Landwirtschaft und Agrarstruktur in Spanien
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Landwirtschaftliche Flächen und ländliche Gebiete
Landwirtschaftliche Flächen sind geografische Gebiete, die durch den Menschen für die landwirtschaftliche Produktion, Vieh- und Forstwirtschaft verbessert wurden. Die ländliche Umgebung bezeichnet den Raum (das Land), in dem Tätigkeiten im Zusammenhang mit Freizeit, Industrie, Wohnen oder ländlichem Tourismus stattfinden.
Die Agrarlandschaft ist das Ergebnis menschlicher Leistung in Abhängigkeit von der physikalischen Umwelt; diese Aktion schafft das, was wir als Agrarlandschaften bezeichnen. Spanien besitzt eine große Vielfalt an Agrarlandschaften und eine intensive menschliche Besiedlung des Gebiets.
Landnutzung und Bodenverteilung
Als Landnutzung bezeichnet man die Bewirtschaftung des Bodens für Landwirtschaft, Vieh- und Forstwirtschaft. Spanien umfasst 50,5 Millionen Hektar, von denen 82,8 % landwirtschaftlich genutzt werden. Diese teilen sich wie folgt auf:
- Anbaufläche (37,8 %): Dieser Raum ist rückläufig, da viele Gebiete verlassen werden; in den letzten 30 Jahren sank die Fläche um 2 Millionen Hektar. Regionen mit hohen Werten sind Andalusien, Kastilien-La Mancha und Murcia.
- Grünland (12,4 %): Ebenfalls ein Gebiet im Niedergang. Die höchsten Werte finden sich in Kantabrien und Asturien (Wiesen) sowie in der Extremadura (Weiden). Es dient als Futter für Vieh, wie Schweine oder Rinder.
- Forstflächen (32,6 %): Diese sind in Kantabrien, Katalonien und Valencia reichlich vorhanden und bestehen aus Wäldern unterschiedlicher Zusammensetzung. Sie dienen der Holzgewinnung, Jagd und dem Naturschutz.
- Der Rest (17,2 %): Dieser Teil wird für andere Zwecke genutzt, wie Städte, Straßen und Flüsse.
Die Bedingungen der landwirtschaftlichen Tätigkeit
Die landwirtschaftliche Fläche wird von materiellen und menschlichen Faktoren beeinflusst:
Physische Faktoren
- Das Relief: Es kann landwirtschaftliche Tätigkeiten erleichtern oder behindern.
- Höhenlage: Sie beeinflusst Temperatur und Feuchtigkeit.
- Steigung und Unebenheit: Diese beeinflussen die Bodenbildung und machen Gebiete anfälliger für Erosion.
- Das Wetter: Temperaturen und Niederschläge bestimmen die Arten der Agrarlandschaft und der Pflanzen, die sich an das Klima anpassen müssen.
- Bodenbeschaffenheit: Je nach Art und Zusammensetzung eignet sich die Erde für bestimmte Kulturen besser als für andere.
- Vegetation: In einigen Fällen musste sie für die Landwirtschaft vollständig entfernt werden.
Menschliche Aspekte
- Historische Bedingungen: Dazu gehören die Dauer der Landnutzung, vergangene Landwirtschaftssysteme, die Landverteilung und traditionelle Kulturpflanzen.
- Wirtschaftliche und soziale Bedingungen: Diese beziehen sich auf technische Innovationen, Mechanisierung, Düngemitteleinsatz und die Bedeutung des Beitritts zur Europäischen Union.
Die Landnutzungskarte
In Spanien zeigt sich eine enge Beziehung zwischen Landnutzung, Topographie und Klima:
- Waldgebiete: Sie fallen mit hohen Bergregionen zusammen, die für den Anbau ungeeignet sind.
- Wiesen und Weiden: Diese entsprechen den mittleren Berggebieten im Westen, Feuchtgebieten (Biskaya) und Weideflächen (Extremadura).
- Ackerland: Es besetzt die inneren Becken der Hochebenen, Depressionen und die Mittelmeerküste. Wichtig sind auch bewässerte Flächen an Flüssen, Gewächshäuser (Almería, Granada, Huelva) und subtropische Kulturen in Granada und Málaga.
Agrarstruktur und Betriebssysteme
Unter Agrarstruktur versteht man die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Landbesitz, Pachtverhältnisse und die Morphologie der Landschaft umfassen.
Großgrundbesitz (Latifundien)
Großgrundbesitz wird als Eigentum über 250 Hektar definiert. Diese finden sich vor allem in Salamanca, der Extremadura, Kastilien-La Mancha und Andalusien. In Provinzen wie Sevilla oder Jaén sind über 55 % der Fläche Großgrundbesitz. Historisch gesehen widmeten sich diese Flächen oft dem Regenfeldbau, was viel Arbeit erforderte, aber geringe Gewinne abwarf. Heute hält 1 % der Inhaber mehr als 50 % des spanischen Landes.
Kleinbetriebe (Minifundien)
Diese Betriebe sind unter 10 Hektar groß und dominieren in Nord- und Westspanien (Galicien, Kastilien-León). Kleinbetriebe haben oft das Problem, dass die Produktion kaum für eine Familie reicht und Kapital für Modernisierungen fehlt. Die Lösung wird oft in der Flurbereinigung (Konzentration des Eigentums) gesucht.
Mittlere Betriebe und Rentabilität
Betriebe zwischen 10 und 100 Hektar gelten als Median, sind jedoch seltener. Heute hängt die Bedeutung eines Betriebs weniger von der Größe als von der Rentabilität ab. Die EU nutzt hierfür die European Currency Unit (ESU).
Besitzformen
Es gibt Gemeindeland, das Dörfern gehört und verpachtet wird. Bei der direkten Bewirtschaftung nutzt der Eigentümer das Land selbst; bei der indirekten Bewirtschaftung erfolgt dies durch Pacht oder Halbpacht (Teilung von Kosten und Nutzen).
Anbausysteme und Agrarlandschaften
Regenfeldbau (Trockenlandwirtschaft)
Pflanzen nutzen hier nur Regen- oder Grundwasser. Im feuchten Spanien sind dies Kartoffeln oder Mais. In trockenen Gebieten dominiert Getreide (Weizen, Gerste, Roggen), oft in Kombination mit Brachzeiten zur Bodenerholung.
Bewässerungsfeldbau
Hier wird Wasser künstlich zugeführt (Gräben, Sprinkler). Traditionelle Gebiete liegen in der Levante und Andalusien. Angebaut werden Gemüse, Obst, Reis sowie Industriepflanzen wie Baumwolle, Tabak und Sonnenblumen.
Kulturpflanzen
Man unterscheidet das atlantische vom mediterranen Spanien. Die mediterrane Trilogie besteht aus Weizen, Wein und Oliven. Getreide ist weit verbreitet, wobei Gerste für die Brauerei an Bedeutung gewinnt. Reis wächst in Valencia und am Ebro-Delta. Oliven sind das Wahrzeichen Südspaniens. Der Weinbau konzentriert sich auf La Mancha, La Rioja und Cádiz. Subtropische Früchte wie Avocado und Mango wachsen in Granada und Málaga.
Aktuelle Änderungen im ländlichen Raum
In den 60er und 70er Jahren führten Mechanisierung und Bewässerung zu einer Landflucht. Heute gibt es neue Nutzungen: Zweitwohnungen, Industrie und vor allem der ländliche Tourismus (Wandern, Naturparks). Dies wertet den ländlichen Raum wirtschaftlich auf und wirkt dem Niedergang entgegen.
Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)
Seit dem EU-Beitritt 1986 bestimmt die GAP die spanische Landwirtschaft. Ziele waren die Modernisierung und die Anpassung an den EU-Binnenmarkt.
- Flurbereinigung: Seit 1952 wird versucht, die Zersplitterung von Kleinbetrieben zu verringern, um die Bewirtschaftung effizienter zu gestalten.
- Protektionismus: Früher schützten Zölle den nationalen Markt; heute gilt die Gemeinschaftspräferenz innerhalb der EU.
- Herausforderungen: Überschüsse (Milch, Fleisch) werden durch Quoten und Brachlegung reguliert. Ökologischer Landbau soll die Umweltverschlechterung stoppen.
- Regionale Auswirkungen: Während die Mittelmeerküste vom Gartenbau profitiert, haben Viehzüchter in Kantabrien oft mit Überkapazitäten zu kämpfen.