Lateinamerikanische Literatur im 20. Jahrhundert
Eingeordnet in Latein
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 3,25 KB
Der lateinamerikanische Roman und die Erzählung
Beide Stile stagnierten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Dennoch erwachten sie schließlich wieder und erlebten ein Revival.
Die ersten Jahrzehnte: Der Regionalroman
Bis in die 1940er Jahre hinein wird der Roman unter Berücksichtigung der folgenden thematischen Trends betrachtet:
- Roman der Erde (Novela de la tierra): Beschreibt die amerikanische Natur. Die Geschichten basieren auf der Wirkung der Natur auf die Menschen, die dort leben. Beispiele: „Doña Barbara“ (Rómulo Gallegos) und „The Vortex“ (José Eustasio Rivera).
- Indigenistischer Roman: Das zentrale Thema ist die Gerechtigkeit sowie die Auswirkungen des weißen Mannes auf die indigene Gesellschaft und Ansprüche auf nationale und kulturelle Identität. Beispiele: „Die Welt ist groß und fremd“ (Ciro Alegría) und „Huasipungo“ (Jorge Icaza).
- Politischer Roman: Romane mit Bezug auf die mexikanische Revolution. Beispiel: „Die Unten“ (Mariano Azuela).
Pioniere der Erneuerung: Anfänge des magischen Realismus
Zwischen 1945 und 1960 gab es eine Reihe von Veränderungen in der lateinamerikanischen Fiktion, bedingt durch eine neue soziale, politische und wirtschaftliche Weltsicht sowie den Einfluss der zeitgenössischen europäischen und amerikanischen Erzählkunst.
Die wichtigsten Änderungen waren:
- Die ländliche Priorität wird aufgegeben; das Städtische wird integriert und soziale Probleme werden explizit thematisiert.
- Die bisherige realistische Ästhetik wird abgelegt.
Zu den wichtigsten Autoren zählen Miguel Ángel Asturias, Ernesto Sabato, Juan Carlos Onetti, Juan Rulfo und Gabriel García Márquez („La Hojarasca“ / „Der Laubsturm“).
Der Roman der 1960er Jahre: Magischer Realismus
Die Unterstützung des spanischen Verlagswesens war der Schlüssel zum Phänomen des Booms der lateinamerikanischen Romane. Diese erlangten internationale Anerkennung. Zahlreiche Bücher wurden veröffentlicht, darunter: „Rayuela“ (Julio Cortázar), „Paradiso“ (José Lezama Lima) und „Hundert Jahre Einsamkeit“ (Gabriel García Márquez).
Der zeitgenössische Roman
Die Erzählweise dieser Jahre reduziert die technische Komplexität, nutzt die Umgangssprache und wendet sich vom magischen Realismus ab oder variiert ihn. Die wichtigsten Werke sind: „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ (García Márquez), „Das Geisterhaus“ (Isabel Allende) und „Bittersüße Schokolade“ (Laura Esquivel).
Die lateinamerikanische Erzählung
Die Kurzgeschichte wurde als narratives Genre in großem Stil gepflegt. Themen sind unter anderem der Zeitverlauf, Labyrinthe (als Symbol für das Universum), Bibliotheken und Spiegel. Repräsentative Autoren sind Jorge Luis Borges („Ficciones“, „Das Aleph“) und Juan Rulfo („El Llano en llamas“ / „Der brennende Flachland“).