Landnutzung, Eigentum & Kulturelle Vielfalt im Mittelalter Spaniens

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Landnutzung und Eigentumsstrukturen in der Reconquista

Die Wiederbesiedlung und wirtschaftliche Erschließung der von den Muslimen zurückeroberten Gebiete auf der Iberischen Halbinsel, insbesondere vom 8. bis zum 15. Jahrhundert, prägte maßgeblich die Eigentümerstrukturen und die soziale Organisation. Im Laufe der Geschichte der Halbinsel entwickelten sich verschiedene Modelle der Landnahme und Besiedlung.

Vier Modelle der Landnahme und ihre Auswirkungen

Traditionell werden vier Hauptmodelle der Landnahme unterschieden:

  1. Die Presura (schnelle Wiederbesiedlung): Dieses Modell wurde vor allem im 8. bis 10. Jahrhundert in den Gebieten nördlich des Duero und in den Ausläufern der Pyrenäen angewandt. Es basierte auf der Presura, einem System, bei dem Siedler Land in Besitz nehmen konnten, das zuvor unbewohnt oder verlassen war. Das Ergebnis war die Entstehung von kleinen und mittleren Bauernhöfen.
  2. Das Concejil-Modell (städtische und kommunale Besiedlung): Dieses Modell dominierte im 11. und 12. Jahrhundert in den Tälern zwischen Ebro, Duero und Tajo. Es erfolgte durch die Gründung von Dorf- oder Stadtgemeinden, denen die Krone große Gebiete (Alfoz) mit bestimmten Privilegien, anerkannt durch Fueros (Privilegienbriefe), gewährte. Dies führte zur Entstehung von Gemeindegütern und kommunalen Objekten.
  3. Die Landvergabe an Militärorden (Encomienda): In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, insbesondere zwischen Tejo und Guadiana, wurden große Ländereien an militärische Orden vergeben, meist über das Encomienda-System. Dies resultierte in der Entstehung von Großgrundbesitz, der von diesen Orden verwaltet wurde.
  4. Das Repartimiento (Verteilung an den Adel): Die letzte Phase der Wiederbesiedlung, das Repartimiento, fand ab dem 13. Jahrhundert in Südspanien statt. Hierbei wurden große Flächen an Adelsfamilien vergeben. Das Ergebnis war der Großgrundbesitz in Andalusien und die damit verbundene Existenz einer großen Zahl landloser Bauern.

Kulturelle Vielfalt: Christen, Juden und Muslime

Die Kulturlandschaft der Iberischen Halbinsel im Mittelalter war durch ihre einzigartige Vielfalt gekennzeichnet. Die Koexistenz von Mudejaren (Muslimen in christlichen Gebieten) und Mozarabern (Christen in muslimischen Gebieten) sowie von Juden in beiden Kulturkreisen förderte einen intensiven kulturellen Austausch zwischen den drei Religionen und Gesellschaften. So wurde die Iberische Halbinsel zu einer wichtigen Brücke zwischen dem islamischen und christlichen Europa, ergänzt durch die jüdische Welt.

Bildung und Wissenstransfer im Mittelalter

Im Mittelalter war die Kirche maßgeblich für die Bewahrung und Übertragung von Kultur und Wissen verantwortlich. Im 11. Jahrhundert waren Klosterschulen die einzigen Lernzentren. Ab dem 12. Jahrhundert entstanden Kathedralschulen, und später im selben Jahrhundert wurden die ersten Universitäten gegründet (z.B. Palencia, Salamanca, Valladolid).

Die Rolle der Übersetzerschulen

Die Zusammenarbeit zwischen den drei Kulturen manifestierte sich besonders in den Übersetzungszentren, die ab dem 12. Jahrhundert entstanden (z.B. in Toledo, Saragossa). Die Übersetzerschule von Toledo erlangte im 12. Jahrhundert unter dem Impuls von Erzbischof Raimund großen Ruhm durch die Übersetzung arabischer Werke. Im 13. Jahrhundert, während der Herrschaft von Alfons X. dem Weisen, stieg das Prestige des Kastilischen, und die Verwendung des Galicischen wurde gefördert. Zahlreiche wissenschaftliche, philosophische und literarische Werke, die ursprünglich aus dem Griechischen oder Arabischen stammten, wurden ins Kastilische und später von Christen ins Lateinische übersetzt und so in Europa verbreitet. Dadurch wurden die Kenntnisse der griechischen Antike und der islamischen Welt in Europa weithin bekannt.

Europäischer Einfluss durch den Jakobsweg

Darüber hinaus wurden die christlichen Königreiche durch den Jakobsweg (Camino de Santiago) kulturell stark vom europäischen Festland beeinflusst. Pilger brachten architektonische Stile, Moden und Denkweisen aus anderen Ländern mit, wodurch die Iberische Halbinsel zunehmend in die westliche europäische Kultur integriert wurde.

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