultur: Was prägt unser Denken?

Der Behaviorismus vertritt die Ansicht, dass unser Geist bei der Geburt ein unbeschriebenes Blatt (Tabula rasa) ist und dass die Kultur unser Denken und Handeln prägt. Wir sind, was wir denken, und unser Denken wird durch die Kultur geformt.

11. Die behavioristische Sicht der menschlichen Natur

Der Behaviorismus ist eine psychologische Theorie, die die Existenz menschlicher Instinkte ablehnt und das Verhalten als erlernt erklärt. Ein wichtiger Vertreter ist Skinner, der argumentierte, dass unsere Kultur uns dazu bringt, uns so zu verhalten, wie wir es tun. Daraus folgt, dass alles in uns erlernt ist. Der Mensch ist eine Tabula rasa.

12. Freuds Zustände des menschlichen Geistes

  • Bewusstsein: Der Bereich des Geistes, in dem Prioritäten gesetzt werden.
  • Vorbewusstsein: Abhängig vom Ziel, das erreicht werden soll, und von seiner Bedeutung für die Entwicklung.
  • Unbewusstsein: Keine rationalisierte Dynamik, ungesehene Konditionierungsergebnisse. In der Regel sind es Gefühle, die wir für gut halten.

13. Entwicklung des Über-Ichs

Das Über-Ich ist nicht von Beginn des menschlichen Lebens an vorhanden, sondern entsteht als Folge der Internalisierung der Vaterfigur und der moralischen und ethischen Gedanken, die wir von der Kultur empfangen.

Wortschatz:

Neotenie: Einer der Prozesse der Heterochronie, bei dem der erwachsene Organismus Merkmale des Jugendstadiums beibehält.

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