Die lateinamerikanische Erzählkunst und Literaturtheorie

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Die hispanoamerikanische Erzählkunst im 20. Jahrhundert

Die hispanoamerikanische Erzählkunst der zweiten Hälfte des Jahrhunderts lässt sich in zwei wesentliche Etappen unterteilen. Zunächst erfolgte die Überwindung des Realismus. Nachdem der Realismus in einer Phase die einzige Form darstellte (vertreten durch Autoren wie Mariano Azuela und Ricardo Güiraldes), begann die Phase der Überwindung, die den Beginn des Magischen Realismus markierte.

Regionalismus und Magischer Realismus

Es entstanden autochthone Regionalromane und Novellen mit realistischen Eigenschaften, welche die vielfältige Natur, die herrliche unberührte Landschaft, politische Konflikte und soziale Probleme darstellten. Im Magischen Realismus wird die urbane Welt repräsentiert, charakterisiert durch die Vermischung von Realität, existenziellen Problemen und Fantasie.

Bedeutende Autoren wie Jorge Luis Borges, Miguel Ángel Asturias, Alejo Carpentier und Juan Rulfo legten großen Wert auf die Ästhetik ihrer literarischen Werke. Sie wurden von Pionieren wie Proust, Kafka und Joyce beeinflusst, die als Wegbereiter des Magischen Realismus gelten.

Die zweite Etappe: Der lateinamerikanische Boom

Diese Phase, bekannt als der Boom Hispanoamericano, führte eine völlig neuartige Erweiterung des Romans ein. Wir finden formale Techniken und Experimente mit der Sprache, wie etwa im Werk Rayuela von Julio Cortázar. Auch die urbane Thematik wurde weiter vertieft, was zu einer vollständigen Konsolidierung der Integration von Fantasie und Wirklichkeit führte.

Weitere bedeutende Vertreter, die den Erfolg der lateinamerikanischen Erzählung festigten, sind Ernesto Sábato, Mario Vargas Llosa und Gabriel García Márquez.

Literarische Kommunikation

Literarische Kommunikationsakte besitzen spezifische Elemente:

  • Sender (Emisor): Der Autor als Schöpfer eines originellen und zeitlosen Werkes. Er arbeitet mit künstlerischem Reiz, Sorgfalt und Gründlichkeit.
  • Empfänger (Receptor): Der Leser oder Betrachter (eine heterogene Gruppe), der das Werk liest und interpretiert.
  • Botschaft (Mensaje): Das literarische Werk oder der Text. Hier ist die ästhetische und schöne Darstellung des Inhalts entscheidend.
  • Kanal (Canal): Das Buch, das Theaterstück oder audiovisuelle Mittel.
  • Kontext (Contexto): Autor und Leser befinden sich in unterschiedlichen Situationen; der Autor erschafft eine literarische Fiktion aus seiner Sicht, während der Empfänger sie aus seiner eigenen Perspektive aufnimmt.
  • Code (Código): Eine modifizierte gemeinsame Sprache, die aus expressiven und ästhetischen Gründen angepasst wurde.

Merkmale der literarischen Sprache

Obwohl Schriftsteller auf der gemeinsamen Sprache basieren, manipulieren und modifizieren sie diese, um einen innovativen Code zu erschaffen. Sie nutzen eigene Ausdrucksmittel und oft eine eigene Grammatik.

Sprachliche Besonderheiten

  • Vielfältige, präzise und konnotative Sprache.
  • Lexikalischer Reichtum, teils mit dem Leser unbekannten Wörtern.
  • Polysemie: Jede Botschaft lässt verschiedene Interpretationen durch den Leser zu.
  • Vorherrschen der poetischen Funktion, aber auch der expressiven und konativen Funktionen.

Der Autor erforscht die Möglichkeiten der Sprache, um den Leser durch Intensivierung und nonverbale Effekte wie Rhythmus und Musikalität in Erstaunen zu versetzen.

Literarische Figuren und rhetorische Mittel

Um die poetische Funktion zu erfüllen, werden rhetorische Mittel eingesetzt:

  • Phonische Ebene: Alliteration, Paronomasie.
  • Morphosyntaktische Ebene: Anapher, Hyperbaton, Polysyndeton, Parallelismus.
  • Semantische Ebene: Hyperbel, Personifikation, Antithese, Metapher, Vergleich.

Das Theater

Das Theater umfasst die dramatische Struktur, Charaktere (deren Typologie und Funktion ähnlich wie in der Erzählkunst sind), den Dialog sowie die Regieanweisungen.

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