La Celestina: Inhalt, Figuren, Stil und Autor
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Der Heiratsvermittler — Text und Autor
Der Heiratsvermittler. Anonym veröffentlicht im Jahr 1499 unter dem Titel Comedia de Calisto y Melibea. Es bestand aus 16 Handlungsteilen. Die Neuauflage des folgenden Jahres wurde vom Namen des Autors Fernando de Rojas begleitet. Im Jahr 1502 wurde eine neue Ausgabe unter dem Titel Tragicomedia de Calisto y Melibea gedruckt. Dies ist die letzte Version, die unter dem Titel La Celestina bekannt wurde und die die wichtigsten Figuren des Werks nennt. Der Erfolg war enorm und das Werk wurde seitdem vielfach bearbeitet. Fernando de Rojas wurde um 1475 in La Puebla de Montalbán (Toledo) geboren. Er studierte Rechtswissenschaften in Salamanca. 1507 ließ er sich in Talavera de la Reina nieder und wurde dort Bürgermeister. Er heiratete, lebte mit seiner Familie in der Region und starb im Jahr 1541.
Gattung und Stil
Es ist ein Werk von beachtlicher Länge, das nahezu vollständig in Dialogform verfasst ist. Einige sehen darin ein Theaterstück, andere ein neuartiges dialogisches Prosawerk. Die Figuren sprechen überwiegend in Dialogen; das Werk war vermutlich nicht primär für öffentliche Aufführungen bestimmt, gehört aber klar zum dramatischen Bereich.
Sprache und Stil verbinden akademische und volkstümliche Register. Die Sprache ist reich an lateinischen Ausdrücken, langen Sätzen und syntaktischen Besonderheiten; zugleich ist sie lebendig und volkstümlich, mit zahlreichen Sprüchen, kurzen Sätzen, Redewendungen, Witzen und Beleidigungen. Die Vielfalt der Sprache zeigt die Macht des Wortes in dieser Tragikomödie: Sie wird eingesetzt, um zu informieren, zu interagieren, zu überreden, zu überzeugen, zu täuschen und andere zu dominieren.
Charaktere
Man unterscheidet in der Darstellung zwei sprachliche bzw. soziale Ebenen, die zwei Gruppen von Figuren entsprechen: die Angehörigen der höheren sozialen Schicht und die der niederen Schichten.
- Höhere Schicht: Calisto, Melibea sowie ihre Eltern Pleberio und Alisa.
- Niedere Schicht: Celestina, Areúsa, Elicia und verschiedene Diener und Prostituierte.
Calisto
Calisto ist der Freier. Er ist vermögend und verhält sich wie jemand, der von Liebe und Leidenschaft geblendet ist. Um Melibea zu gewinnen, verwendet er Listen und Kniffe; er spricht oft in rhetorischer Sprache.
Melibea
Melibea ist eine zentrale weibliche Figur und verhält sich aktiv im Verlauf der Handlung. Sie verheimlicht ihre Leidenschaft nicht und stirbt schließlich.
Pleberio und Alisa
Pleberio und Alisa, die Eltern Melibeas, verhalten sich so, dass sie die wahren Gefühle ihrer Tochter nicht erkennen oder nicht angemessen darauf reagieren.
Celestina
Celestina wird als Magierin bzw. Hexe charakterisiert und verfügt über großes Lebenswissen. Sie ist die zentrale Figur des Werks; ihr Ehrgeiz und ihre Machenschaften führen schließlich zum Tod mehrerer Personen.
Die Diener- und Prostituiertenwelt
Die Welt der Dienstboten und Prostituierten spiegelt die Dominanz egoistischer Triebe, Interessen und Gier wider. Figuren wie Sosias, Tristán und andere Diener empfinden Hass gegenüber ihren Herren.
Inhalt und Intention des Autors
Liebe, Tod, Ehrgeiz, Selbstsucht, Gier und Klassenkampf sind zentrale Themen in La Celestina. Die Liebe zwischen den Protagonisten sowie zwischen Menschen niedrigen sozialen Standes führt zum Tod vieler Figuren. Einige Leser und Forscher sind der Auffassung, dass das Werk einen moralisierenden Zweck verfolgt und die Folgen schlechten Verhaltens aufzeigen will; dabei betont es eine pessimistische Vision sowie tiefe Enttäuschung und Verzweiflung.
Das exemplarische Werk spiegelt die Mentalität des kastilischen Spanien des späten 15. Jahrhunderts und die Werte des frühen Kapitalismus jener Zeit wider. Lügen, Betrug und Täuschung scheinen das Leben der Menschen zu prägen. Geld schafft keine dauerhafte moralische Sicherheit; in La Celestina wirkt dieses Prinzip wie ein Blick in die Zukunft. Nur Prostituierte und Diener überleben die Katastrophe teilweise und führen ihr Leben danach weiter.