La Celestina: Analyse eines spanischen Meisterwerks des 15. Jahrhunderts

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XV. Jahrhundert Prosa

Die Prosa des 15. Jahrhunderts entwickelte sich weiter und umfasste nicht nur Abenteuer- und Ritterromane, sondern auch zwei neue Genres: den historischen Roman und den sentimentalen Roman.

Theater im 15. Jahrhundert

Das Theater erlebte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine Renaissance, beginnend mit den Stücken von Gomez Manrique. Gegen Ende des Jahrhunderts entstand zudem das Hof-Theater.

La Celestina: Ein Meisterwerk von Fernando de Rojas

Im Jahr 1499 wurde in Burgos La Celestina veröffentlicht. Das Werk besteht aus 21 Akten unterschiedlicher Länge und wurde von Fernando de Rojas verfasst, einem zum Christentum konvertierten Juden. Ausgenommen ist die Handlung, die einem unbekannten Autor zugeschrieben wird und sich laut Kritikern deutlich vom Rest des Werkes unterscheidet.

Literarische Gattung von La Celestina

Die Einordnung von La Celestina in eine bestimmte literarische Gattung ist seit langem umstritten. Einige Kritiker verneinen den dramatischen Charakter des Werkes aufgrund der Schwierigkeiten bei der Inszenierung (die Aufführung wäre zu langwierig) und betrachten es als Roman in Dialogform (dem jedoch ein Erzähler fehlt). Andere ordnen es dem Subgenre der humanistischen Komödie zu. Heutzutage bestreiten nur wenige den im Wesentlichen dramatischen Charakter von La Celestina, dessen Schlüssel im Dialog liegt.

Die dramatische Handlung gliedert sich in einen Prolog und zwei Teile: Der erste Teil umfasst die Akte I bis XIV, der zweite Teil die Akte XV bis XXI.

Handlung von La Celestina

Der junge Callisto jagt einen Habicht und dringt dabei in den Garten von Melibea ein, in die er sich verliebt. Fasziniert von ihrer Schönheit gesteht er ihr seine Liebe, doch sie weist ihn heftig ab, als sie seine unehrlichen Absichten erkennt. Angesichts der Zurückweisung beauftragt Melibea die alte Kupplerin Celestina, die mit Hilfe von Callistos Dienern die junge Frau für ihn gewinnen soll. Geblendet von Gier weigert sich Celestina, den Lohn mit ihren Komplizen zu teilen, woraufhin diese sie ermorden und hingerichtet werden. Die jungen Liebenden geben sich ihrer Leidenschaft hin, bis Callisto durch einen Sturz stirbt. Melibea, verzweifelt, begeht Selbstmord.

Charakterzeichnung in La Celestina

Die Erschaffung der Charaktere ist eine der herausragenden Leistungen dieses Werkes. Die Figuren sind zwar Archetypen (traditionelle Modelle), aber zugleich einzigartige und sehr individuelle Wesen.

  • Callisto: Unsicher, faul, egoistisch und amoralisch.
  • Melibea: Ein vielschichtiger Charakter. Zutiefst menschlich lehnt sie zunächst die Annäherungsversuche des jungen Liebhabers heftig ab, gibt sich ihm dann aber hin, ohne Fragen zu stellen.
  • Celestina: Die Vermittlerin zwischen Callisto und Melibea. Getrieben von der Leidenschaft der Gier verfolgt sie ein einziges Ziel: Reichtum. Um ihren Appetit zu stillen, setzt sie all ihre natürlichen Gaben ein: Einsicht (viel Einfallsreichtum) und Weisheit (mit List und Klugheit), Fähigkeit zur Improvisation, Menschenführung, die Kunst der Verführung und Täuschung, Schmeichelfähigkeit und die Gabe der Beredsamkeit (die Fähigkeit, mit Worten zu überzeugen).
  • Sempronius: Steht zu seinem Herrn in einer rein wirtschaftlichen Beziehung ohne emotionale Bindung. Angetrieben von Eigeninteresse und Lust ist er falsch, unfair, feige und gewalttätig.
  • Parmeno: Ein komplexerer Charakter, der eine Entwicklung durchmacht. Zunächst zeigt er sich seinem Herrn treu, wird aber später durch die Undankbarkeit seines Herrn verletzt. Er erlebt einen inneren Kampf und entwickelt sich zu einem ähnlichen Charakter wie Sempronius.
  • Elicia und Areusa: Ihr Verhalten wird vom Streben nach Gewinn bestimmt.
  • Alisa: Eine stolze und dumme Dame, und Pleberio: Ein fürsorglicher, zärtlicher und liebevoller Vater für seine Tochter, aber auch leichtgläubig und fahrlässig. Sie sind die Eltern von Melibea.

Sprache in La Celestina

In La Celestina treffen zwei sprachliche Register aufeinander, die nicht nur vom Bildungsgrad, sondern auch vom Moment und der sprechenden Person abhängen: das gehobene, rhetorische und von Gelehrsamkeit geprägte Register und das umgangssprachliche, spontane, ausdrucksstarke und von Sprichwörtern durchsetzte Register. Die Charaktere (egal ob adelig oder bürgerlich) passen sich dem jeweiligen kommunikativen Kontext an.

Das Buch ist nach verschiedenen thematischen Schwerpunkten organisiert: Liebe, Lust, Magie, Zeit, Tod.

Soziale Welt in La Celestina

Die soziale Welt in La Celestina spiegelt die Transformation der mittelalterlichen Gesellschaft wider. Dies zeigt sich in:

  • Der Entstehung neuer Beziehungen zwischen den verschiedenen sozialen Schichten.
  • Der Ausprägung eines neuen Moralkodex, dessen Prinzipien sind: Individualität, Freiheit, Pragmatismus und Gewinnmaximierung.

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