Lateinamerikanische Literatur: Vom Boom zum modernen Roman
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Die Story der sechziger Jahre: Der Boom und der Magische Realismus
Die letzte große Erneuerung der lateinamerikanischen Fiktion stammt aus den sechziger Jahren. Kritiker bezeichnen dieses Phänomen als den „Boom der lateinamerikanischen Literatur“. Dieser Erfolg wurde durch ein außerliterarisches Phänomen begünstigt: die Unterstützung spanischer Verlage, insbesondere nach dem Erfolg von Die Stadt und die Hunde (1962) von Mario Vargas Llosa.
In kürzester Zeit erschien eine Reihe beeindruckender Romane:
- Über Helden und Gräber des Argentiniers Ernesto Sabato
- Drei traurige Tiger des Kubaners Guillermo Cabrera Infante
- Der beispiellose Erfolg von Hundert Jahre Einsamkeit (1967) des Kolumbianers Gabriel García Márquez
Diese Werke lenkten die internationale Aufmerksamkeit auf diese Gruppe von Schriftstellern. Die thematischen Schwerpunkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Die existentielle Krise des Individuums: Wiederkehrende Themen sind Sexualität, Tod, Einsamkeit und Isolation.
- Der Diktator: Nach Tirano Banderas von Valle-Inclán wurde die Figur des Diktators in Lateinamerika zum zentralen Erzählmotiv, etwa in Der Präsident von Miguel Ángel Asturias.
- Die Geschichte des Kontinents: Die ereignisreiche Geschichte Lateinamerikas bot eine reiche Vorlage für zahlreiche historische Romane, wie Der Krieg am Ende der Welt von Vargas Llosa oder Hundert Jahre Einsamkeit.
Der zeitgenössische Roman
Ab den siebziger Jahren veröffentlichten die bereits etablierten Autoren weiter, während neue Schriftsteller hinzukamen, die jedoch nicht die gleiche Verbreitung erreichten. Die Erzählweise dieser Jahre reduzierte die technische Komplexität der vorangegangenen Werke, um dem Leser einen leichteren Zugang zu ermöglichen, ohne jedoch vollständig auf Experimente zu verzichten.
Es herrscht eine realistische Erzählweise vor, die oft Umgangssprache verwendet, aber weiterhin auf den Magischen Realismus zurückgreift. Ein wesentlicher Titel dieser Zeit ist Die Liebe in den Zeiten der Cholera von García Márquez.
Die spanisch-amerikanische Kurzgeschichte
Neben dem Roman ist die Kurzgeschichte ein in Lateinamerika seit den vierziger Jahren weit verbreitetes Genre. Die Erzähler der vierziger und fünfziger Jahre waren bedeutende Pfleger der literarischen Erzählung.
Wichtige Vertreter und Werke:
- Jorge Luis Borges: Mit Werken wie Universalgeschichte der Niedertracht, Ficciones, Das Aleph und Das Buch der Sande leistete er einen außerordentlichen Beitrag.
- Juan Rulfo: In El Llano en llamas schildert er die Härte des Lebens, die Armut und den moralischen sowie physischen Primitivismus in der mexikanischen Provinz.
- Julio Cortázar: Er gilt als einer der wichtigsten Innovatoren des Genres, der in seinen Geschichten komplexe Realitäten aufzeigt.
In den sechziger Jahren traten die Kurzgeschichten der Autoren des „Booms“ oft hinter deren bedeutende Romane zurück, wie es bei García Márquez der Fall war.